



Höllisches Finale
Originaltitel: Flight To Darkness, 1952
New Pulp Press
204 Seiten, Paperback
Roman
Inhalt
Das letzte Jahr war nicht unbedingt einfach für den Kriegsveteran Eric Garth, der seinen letzten Einsatz in Korea nicht gerade gut verkraftet hat. Der immer gleichen Traum, seinem Bruder den Schädel mit einem Holzhammer einzuschlagen, brachte ihn nach einer schweren Kriegsverletzung in eine psychiatrische Anstalt. Aber er kommt wieder auf die Beine, auch Dank der Krankenschwester Leda, die ihn in ihrer knappen Uniform fast schon wieder um den Verstand bringt. Die beiden fangen eine heftige Affäre an und planen schon die Hochzeit nach seiner Entlassung, denn zu Ledas unverhohlener Freude wird Eric nach dem Tod seiner Mutter ein beachtliches Vermögen erben. Wenn da nicht vorher sein Bruder dazwischen funkt.
Kaum hat er den behandelnden Arzt davon überzeugt, das er wieder richtig im Oberstübchen ist, machen sich Leda und er auf nach Florida, um ein neues Leben anzufangen. Doch schon auf halbem Weg fangen die Dinge an bedrohlich aus dem Ruder zu laufen und ehe er sich versieht, landet Eric in der nächsten Anstalt. Diesmal allerdings geschlossen mit wenig Aussicht auf vorzeitige Entlassung.
Und wenn ihn nicht Pfleger und Ärzte um den Verstand bringen, dann vielleicht das Wissen, dass sein Bruder noch immer dort draußen herumläuft. Oder seine Geliebte Leda, ganz ohne ihn.
Kommentar
Brewer, einer der Gold Medal-Autoren der klassischen Pulp-Zeit, steht im Schatten seiner Kollegen John D. MacDonald, Charles Williams oder Richard S. Prather. Nimmt man The Vengeful Virgin oder Flight To Darkness wird aber schnell deutlich, dass dies in Sachen Noir keineswegs angebracht ist. Brewers klarer, reduzierter Stil gekoppelt an eine zunehmend aufgeladene Atmosphäre trägt nicht selten etwas von Jim Thompson in sich. Schon nach den ersten zwanzig Seiten ist klar, dass es nur in einem "höllischen Finale" enden kann - viel mehr sexuelle Töne, unterschwellige Gewalt und latenten Wahnsinn kann man kaum in die Zeilen packen. Und mit Leda kreiert Brewer eine weitere Inkarnation der wollüstigen, skrupellosen Femme fatale, die einen auch noch außerhalb des Romans verfolgt. Vor allem weil man sich fragt, wie die üppige Schönheit überhaupt in die extrem knappen Outfits passt.
Die Figur des Eric Garth ist ein der klassischen Noir-Antihelden - in diesem Fall mit etwas Woolrich gewürzt, da seine Zurechnungsfähigkeit durch seine Alpträume und Aussetzer immer weiter in Frage gestellt wird. Auf einer Ebene ist er sich klar über seine eigene psychologische Instabilität, die Abgründe seiner obsessiven Liebesbeziehung und die zunehmenden Probleme um sich herum. Zum anderen, und weit aus stärker, ist er diesen Dingen ausgeliefert, lässt moralische Integrität vermissen und kennt schließlich nur Gewalt als Lösungsansatz.
Um diese Charaktere baut sich ein stimmiger Noir-Plot auf, der ein paar Überraschungen parat hält, aber vor allem den Weg bereitet, die drückende Atmosphäre, die stellenweise an einen Fiebertraum erinnert, mit einem zerstörerischen Gewitter aufzulösen.
Fazit
Wer Thompson mag, wird auch mit Brewer seine Freude haben.


A Devil for O'Shaugnessy / The Three-Way Split
Originaltitel: A Devil for O'Shaugnessy, 2008 / The Three-Way Split, 1960
288 Seiten
Roman
Stark House Press
Inhalt
A Devil for O'Shaugnessy (2008)
Tolbert O'Shaugnessy schlägt sich als Betrüger durch. Doch bei seinen Gaunereien steht ihm eins im Weg: sein Gewissen. Denn damit kann er nun wirklich kein großes Ding durchziehen. Einzig der Alkohol hilft ihm über die Zeit. Bis … ja, bis er an die verführerische Miriam Kindott gerät. Die ist die Enkelin einer reichen, alten Dame. Wäre doch gelacht, wenn er da nicht endlich mal etwas Kohle abgreifen könnte. Doch ehe er zum Zuge kommt ist es Miriam, die ihm ein verlockendes Angebot macht: ein Teil des Erbes - wenn er dafür sorgt, dass Großmütterchen ins Gras beißt. Denn zufällig ist eine Stelle in der Kindott-Familie vakant: die des verlorenen Sohnes Joe. Und da Miriam weiß, dass eben der bereits tot ist, sollte es für Tolbert kein Problem sein, in dessen Rolle zu schlüpfen. Maßgeschneidert für einen Betrüger wie ihn. Als er sich darauf einlässt, ist sein Gewissen jedoch das kleinste seiner Probleme. Eine Leiche, ein penetranter Bulle, ein schmieriger Detektiv, eine hübsche Sekretärin, Oma Kindott und der Geist eines Verstorbenen machen ihm das Leben zur Hölle.
Kommentar
Klingt nicht nur wie die Zutaten eines Latimer-Romans, liest sich auch ähnlich. Brewer wirft alles in einen Topf und kocht es so gut durch, dass eine kompakte Pulp-Story daraus wird. Eine Wendung jagt die nächste, während der Verlierer Tolbert immer tiefer in die Scheiße rutscht, bis es am Ende nicht nur Oma Kindotts Leben ist, das auf der Kippe steht. Und wie es sich für einen Pulp-Roman gehört, hat das Gericht kein Gramm Fett.
Dig That Crazy Corpse (1955), Love ... and Luck (1971), Indescretion (1966)
Drei Kurzgeschichten - eine Parodie auf das Hard-boiled-Genre und zwei fiese Mordgeschichten, nicht unbedingt noir, aber eine gute Ergänzung zu den beiden Kurzromanen.
The Three-Way Split (1960)
Tampa, Florida - der heruntergekommene Abenteurer Jack Holland hält sich damit über Wasser, ein paar Touristen in seinem Boot zum Angeln rauszufahren. Das verdiente Geld reicht gerade mal für Treibstoff und etwas Essen. Zudem liegt ihm seine Freundin Sally damit in den Ohren, sich einen festen Job zu beschaffen und sie zu heiraten. Doch für einen wie Jack kommt Büroarbeit nicht in Frage. Für ihn muss es das ganz große Geld sein - in Form eines Goldschatzes, den er in einem gesunkenen Wrack vermutet. Bei der Bergung soll ihm der alte Taucher Mike Wales helfen. Die beiden wollen den Gewinn teilen. Pech nur, dass wie aus dem Nichts Jacks Vater Sam auf der Bildfläche erscheint. Im Schlepptau einen Killer und jede Menge Probleme. Manche davon frisch, die anderen Altlasten, die Jacks Leben einst in einen Alptraum verwandelten. Und genau das droht sich erneut an, denn Sam drängt sich in die Jagd nach dem Goldschatz.
Kommentar
Mischung aus Noir-Story und Abenteuergeschichte. Die schwarzen Aspekte ergeben sich vor allem aus Jacks Beziehung zu seinem Vater und den Schatten der Vergangenheit, der über ihnen liegt. Der Rest ist gute Spannungskost mit einer Prise Erotik - alles was ein Pulp-Buch braucht.


The Vengeful Virgin
Originaltitel: The Vengeful Virgin, 1958
220 Seiten
Roman
Hard Case Crime
Inhalt
Her wealthy stepfather was dying...
But not quickly enough......
Welche bildhübsche Achtzehnjährig will schon ihr Leben damit verbringen, ihren dahinsiechenden Stiefvater zu pflegen? Shirley Angela bestimmt nicht. Nur gab es für sie keinen Ausweg aus dieser Hölle - bis sie Jack Ruxton kennen lernte.
Bald haben die beiden einen Plan, um den alten Mann aus seinem Elend zu erlösen und sich mit einem Koffer voll Geld abzusetzen. Doch $300.000 können auch einen Keil in die ungestüme Liebe schlagen. Und andere Frauen ebenfalls …
Kommentar
Gil Brewers Roman The Vengeful Virgin läuft wie ein James M. Cain an, um dann in Richtung Jim Thompson abzudrehen. Eine harte, atmosphärische Noir-Story, die keine Wünsche offen lässt - ordentlich Sex, kaltblütiger Mord, aus dem Ruder gelaufene Pläne und eine Dosis Irrsinn. Für 1958 schon eine wilde Nummer, aber auch fünfzig Jahre später noch ein verdammt gutes Lesevergnügen.