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Gil Brewer

Name: Gil Brewer
Geboren: 20.11.1922
Gestorben: 09.01.1983
Berufe: Angestellter, Buchhändler, Schriftsteller
Pseudonyme: Eric Fitzgerald, Bailey Morgan, Don Pendleton, Elaine Evans, Hal Ellson, Albert Conroy, Lucky Morgann, Mark Bailey, Harry Arvay

Brewer

Nude on Thin Ice

In Cauandaigua, NY, geborener Schriftsteller, der in den 50er Jahren von niemand geringerem als Captain Joe Shaw zu Gold Medal gebracht wurde. Brewers Vater war ebenfalls ein Schriftsteller, der an Alkoholproblemen litt und nach einem psychischen Zusammenbruch verstarb. Die Familie lebte zu der Zeit bereits in St. Petersburg, Florida, wo Brewer für den Rest seines Lebens wohnen sollte.


Während des Zweiten Weltkrieges erlitt Brewer zahlreiche Verletzungen, die ihm nach Kriegsende eine kleine Rente erlaubten. 1947 heiratete er seine Frau Verlaine. Neben 30 Romanen schrieb er vor allem für Pulp-Magazine (Alfred Hitchcock's Mystery Magazine, Pursuit Detective Story Magazine, Detective Fiction und andere).


In den 60ern, zurückgeworfen durch Alkohol und gesundheitliche Probleme, arbeitete Brewer vermehrt als Ghostwriter. Nach einem Autounfall im Jahr 1970 trug er schwere Verletzungen davon, die sich wegen seiner Alkoholabhängigkeit nur mühsam behandeln ließen. Jeglicher Versuch, eine Entziehung zu machen, schlug fehl. Seine begonnene Autobiographie wurde vom Verlag abgelehnt.


Der Suff, Rückfälle und Unfälle brachten ihn immer wieder ins Krankenhaus, bis er 1983 schließlich verstarb. Seine Aufzeichnungen werden als The Gil Brewer Collection im American Heritage Center, Laramie, aufbewahrt.


www.gilbrewer.com


Forgotten Writers: Gil Brewer von Bill Pronzini


Flight To Darkness


Höllisches Finale

Höllisches Finale

Originaltitel: Flight To Darkness, 1952

New Pulp Press

204 Seiten, Paperback

Roman

Inhalt

Das letzte Jahr war nicht unbedingt einfach für den Kriegsveteran Eric Garth, der seinen letzten Einsatz in Korea nicht gerade gut verkraftet hat. Der immer gleichen Traum, seinem Bruder den Schädel mit einem Holzhammer einzuschlagen, brachte ihn nach einer schweren Kriegsverletzung in eine psychiatrische Anstalt. Aber er kommt wieder auf die Beine, auch Dank der Krankenschwester Leda, die ihn in ihrer knappen Uniform fast schon wieder um den Verstand bringt. Die beiden fangen eine heftige Affäre an und planen schon die Hochzeit nach seiner Entlassung, denn zu Ledas unverhohlener Freude wird Eric nach dem Tod seiner Mutter ein beachtliches Vermögen erben. Wenn da nicht vorher sein Bruder dazwischen funkt.

Kaum hat er den behandelnden Arzt davon überzeugt, das er wieder richtig im Oberstübchen ist, machen sich Leda und er auf nach Florida, um ein neues Leben anzufangen. Doch schon auf halbem Weg fangen die Dinge an bedrohlich aus dem Ruder zu laufen und ehe er sich versieht, landet Eric in der nächsten Anstalt. Diesmal allerdings geschlossen mit wenig Aussicht auf vorzeitige Entlassung.

Und wenn ihn nicht Pfleger und Ärzte um den Verstand bringen, dann vielleicht das Wissen, dass sein Bruder noch immer dort draußen herumläuft. Oder seine Geliebte Leda, ganz ohne ihn.


Kommentar

Brewer, einer der Gold Medal-Autoren der klassischen Pulp-Zeit, steht im Schatten seiner Kollegen John D. MacDonald, Charles Williams oder Richard S. Prather. Nimmt man The Vengeful Virgin oder Flight To Darkness wird aber schnell deutlich, dass dies in Sachen Noir keineswegs angebracht ist. Brewers klarer, reduzierter Stil gekoppelt an eine zunehmend aufgeladene Atmosphäre trägt nicht selten etwas von Jim Thompson in sich. Schon nach den ersten zwanzig Seiten ist klar, dass es nur in einem "höllischen Finale" enden kann - viel mehr sexuelle Töne, unterschwellige Gewalt und latenten Wahnsinn kann man kaum in die Zeilen packen. Und mit Leda kreiert Brewer eine weitere Inkarnation der wollüstigen, skrupellosen Femme fatale, die einen auch noch außerhalb des Romans verfolgt. Vor allem weil man sich fragt, wie die üppige Schönheit überhaupt in die extrem knappen Outfits passt.

Die Figur des Eric Garth ist ein der klassischen Noir-Antihelden - in diesem Fall mit etwas Woolrich gewürzt, da seine Zurechnungsfähigkeit durch seine Alpträume und Aussetzer immer weiter in Frage gestellt wird. Auf einer Ebene ist er sich klar über seine eigene psychologische Instabilität, die Abgründe seiner obsessiven Liebesbeziehung und die zunehmenden Probleme um sich herum. Zum anderen, und weit aus stärker, ist er diesen Dingen ausgeliefert, lässt moralische Integrität vermissen und kennt schließlich nur Gewalt als Lösungsansatz.

Um diese Charaktere baut sich ein stimmiger Noir-Plot auf, der ein paar Überraschungen parat hält, aber vor allem den Weg bereitet, die drückende Atmosphäre, die stellenweise an einen Fiebertraum erinnert, mit einem zerstörerischen Gewitter aufzulösen.


Fazit

Wer Thompson mag, wird auch mit Brewer seine Freude haben.



A Devil for O'Shaugnessy / The Three-Way Split

A Devil for O'Shaugnessy / The Three-Way Split

Originaltitel: A Devil for O'Shaugnessy, 2008 / The Three-Way Split, 1960

288 Seiten

Roman

Stark House Press

Inhalt


A Devil for O'Shaugnessy (2008)

Tolbert O'Shaugnessy schlägt sich als Betrüger durch. Doch bei seinen Gaunereien steht ihm eins im Weg: sein Gewissen. Denn damit kann er nun wirklich kein großes Ding durchziehen. Einzig der Alkohol hilft ihm über die Zeit. Bis … ja, bis er an die verführerische Miriam Kindott gerät. Die ist die Enkelin einer reichen, alten Dame. Wäre doch gelacht, wenn er da nicht endlich mal etwas Kohle abgreifen könnte. Doch ehe er zum Zuge kommt ist es Miriam, die ihm ein verlockendes Angebot macht: ein Teil des Erbes - wenn er dafür sorgt, dass Großmütterchen ins Gras beißt. Denn zufällig ist eine Stelle in der Kindott-Familie vakant: die des verlorenen Sohnes Joe. Und da Miriam weiß, dass eben der bereits tot ist, sollte es für Tolbert kein Problem sein, in dessen Rolle zu schlüpfen. Maßgeschneidert für einen Betrüger wie ihn. Als er sich darauf einlässt, ist sein Gewissen jedoch das kleinste seiner Probleme. Eine Leiche, ein penetranter Bulle, ein schmieriger Detektiv, eine hübsche Sekretärin, Oma Kindott und der Geist eines Verstorbenen machen ihm das Leben zur Hölle.


Kommentar

Klingt nicht nur wie die Zutaten eines Latimer-Romans, liest sich auch ähnlich. Brewer wirft alles in einen Topf und kocht es so gut durch, dass eine kompakte Pulp-Story daraus wird. Eine Wendung jagt die nächste, während der Verlierer Tolbert immer tiefer in die Scheiße rutscht, bis es am Ende nicht nur Oma Kindotts Leben ist, das auf der Kippe steht. Und wie es sich für einen Pulp-Roman gehört, hat das Gericht kein Gramm Fett.


Dig That Crazy Corpse (1955), Love ... and Luck (1971), Indescretion (1966)

Drei Kurzgeschichten - eine Parodie auf das Hard-boiled-Genre und zwei fiese Mordgeschichten, nicht unbedingt noir, aber eine gute Ergänzung zu den beiden Kurzromanen.


The Three-Way Split (1960)

Tampa, Florida - der heruntergekommene Abenteurer Jack Holland hält sich damit über Wasser, ein paar Touristen in seinem Boot zum Angeln rauszufahren. Das verdiente Geld reicht gerade mal für Treibstoff und etwas Essen. Zudem liegt ihm seine Freundin Sally damit in den Ohren, sich einen festen Job zu beschaffen und sie zu heiraten. Doch für einen wie Jack kommt Büroarbeit nicht in Frage. Für ihn muss es das ganz große Geld sein - in Form eines Goldschatzes, den er in einem gesunkenen Wrack vermutet. Bei der Bergung soll ihm der alte Taucher Mike Wales helfen. Die beiden wollen den Gewinn teilen. Pech nur, dass wie aus dem Nichts Jacks Vater Sam auf der Bildfläche erscheint. Im Schlepptau einen Killer und jede Menge Probleme. Manche davon frisch, die anderen Altlasten, die Jacks Leben einst in einen Alptraum verwandelten. Und genau das droht sich erneut an, denn Sam drängt sich in die Jagd nach dem Goldschatz.


Kommentar

Mischung aus Noir-Story und Abenteuergeschichte. Die schwarzen Aspekte ergeben sich vor allem aus Jacks Beziehung zu seinem Vater und den Schatten der Vergangenheit, der über ihnen liegt. Der Rest ist gute Spannungskost mit einer Prise Erotik - alles was ein Pulp-Buch braucht.



The Vengeful Virgin

The Vengeful Virgin

Originaltitel: The Vengeful Virgin, 1958

220 Seiten

Roman

Hard Case Crime

Inhalt

Her wealthy stepfather was dying...

But not quickly enough......


Welche bildhübsche Achtzehnjährig will schon ihr Leben damit verbringen, ihren dahinsiechenden Stiefvater zu pflegen? Shirley Angela bestimmt nicht. Nur gab es für sie keinen Ausweg aus dieser Hölle - bis sie Jack Ruxton kennen lernte.

Bald haben die beiden einen Plan, um den alten Mann aus seinem Elend zu erlösen und sich mit einem Koffer voll Geld abzusetzen. Doch $300.000 können auch einen Keil in die ungestüme Liebe schlagen. Und andere Frauen ebenfalls …


Kommentar

Gil Brewers Roman The Vengeful Virgin läuft wie ein James M. Cain an, um dann in Richtung Jim Thompson abzudrehen. Eine harte, atmosphärische Noir-Story, die keine Wünsche offen lässt - ordentlich Sex, kaltblütiger Mord, aus dem Ruder gelaufene Pläne und eine Dosis Irrsinn. Für 1958 schon eine wilde Nummer, aber auch fünfzig Jahre später noch ein verdammt gutes Lesevergnügen.

Deutscher Titel Originaltitel Jahr
- Love Me and Die * 1951
Satan ist ein Weib Satan is a Woman 1951
Und dann kam die Nacht So Rich, So Dead 1951
Haus des Bösen 13 French Street 1951
Höllisches Finale Flight to Darkness 1952
- Hell's Our Destination 1953
- A Dark & Deadly Love 1954
Spiel mit oder stirb (Rotblondes Gift) Play It Hard 1954
- Some Must Die 1954
- 77 Rue Paradis 1955
Ein Kopf = 260000 Dollar The Squeeze 1955
Ein Mädchen schrie And the Girl Screamed 1956
- Little Tramp 1957
- The Brat 1957
- The Bitch 1958
- The Girl from Hateville 1958
- The Mob Says Murder 1958
Bezahle oder stirb The Red Scarf 1958
- The Vengeful Virgin 1958
- Wild 1958
Als mich der Teufel holte Sugar 1959
- The Angry Dream 1959
Mord ohne Mörder Wild to Possess 1959
- Angel 1960
- Backwoods Teaser 1960
- Nude on Thin Ice 1960
- The Three Way Split 1960
- Appointment in Hell 1961
- A Taste for Sin 1961
- Memory of Passion 1963
- The Hungry One 1966
- Sin For Me 1967
- The Tease 1967
- Death Goes to College 1969
- Mediterranean Caper 1969
- The Devil in Davos 1969
- Appointment in Cairo 1970
- Blood on the Ivy 1970
- Shadowland Lancer 1970
Amok A Killer is Loose 1972
- A Dark and Deadly Love 1972
- Gamecock 1972
- Ladies in Heat 1972
- More Than a Handful 1972
- Mouth Magic 1972
- Tongue Tricks! 1972
- Black Autumn 1973
- Murder Mission 1973
- Strangle Hold 1973
- The Twelfth Bullet 1974
- Wintershade 1974
- Blood on the Ivy 1975
- Damascus Countdown 1975
- 11 Bullets for Mohammed 1975
- Operation Kuwait 1975
- The Moscow Intercept 1975
- The Piraeus Plot 1975
- Togo Commando 1976
- A Devil for O'Shaugnessy 2008

* Brewers Adaption der gleichnamigen Day Keene Geschichte.

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