

Like Mink Like Murder
Originaltitel: T’as des Visions! (Passion Hangover), 1957
Stark House Press
332 Seiten, Paperback
Inhalt
Mit vier Jahren Knast im Nacken wegen eines Raubüberfalls, kann Sam Baynard froh sein, überhaupt einen Job als Milchmann zu haben. Dexter City ist dabei keine brummende Metropole, aber genau das richtige, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und mit der süßen Lois hat er ein Mädchen, das er liebt. Doch deren gutbürgerliche Eltern wissen noch nichts von seiner Vorstrafe. Dafür aber der zähe Bulle Lantis, der davon überzeugt ist, dass ein Ganove immer ein Ganove bleibt, und ihm zusetzt. Das alles könnte Sam noch aushalten, aber als unvermittelt die Gangsterbraut Elva auftaucht, droht sein Pfad der Ehrlichkeit sich in einen direkt in die Hölle zu verwandeln. Denn wegen Elva saß er im Knast und weiß, dass in ihrem Schlepptau immer Ärger wartet. In diesem Fall in Gestalt des skrupellosen Verbrechers Kohzak der Baynard ein Angebot macht, dass dieser nicht ausschlagen kann. Innerhalb kürzester Zeit liegt alles in Scherben, was er sich mühsam aufgebaut hat.
Kommentar
Like Mink Like Murder wieder in der von Whittington ursprünglich geschriebenen Fassung (oder wenigstens so nahe dran wie möglich) im Druck zu haben, grenzt an ein kleines Noir-Wunder, denn der Roman galt lange Zeit als verloren für den amerikanischen Markt und nur in der französischen Fassung T'as des Visions! oder in einer verzerrten (spricht mit Sex aufgestylten) Version der Corinth-Bücher als Passion Hangover auffindbar. Nach Whittingtons Tod fand sein Sohn jedoch das erste Manuskript des Romans, auf dessen Grundlage David Laurence Wilson die Story überarbeitete, die in diesem Sammelband vorliegt.
Inhaltlich ist Like Mink Like Murder klassischer Noir-Stoff: Ein Mann wird vom Schatten seiner Vergangenheit eingeholt und kämpft verzweifelt dagegen an. Seinem enthaltsamen, ehrlichen Leben mit mühsamem Job und lieblicher Verlobten, stehen eine verführerische Frau, schnelles Geld, Gangster und Gewalt gegenüber. Das erinnert an Criss Cross aus dem Jahr 1949 und tatsächlich liest sich Whittingtons Roman wie ein Film. Äußerst effektiv und schnörkellos erzählt er die Geschichte, wie bei To Find Cora ist schon nach zwei Seiten klar, dass man es mit einer gequälten Seele zu tun hat, die von Anfang an dem Untergang geweiht ist. Handelt Cora von Besessenheit, ist es hier der Fatalismus, der den Protagonisten Sam unweigerlich vorwärts zwingt. Die Widerstände gegen sein resozialisiertes Leben türmen sich immer weiter auf, niemand gesteht ihm eine Chance zu (nicht einmal der Leser selbst?), bis schließlich klar ist, dass es nur den Weg jenseits des Gesetzes gibt. An der Seite einer Frau, die er mehr hasst als liebt, unter der Knute eines brutalen Verbrechers, im Visier der braven Bürger und misstrauischen Polizisten.
Fazit
Guter Noir-Stoff.


To Find Cora
Originaltitel: Cora Is A Nympho, 1963
Stark House Press
332 Seiten, Paperback
Inhalt
Der Handelsvertreter Joe Byars ist auf der Suche nach seiner Frau Cora. Die ist mit einem Mann durchgebrannt, nicht zum ersten Mal. Doch Joe kriegt mehr und mehr Panik, dass etwas nicht in Ordnung ist und stürzt sich auf jede noch so kleine Spur. Am Rande der Verzweiflung folgt er einem Hinweis in ein verschlafenes Städtchen mitten im Nirgendwo und wird in einem abgelegenen Farmhaus fündig. Allerdings ist es nicht Cora, sondern die laszive Viola, die ihm die Tür öffnet. Vom ersten Moment an weiß Joe, dass er auf dem Absatz kehrt machen muss, um Vi nicht zu erliegen. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn Viola lebt keineswegs alleine im Farmhaus. Vielmehr versteckt sie sich hier mit dem paranoiden Hall, der in Joe einen neugierigen Schnüffler sieht. Und da Hall etwas zu verbergen hat, setzt er Byars kurzerhand im Haus fest. Damit beginnt ein Alptraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Mord liegt in die Luft. Und es wird immer unwahrscheinlicher, dass Joe seine geliebte Cora jemals finden kann.
Kommentar
Whittingtons Noir-Story wurde unter dem Titel Cora Is A Nympho veröffentlicht, wohl um die Pulpleserschaft mit eindeutigen Inhalten anzusprechen, die im Roman allerdings eine eher untergeordnete Rolle spielen, denn Cora taucht vorerst gar nicht auf. Vielmehr dreht sich die Handlung um Byars, einen typischen Noir-Antihelden, der von einer Obsession in die nächste rutscht, ohne auch nur irgendetwas dagegen tun zu können. Während er selbst schon einigermaßen kaputt ist, sind Vi und Hall bereits völlig zerfressen - die eine von Gier, der andere von Paranoia. Eine ziemlich explosive Mischung, die in einem heruntergekommen Farmhaus ohne Elektrizität und Komfort ordentlich durchgeschüttelt wird. Es ist ein tragisches Kammerspiel der drei Figuren, die jede für sich gegen eine Art von Abhängigkeit kämpfen (und verlieren). Ziemlich schnell wird klar, dass es aus dem Schlamassel nur einen Ausweg gibt. Und Joe ist da das lang ersehnte Werkzeug für Vi.
Doch wie es sich ebenfalls für eine Noir-Story gehört, liegt unter all dem Schmier aus Besessenheit, Gier und Gewalt noch ein weitaus dunkleres Geheimnis. Was uns schließlich doch noch zu Cora führt.
Dies & Das
Der Sammelband enthält ein sehr gutes Vorwort von David Laurence Wilson, der von seiner Suche nach den verschollenen Whittington-Romanen und der Überarbeitung der Story Like Mink Like Murder erzählt und gleich noch eine ausführliche Bibliographie mitliefert.
Fazit
Kompakte Story, anfangs vielleicht etwas zu konstruiert, aber Whittingtons Tempo und Charakterisierungen lassen das schnell vergessen.


Du bist als nächster dran!
Originaltitel: You'll Die Next!, 1954
DuMont Noir
158 Seiten
Roman
Inhalt
Harry Wilson, ein ganz normaler Durchschnittsmensch, Angestellter beim Veteranenverband, hat einen Lichtblick im Leben: seine bildhübsche Frau Lila. Doch gerät sein Leben völlig aus den Fugen, als er von einem Killer zusammengeschlagen wird, Drohbriefe von einem Unbekannten erhält und seinen Job verliert. Und das ist erst der Anfang eines urbanen Alptraums.
Kommentar
Vielschreiber Whittingham lässt hier eine rasante, vertrackte Story über den Leser hinwegrollen. Schnell und präzise. Das actionreiche Finale wirkt vielleicht etwas zu mechanisch, aber ansonsten ausgezeichnete Noir-Unterhaltung. Zudem findet sich im Buch ein Nachtwort und eine Bibliographie zum Autor.


Im Netz
Originaltitel: Web of Murder, 1958
DuMont Noir
202 Seiten
Roman
Inhalt
Brower, ein erfolgreicher Anwalt, verliebt sich in seine hübsche Sekretärin Laura. Ihrer Liebe und ihrem Sinn nach Reichtum steht nur Browers Frau Cora im Weg. Doch nicht lange, und der clevere Anwalt hat einen Plan ausgearbeitet - seinen perfekten Mord.
Kommentar
Der King of pulp baut eine fesselnde Geschichte um den perfekten Mord auf. Und darum, wie unvorhergesehene Ereignisse einen noch so perfekten Plan aus dem Ruder laufen lassen. Am Ende des Buches findet sich ein autobiographisches Nachwort von Harry Whittington selbst (aus dem Jahre 1986), das Im Netz sehr lesenswert macht.


Vergib mir, Killer
Originaltitel: Brute Brass (Forgive Me, Killer), 1956
DuMont Noir
180 Seiten
Roman
Inhalt
Der zynische Cop Mike Ballard, der auf der Lohnliste von Luxtro, einem Gangsterboss, steht, hat einen Mann namens Earl Walker ins Gefängnis gebracht. Wegen Mordes an einer Prostituierten. Nicht, dass es Ballard großartig interessiert, ob Walker unschuldig oder schuldig ist. Aber als die hübsche Peggy, Earls Ehefrau, Ballard von dessen Unschuld zu überzeugen versucht, mischt sich der Cop in Dinge ein, die Unruhe in die Gangsterwelt und in sein eigenes Leben bringen.
Kommentar
"... ein Klassiker der Noir-Literatur: Voll Tempo, Lakonie und Gefühl.", so steht es auf dem Rückentext der DuMont-Ausgabe. Lässt sich nicht mehr viel hinzufügen.