

Fright
Originaltitel: Fright, 1950
Hard Case Crime
254 Seiten
Roman
Inhalt:
Prescott Marshall steht vor dem wichtigsten Tag seines Lebens, der Hochzeit mit der wunderbaren Marjorie. Sein Job läuft gut, die Zukunft sieht wirklich golden aus. Doch ein kleiner Ausrutscher treibt ihn in die Fänge einer skrupellosen Erpresserin, die ihm das Dasein zur Hölle macht. Am Rande des Zusammenbruchs, begeht er eine folgenschwere Tat. Alles Glück wird zum Alptraum. Das einzige, was es in Prescotts Leben noch gibt ist: Furcht. Ein schleichendes Gift, das alles zu durchdringen droht, auch die bedingungslose Liebe Majories.
Kommentar:
Ursprünglich 1950 unter seinem Pseudonym George Hopley geschrieben, ist Fright eine Noir-Story vom Feinsten. Wie kein anderer versteht es Woolrich, einen hypnotischen Sog aufzubauen, der seinen Protagonisten und Leser unaufhaltsam in den Abgrund treibt. Die Furcht des Marshall Prescott ist so voller Agonie und Ausweglosigkeit, dass man sie von Seite zu Seite mehr spürt. Und mit jedem Tropfen Angstschweiß ahnt man, dass sein Ende unausweichlich ist. Eine tiefschwarze Tragik, die den normalen Jemand trifft, gerade, als sein Glück zum Greifen nah ist. Der Weg nach unten ist eine klaustrophobische Spirale abwärts, die schließlich in ein schwarzes Loch mündet. Hoffnung? Nur Geschwätz. Erlösung? Nur in der absoluten Finsternis.
Bleibt zu hoffen, dass Hard Case Crime Deutschland dieses Schmuckstück veröffentlicht.


Der schwarze Vorhang
Originaltitel: The Black Curtain, 1941
Diogenes Verlag
184 Seiten
Roman
Inhalt:
Ein Vorhang verbirgt die Vergangenheit von Frank Townsend - eine Amnesie. Nach einem Unfall geht er nach Hause, um erfahren zu müssen, dass er seit drei Jahren nicht mehr dort war. Als ihn ein Unbekannter verfolgt, gerät der Neuanfang mit seiner Frau zu einem Albtraum. Schließlich macht Townsend sich auf, das Geheimnis um seine Vergangenheit zu lüften. Wer war er in diesen verlorenen Jahren? In der Tillary Street kommt er seiner Vergangenheit auf die Spur und ihm offenbart sich ein schreckliches Geheimnis.
Kommentar:
Trotz des viel versprechenden Anfangs verfällt die Spannung der Geschichte zusehens und gipfelt in einem zu konstruierten und von glücklichen Zufällen wimmelnden Finale. Es macht sich das Gefühl breit, dass der penny-a-worder Woolrich hier nur mit halbem Herzen bei der Sache war.


Ich heirate einen Toten
Originaltitel: I Married a Dead Man, 1948
Diogenes Verlag
254 Seiten
Roman
Inhalt:
Helen ist hochschwanger, als sie sich mit genau 17 Cent nach San Francisco aufmacht. Im Zug lernt sie die ebenfalls schwangere Patrice Hazzard und ihren Mann kennen, ein hilfsbereites Paar auf dem Weg zu seiner Familie. Doch sie kommen niemals an. Der Zug verunglückt und von den Dreien überlebt nur Helen. Aus Sorge um ihr Neugeborenes schlüpft sie in die Rolle der verstorbenen Patrice. Ein Leben in Sicherheit wartet. Ein Zuhause. Doch der Schatten der Vergangenheit legt sich auf ihr neues Glück. Ein mörderisches Spiel beginnt.
Kommentar:
Ein sehr guter Woolrich, in dem er geschickt mit Worten spielt und hoffnungsvolle oder verzweifelte Stimmungen erschafft. Hier und da verwendet er eine eher unübliche Erzählweise mit romantisch-märchenhaften Zügen, sehr atmosphärisch und gekonnt. Ein Lesevergnügen.
Textauszug:
Das Leben ist schon verrückt. Grotesk. Ein Mann ist tot. Eine Liebe wurde vernichtet. Aber von seiner Zigarette in einem Aschenbecher steigt noch Rauch auf. Und ein Eiswürfel schwimmt noch ungeschmolzen in einem Glas Whisky. Die wichtigen Dinge, die ein Leben lang halten sollen, die vergehen, und die unwichtigen, die halten ewig.