

Die Gorillas
Originaltitel: The Outfit, 1963
University of Chicago Press
214 Seiten, Paperback
Roman
Inhalt
Das Syndikat vergisst nicht. Nachdem Parker ihm in der Resnick-Sache das Fell über die Ohren gezogen hat, sinnt es auf Rache. Und schickt ihm direkt mal einen Killer auf den Hals. Doch um den Gesetzlosen zur Strecke zu bringen, braucht es schon einen absoluten Profi. Und der bräuchte verdammtes Glück. So ist es an Parker, zurückzuschlagen. Und während er persönlich in den Reihen der Gangster aufräumt, stößt er eine Welle von Raubüberfällen an, wie sie das organisierte Verbrechen noch nie erlebt hat. Immer und immer wieder schlagen seine ehemaligen Partner und Verbündeten zu und zwingen das Syndikat in die Knie. Denn auch Parker vergisst nicht. Und wenn er sich einen Mord auf die Agenda setzt, dann hilft dem anderen auch kein Glück mehr.
Kommentar
The Outfit ist kein reiner Parker-Roman. Zwar ist er es durch und durch, aber die Handlung begleitet nicht nur ihn, sondern Typen wie ihn - unabhängige Kriminelle, die sich an den Ausläufern des organisierten Verbrechens bewegen, in einem stillen Übereinkommen, dieses zu ignorieren. Sie sind wortkarg, hart und effektiv. Ihre Überfälle laufen ab, wie ein Uhrwerk. Furcht oder Skrupel sind ihnen unbekannt. Und wenn ihnen jemand in die Suppe spuckt, dann kann derjenige schon mal anfangen sein Grab zu schaufeln.
Westlakes Alterego Stark kanalisiert die Story in einer kaum zu überbietenden Direktheit. Jedes Wort sitzt wie ein Schuss ins Schwarze. Das ist kein verdammter Gramm Ballast, der die Seiten erschwert. Keine romantische Verklärung, kein überflüssiges Gerede. Da ist einfach nur Parker. Parker. Parker. Bis zum Schluss. Und dann muss die Kanone ganz schnell mit dem nächsten Roman geladen werden.
Fazit
Parker - sonst noch Fragen?


Fragen Sie den Papagei
Originaltitel: Aks the Parrot, 2006
Zsolnay
254 Seiten
Roman
Inhalt:
Parker ist nach einem Banküberfall auf der Flucht, verfolgt von einer Meute Polizisten mit Spürhunden. Reiner Zufall, dass er auf Tom Lindahl stößt, einen Außenseiter mit Papagei, der ihm eine Fluchtmöglichkeit und ein Dach über dem Kopf bietet. In dem tristen kleinen Ort in Massachusetts schmieden die beiden einen nicht ungefährlichen Plan, und jeder, der diesem in die Quere kommt, scheitert an Parkers Skrupellosigkeit.
Kommentar:
Eine Ikone des Noir-Romans kehrt zurück - Starks Antiheld ist skrupellos und unbeugsam wie eh und je. Ein Parker(-Roman) ist schiere Muskelmasse, kein Gramm Fett. Auch nach vierzig Jahren noch durchtrainiert und schnell. Ein wohl gezielter Schlag gegen den Solarplexus.
Und das ist einer der Reize, die ihn so faszinierend machen. In Tradition eines John Dillinger oder Clyde Barrow schert Parker sich einen Dreck um die Regeln der anderen, nur seine eigenen zählen. Die sind nicht romantisch verklärt, sondern knallhart und pragmatisch. Diebstahl, Gewalttätigkeit, Mord - der Typ zwinkert nicht mal dabei. Er tut nur das, was er zum Leben braucht. Alle, die sich ihm dabei in den Weg stellen, wischt er fort. Nicht zwangsläufig mit tödlichem Ausgang, aber doch steht seine archaische Rohheit immer drohend im Hintergrund. Er ist der ultimative Jäger, der sich an seine Umwelt anpasst - Großstadt, Provinzkaff oder unter Seinsgleichen, nie lässt ihn sein Überlebensinstinkt im Stich, nie zeigt er einen Anflug von Schwäche.
Vielleicht jagt man durch die Romane in der Hoffnung, dass Parker doch irgendwo etwas Gutes aufweist - ein wenig Robin Hood, um ihn menschlicher zu machen. Und tatsächlich kriegt man in Fragen Sie den Papagei stellenweise das Gefühl, dass er gar nicht so schlecht ist. Parker verschont und hilft. Doch das ist alles nur Mittel zum Zweck. Wenn es seinem Ziel dient, hat er auch mal ein paar gute Ratschläge statt Kugeln parat. Beißt der andere später dennoch ins Gras - was soll es.
Schließlich - und das macht ihn wirklich gefährlich - ist Parker ein unbeugsamer Schweinehund, den verdammt nichts aus der Ruhe bringen kann. Bei seinen Aktivitäten läuft selten etwas glatt, aber er hat auf alles eine Antwort und lässt sich von widrigen Umständen nicht den Plan verderben. Das ist ein Stück Parker, das wohl jeder gerne hätte.
Ach ja, die Sache mit dem Papagei … die ist wirklich übel.


Payback (Jetzt sind wir quitt)
Originaltitel: The Hunter (Point Blank / Payback), 1962
University of Chicago Press
198 Seiten
Roman
Inhalt:
Sechs Schüsse auf Parker sind der Abschluss eines kaltblütigen Raubüberfalls und das Ende seine Ehe. Denn den Abzug drückte seine Frau durch, um sich mit seinem Partner Mal Resnick und $93.000 abzusetzen. Doch einer wie Parker krepiert nicht einfach. Der Gedanke an Rache reicht aus, ihn über Wasser zu halten und ein paar Monate auf einer Gefängnisfarm, um wieder auf die Beine zukommen. Danach ist New York dran, denn dort hat sich Resnick in ein Verbrechersyndikat eingekauft. Nicht, dass das irgendeine Form von Schutz bieten würde. Nur mehr Leichen auf Parkers Weg. Denn der will Mal und seinen Anteil an der Beute zurück.
Kommentar:
Parker hat die Durchschlagskraft einer 45er. Wer ihm in die Quere kommt, wird vom Asphalt gekratzt. Da ist kein Quäntchen Moral, nicht ein Hauch von Gewissen - Parker ist die in ein Stahlmantelgeschoss gegossene Inkarnation des modernen Raubtiers. Er nimmt, was er braucht und kümmert sich nicht um Besitzverhältnisse. Er tötet, wenn es sein muss, aber nicht aus Spaß, sondern aus seinem Instinkt und Überlebenswillen. Ehre unter Dieben? Parker traut niemandem, selbst seinen Freunden nicht wirklich. Aus gutem Grund - so lebt er länger.
Auch nach über vierzig Jahren hat Westlakes Antiheld nichts von seiner Wirkung und Faszination verloren, denn er ist ein nahezu perfektes Destillat aus Skrupellosigkeit, Egoismus und Furchtlosigkeit. Vor allem aber ist er kein getriebener Psychopath, dessen Handlungen unberechenbar sind, sondern ein beinahe mechanisch agierender Handwerker, der nur seinen Job macht. Eben den eines Verbrechers (und falls jemand seine Arbeit stört: den eines Killers). So kann ihn nicht einmal seine Gier zu Fall bringen, denn er nimmt nur das, was er braucht, um sein Leben zu leben.
Ganz von der Figur des Verbrechers abgesehen, ist es natürlich auch Westlakes Stil, der das Parker-Geschoss ins Hirn treibt. Er offenbart nur das, was für seinen Protagonisten unmittelbar von Bedeutung ist, eingebettet in unsentimentale Rückblenden. Jedoch nichts über Parkers Vergangenheit, kein Sermon darüber, warum Parker wurde, was er ist.
The Hunter und Point Blank
1967 verewigte John Boorman den Parker-Roman auf der Leinwand - Point Blank mit Lee Marvin. Ist der filmische Walker der literarische Parker? Ja und nein. Wie wohl bei jeder Adaption muss sich eine Geschichte dem Medium anpassen. Ein Schauspieler gibt dem Charakter ein eindeutiges Gesicht. Das Budget beeinflusst Länge und Handlungsschauplätze. Vor allem aber müssen sich Inhalt und Gewaltdarstellung einer Transformation unterziehen.
Mit Lee Marvin findet Parker tatsächlich eine gelungene Zelluloidinkarnation - wortkarg, stoisch, unberührbar und tough. Man glaubt ihm die Härte. Man nimmt seinen Zügen Parkers Leben ab. Parker ist cool - Walker ist cool.
Das Drehbuch interpretiert den Roman schließlich auf seine Art - ändert die Taten einiger Figuren, fügt neue hinzu. Nicht Lynn schießt Parker / Walker nieder, sondern Mal. Nicht eine Prostituierte hilft Walker, sondern seine Schwägerin. Er selbst will von Anfang an sein Geld zurück, im Roman kommt diese Erkenntnis erst später. Und schließlich weist der mysteriöse Yost Walker den Weg im Kampf gegen die Organisation. Vor allem aber - und hier sind Parker und Walker sehr unterschiedlich - tötet die filmische Version niemals selbst. Walker ist Zeuge und Auslöser, aber niemals selbst der Killer und somit auf eigentümliche Weise entmannt. Ganz im Gegensatz zu seiner literarischen Vorlage.


Das Gangstersyndikat
Originaltitel: The Cutie (The Mercenaries), 1960
Hard Case Crime
250 Seiten
Roman
Inhalt:
In New York sterben Träume so schnell, wie sie ausgesprochen werden. Das aufstrebende Starlett Mavis St. Paul spürt das am eigenen Leib, als sie erstochen wird. Und weil sie die Geliebte von jemand wirklich Wichtigem ist, macht sich jeder Bulle der Stadt auf die Suche nach einem kleinen Junkie und Dealer namens Billy-Billy - denn dessen Fingerabdrücke sind in der Wohnung der Toten zu finden. Nur: Billy-Billy war so stoned, dass er unmöglich der Mörder sein kann. Deshalb schickt die Organisation den Troubleshooter Clay los, um den wahren Killer zu finden. Und der hat gleich eine ganze Liste von Exfreunden des Starletts, die tatverdächtig sind. Als er dann jedoch selbst ins Kreuzfeuer der Polizei gerät, wird die Sache wirklich persönlich.
Kommentar:
Westlakes Krimidebüt aus dem Jahr 1960 ist eine Mörderhatz angesiedelt im Gangstermilieu. Protagonist Clay trägt alle Züge eines hartgesottenen Privatdetektivs, abgesehen davon, dass er auf der falschen Seite des Gesetztes steht. Und als Troubleshooter auch den ein oder anderen Störenfried einen Unfall erleiden lässt. Allerdings geht das im Roman selbst recht harmlos hab, denn morden tun erst einmal nur die anderen. Dabei nutzt Westlakes Clays Freundin Ella, um die Gedanken und die moralische Einstellung (bzw. den Mangel daran - Clay ist einzig und allein Geschäftsmann, eben nur in einem etwas raueren Betätigungsfeld) des Antihelden zu spiegeln. Oberflächlich also ein handwerklich durchstrukturierter Krimi, aber in seinen Tiefen ein Sumpf aus Skrupellosigkeit und Korruption. Das Cover suggeriert es treffend: Es gibt viele Wege, sich zu verkaufen.




Mafiatod (Höllenfahrt)
Originaltitel: 361, 1962
Hard Case Crime
208 Seiten
Roman
Inhalt:
Nach seiner Entlassung aus der Air Force fällt das Leben von Ray Kelly mit einer Autofahrt auseinander. Ein paar Gangster erschießen kaltblütig seinen Vater, er selbst verliert beim darauf folgenden Unfall ein Auge. Nicht genug damit, wird auch noch die Frau seines Bruders Bill totgefahren. Die beiden Brüder stehen vor einem Scherbenhaufen, dessen Bruchstücke darauf hinweisen, dass ihr Vater vor zwanzig Jahren als Rechtsanwalt für die Mafia gearbeitet hat. Und scheinbar wusste er etwas, das die Gangster mit aller Härte zuschlagen lässt. Ohne viel zu verlieren zu haben, wühlen sich die Kellys in die Eingeweide der New Yorker Unterwelt. Alternde Verbrecherbosse tauchen plötzlich aus der Versenkung auf, ihre Killer im Schlepptau. Allen voran der hinterhältige Eddie Kapp, der bald der einzige ist, der Ray helfen kann, den Mörder seines Vaters zu finden. Aber der Preis für die Hilfe ist hoch.


Ich will mein Geld
Originaltitel: Somebody Owes Me Money, 1969
Hard Case Crime
208 Seiten
Roman
Inhalt:
Taxifahrer Chet Conway ist ein bisschen Poker und Wetten nicht abgeneigt. Als er von einem Kunden einen heißen Tipp für ein Pferderennen kriegt, setzt er ein paar Dollar auf den Außenseiter und … gewinnt. Knapp $1000, die er umgehend von seinem Buchmacher McKay kassieren will. Doch den findet er tot in dessen Wohnzimmer, mit Dumdum-Geschossen aus dem Leben befördert. Die Bullen kann Chet mühsam von seiner Unschuld überzeugen - sein Geld sieht er jedoch nicht. Also macht er sich auf, die Männer hinter dem Toten zu suchen. Und damit fangen seine Probleme erst richtig an. McKays attraktive Schwester taucht auf, um den Mord zu rächen. Und eine ganze Menge paranoider Gangster, die felsenfest davon überzeugt sind, dass Chet tief in der Sache drinsteckt. Wenn der nur wüsste, in welcher Sache eigentlich. Es geht längst nicht mehr um seinen Wettgewinn. Jetzt geht es um Chets Leben.
Kommentar:
Unterhaltsamer, aber harmloser Westlake - fällt in die Kategorie hard-boiled-Comedy. Gut für zwischendurch. Und mal wieder ein klasse Pulp-Cover.


Der Freisteller
Originaltitel: The Ax
Knaur
320 Seiten
Roman
Inhalt:
Willkommen in der Wirklichkeit - Burke Devore ist seit zwei Jahren arbeitslos. Ein Mann in den besten Jahren, Leiter einer Produktionsstraße in einer Papierfabrik, bei einer Firmenfusion wegrationalisiert. War er anfangs noch optimistisch, bricht nun mehr und mehr seiner Mittelstandswelt ein - seine Frau sucht Trost bei einem anderen, der Sohn droht auf die schiefe Bahn zu geraten. Und kein neuer Job in Sicht. Dabei wäre die Anstellung bei Arcadia Processing genau die richtige für Burke. Wenn nur nicht der momentane Fertigungsleiter und andere Bewerber wären. Aber dem kann doch ganz einfach Abhilfe geschaffen werden ... Devore beginnt, Konkurrenten auszufiltern - sechs bleiben übrig. Sechs Männer wie er, die nichts getan haben, die nur eins wollen, ihre Familie ernähren, ein Heim haben, Kinder großziehen. Sechs Männer, die Burke von seinem Traumjob trennen. Er ist kein Killer, nur ein Mann, der seine Welt nicht verlieren will. Dafür geht er über Leichen ...
Kommentar:
Ein routinierter, harte Thriller um einen Mann, der keine kriminellen Neigungen hat, der nur ein schönes Vorstadtleben leben will. Altmeister Westlake erzählt die Geschichte gradlinig, ohne Schnörkel, mit Einblicken in Burkes Seelenleben. Eine brutale Fahrt im Kielwasser von Burkes Verzweiflung, der mit seinen Opfern leidet, ihre Sorgen und Ängste teilt, und dem keine andere Wahl zu bleiben scheint, als sie alle zu vernichten.
Nach diesem Buch überlegt man zweimal, wohin man seine nächste Bewerbung schickt ...