

Die Geldmacher von Harlem
Originaltitel: A Rage in Harlem (auch For Love of Imabelle, The Five-Cornered Square), 1957
Unionsverlag
222 Seiten
Roman
Inhalt
Der Traum vom schnellen Geld ist in Harlem ein großes Laster. Der einfältige Jackson vertraut all sein Bares einem dubiosen Geldmacher an, der ihn prompt über den Tisch zieht. Dass seine Geliebte Imabelle mit zu den Betrügern gehört, will Jackson nicht in den Kopf. Und so verstrickt er sich mehr und mehr in eine haarsträubende Geschichte, in der schließlich eine Kiste voller Golderz, eine falsche Nonne und natürlich Mörder ihr Unwesen treiben. Wie gut, dass Grave Digger und Coffin Ed in der Nähe sind ...
Kommentar
Die Geldmacher von Harlem schleudert den Leser in einen Wirbel aus Absurdität, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Himes' Harlem ist der letzte Ort, an dem man gestrandet sein möchte. Seine Akteure sind groteske Figuren in einem chaotischen Spiel des Schicksals, unfähig, ihre Fehler zu erkennen, steuern sie geradewegs weiter auf den Abgrund zu. Die erste Hälfte des Romans reißt mit, lässt einen unwillkürlich den Kopf schütteln, ob der seltsamen Figuren, die da durch Harlem streifen. Gegen Ende ärgert man sich etwas über ihre Unfähigkeit, aber zum Glück tauchen die beiden unvergleichlichen Polizisten auf, die den ganzen Fall in die Hände nehmen.
Textauszug:
"Ich habe einen besseren Plan", meinte Goldy. "Ich werde Jackson ein Paket falscher Scheine geben und lasse Gus Parsons Kontakt mit ihm aufnehmen. Gus wird ihn zu ihrem Quartier führen, und ihr könnt ihnen folgen."
Grave Digger schüttelte den Kopf. "Du hast gerade gesagt, sie haben Jackson mit dem
Knall reingelegt."
"Da war aber Gus nicht dabei. Gus kennt Jackson nicht. Bis Gus seinen Fehler bemerkt, habt ihr sie längst am Wickel."
Grave Digger und Coffin Ed schauten einander an. Coffin nickte.
"Okay, Kumpel, wir werden sie uns morgen vorknöpfen.", sagte Grave Digger und fügte grimmig hinzu: "Ich nehme an, du bist der Wohltäter deines Bruders."
"Ich versuch nur, ihm zu helfen, mehr nicht", protestierte Goldy. "Er will sein Mädchen wiederhaben."
"Darauf wette ich", meinte Coffin Ed.
Sie entließen Goldy aus dem Wagen und fuhren davon.
"Liegt gegen Jackson nicht ein Haftbefehl vor?" bemerkte Coffin Ed.
"Ja, er hat seinem Chef fünfhundert Dollar geklaut."
"Dann greifen wir uns ihn auch."
"Wir greifen uns alle."


Der Traum vom großen Geld
Originaltitel: The Big Gold Dream, 1960
Unionsverlag
216 Seiten
Roman
Inhalt
Während einem Gottesdienst mitten auf den Straßen von Harlem, erzählt Alberta Wright von einem göttlichen Traum. Sie buk drei Kuchen, die explodierten und Geldscheine regnen ließen. Kurz darauf bricht sie tot zusammen. Und eine Reihe von Leuten macht sie daran, sich ihren Traum unter den Nagel zu reißen. Dass dabei bald weitere Leichen auftauchen und die Jagd nach dem großen Geld immer grotesker und gefährlicher wird, dürfte kaum überraschen. Wie gut, dass es noch Coffin Ed Johnson und Grave Digger Jones gibt.
Kommentar
Ein ausgezeichneter Himes. Stilistisch sehr gut und mit den oft skurrilen Ideen seines Harlems äußerst unterhaltsam.
Textauszug:
Sie warteten auf die Schnapsnase. Der ließ sie nicht lange stehen. Er ging auf den Wagen zu, als sei's ihm egal, wer ihn sah, öffnete die hintere Tür, ohne Coffin Ed dazu Zeit zu lassen, und kroch auf den Sitz.
"Spuck's aus und dann ab", herrschte Coffin Ed ihn an. "Du verpestest uns hier die Luft."
"Wollt ihr wissen, wer den Zigarrenladen der United ausgeräumt hat?" fragte der Säufer.
"Wer denn?" knurrte Coffin Ed.
"Ich!" jubelte der Angesäuselte und schüttelte sich vor Lachen.
Coffin Ed war im Nu aus dem Wagen und pflanzte seine großen Füße aufs Pflaster. Den Revolver wie eine Keule in der Hand, riß er die hintere Tür auf, langte hinein, griff den Exboxer am Kragen und zerrte ihn durch die offene Tür hinaus, bevor Grave Digger kapiert hatte, was vor sich ging.
"Tu ihm nichts, Ed!" schrie Grave Digger. "Bitte nicht - der hat sie doch nicht alle."
Coffin Eds säurezerfressenes Gesicht wirkte diabolisch vor lauter Zorn. Aber er bremste den Schlag des Revolvergriffs kurz vor dem Aufprall auf dem Schädel des Säufers. Dann stieß er ihn gegen den Wagen und gab ihm was aufs Maul.
"Bist gar nicht komisch", sagte er mit einer so bedrohlich klingenden Stimme, dass es Grave Digger kalt den Rücken hinunterlief.
Der ehemalige Boxer wurde vor Schreck ohnmächtig. Coffin Ed rollte ihn mit dem Fuß beiseite.
"Wo bleibt dein Sinn für Humor, Ed?" fragte Grave Digger.
"Hab keinen", gab Coffin Ed zu, als er seinen Revolver in das Halfter schob und sich wieder in den Wagen setzte. "Den haben sie mir weggeätzt."