



Wenn der Postmann zweimal klingelt ...
The Postman Always Rings Twice, 1934
Goldmann Verlag
160 Seiten
Roman
Inhalt:
Der Vagabund Frank Chambers macht nur einen kleinen Zwischenstopp in dem öden Restaurant, aber er bleibt für länger, als er Cora, die Frau des griechischen Besitzers, sieht. Ohne dass es der Grieche bemerkt, verlieben und lieben sich die beiden. Und planen seinen Tod. Das klappt zwar nicht beim ersten Versuch, aber dadurch lassen sich Frank und Cora nicht aufhalten ...
Kommentar:
Durch zwei Verfilmungen, mit Lana Turner / John Garfield (1946) und mit Jessica Lange / Jack Nicholson, zu Weltruhm gekommen, ist Wenn der Postmann … eine der besten Novellen James M. Cains. Ein Frühwerk, das bereits über die klassischen (und von Raymond Chandler verabscheuten) Ingredienzien a la Cain verfügt: roher, besessener Sex, eine mörderische Frau und einen Protagonisten, der sich wissentlich in ihrem Netz verstrickt und somit im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte auf seinen Untergang zujagt. Da ist nicht viel, was man den beiden Anti-Helden zu gute halten kann - sie sind sich ihres Handelns voll bewusst, hegen aber keinerlei Skrupel, keinerlei Mitgefühl und Gewissensbisse. Umso schlimmer, als die Figur des Frank Chambers auch noch eine gewisse Sympathie für sein einfältiges Opfer empfindet. Aber der Traum vom großen Geld, von Freiheit und Liebe ist stärker. Wenn es keinen Weg zu geben scheint, das legal zu erreichen, wenn man nicht bereit ist, dafür Kompromisse einzugehen, dann öffnet sich der Weg von Frank und Cora. Man verfolgt ihren Gang, beobachtet fasziniert, manchmal abgestoßen, wie es ihnen an Reue mangelt, wie jede ihrer Handlungen sich logisch, unweigerlich aus der vorangegangenen ergibt. Und gleichzeitig ahnt man etwas von der rohen, verzehrenden Liebe, die sie aneinanderkettet, es ihnen unmöglich macht, voneinander zu lassen. Wenn es denn Liebe ist, und nicht ein bloßer Ersatz aus Sex und Mitwisserschaft, aus dem gemeinsamen Gefühl des Verloren seins.




Serenade in Mexiko
Serenade
Fischer Verlag
200 Seiten
Roman
Inhalt:
Eine Liebe, hemmungslos und unerbittlich wie eine Naturkraft, kettet unter der heißen Sonne Mexikos den amerikanischen Opernsänger John Howard und das indianische Mädchen Juana aneinander. Diese Liebe gibt Sharp seine alte künstlerische Kraft zurück und führt ihn nach einer dramatischen Flucht aus Mexiko zu Ruhm und Reichtum nach Hollywood. Er arbeitet als Schauspieler und scheint der kommende Star, als er sich gegen den Willen des Studios der Metropolitan Oper in New York verpflichtet. Er scheint am Ziel seiner Träume, doch dann holt ihn die Wirklichkeit ein und er muss widerwillig die Hilfe seines alten Freundes Hawes annehmen - der wie ein dunkler Schatten über Juana und ihm schwebt.
Kommentar:
Cain erzählt ein Liebesdrama zwischen dem abgehalfterten Sänger Sharp, der hoffnungslos in Mexiko gestrandet ist, und der Hure Juana, die ihm seine Stimme zurückgibt. Gemeinsam lehnen sie sich gegen alle Widerstände auf, versuchen sich ein Stück vom Glück zu verschaffen. Doch gegen sein eigenes Ich kann sich Sharp nicht verschließen und scheitert schließlich daran.
Kein ungemein spannender Roman, in dem Cain fulminant seine Erfahrungen und Wissen als Sänger einbindet, dessen unterschwellige Themen jedoch nicht zu unterschätzen sind - vor allem für einen Roman aus dem Jahre 1937: die verdrängte Homosexualität des Protagonisten und seine obskure Beziehung zu einem Indianermädchen, der kein Platz in der feinen Gesellschaft eingeräumt wird.


Blutiger Schmetterling
The Butterfly
Goldmann Verlag
122 Seiten
Roman
Inhalt:
Jess Tyler lebt seit zwanzig Jahren einsam und zurückgezogen in den Bergen. Bis eines Tages ein junges Mädchen bei ihm auftaucht und sich als seine Tochter zu erkennen gibt. Mehr und mehr drängt Tylers Vergangenheit ins Licht, bis hin zu alten Feinden, die plötzlich wieder auftauchen. Und alles dreht sich um ein Muttermal in Form eines Schmetterlings.
Kommentar:
Obwohl Blutiger Schmetterling sich aus Elementen zusammensetzt, die schon in anderen Cain-Geschichten auftauchten, ist er von der Atmosphäre her einer seiner besten Romane. Mit einem Nachwort von Cain über die Entstehung des Romans.


Das Baby im Eisschrank
The Baby In The Icebox
Goldmann Verlag
186 Seiten
Roman
Inhalt:
Duke und Lura führen eine einsam gelegene Tankstelle mit Raststätte in Kalifornien. Alles läuft gut, bis Duke beginnt, Raubkatzen als Attraktion zu halten. Und in seiner Abwesenheit der Lastwagen des geheimnisvollen Wild Bill Smith auftaucht. Als Duke merkt, dass Lura ihn betrügt, schmiedet er einen teuflischen Plan ...
Kommentar:
Eindringlich und schnell erzählt Cain fünf Geschichten um Liebe, Gier, Betrug und Mord. Pastorale, Das Baby im Eisschrank, Toter Mann, Reise ins Glück und der Kurzroman Das Geld und die Frauen. Mit einem biographischen Vorwort von Roy Hoopes.


Doppelte Abfindung
Double Indemnity
Goldmann Verlag
158 Seiten
Roman
Inhalt:
Walter Huff ist ein zuverlässiger und abgebrühter Versicherungsagent. Die schöne, berechnende Phyllis Nirdlinger trägt ihm den Plan zu, ihren Ehemann umzubringen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Huff steigt in die Sache ein und plant den perfekten Mord. Mit einer doppelten Abfindung, für den Fall, dass Phyllis' Ehemann bei einer Zugfahrt stirbt.
Kommentar:
Eine gut konstruierte, spannende Erzählung. Huffs innere Beweggründe hätten jedoch etwas besser dargestellt werden können, da er ohne viel Aufhebens zur treibenden Kraft des Mordes wird. Einen richtig triftigen Grund dafür scheint er aber nicht zu besitzen. Und schließlich das unvermeidliche Ende, angenehm noir. Und die Verfilmung von 1944 (Double Indemnity) unter der Regie von Billy Wilder mit Fred MacMurray, Barbara Stanwyck und Edward G. Robinson ist einer der essentiellen Film noirs.


Engelsgesicht
Sinful Woman
Goldmann Verlag
158 Seiten
Roman
Inhalt:
Sylvia Shoreham, ein gefeierter Filmstar, kann ihren Ruhm nicht so recht genießen. Denn eine Klausel in ihrem Vertrag bindet sie für einen Hungerlohn an die Produktionsfirma, die ihr Mann und der zwielichtige Dimmy Spiro leiten. Mit einer Scheidung winkt für Sylvia die Freiheit. Doch so einfach geht das nicht ...
Kommentar:
Eine routinierte Geschichte von Altmeister Cain. Geschickte Intrigen, eindringlicher Stil. Kein Trip wie der Postmann, aber dennoch lesenswert.


Es begann in Sacramento
Past All Dishonor
Goldmann Verlag
190 Seiten
Roman
Inhalt:
Eine Frau wird Roger Duval zum Schicksal: Zunächst rettet Morina ihm das Leben (indem sie ihn aus dem Sacramento River fischt), dann verbringen sie einige Zeit zusammen und Roger verliebt sich in sie. Auch als sie ihn verlässt und er erfährt, dass sie eine Prostituierte ist, ändert das nichts an seinen Gefühlen. Um sie zurückzugewinnen, wird er zum Glückspieler, Verräter, Erpresser und Mörder.
Kommentar:
Cains historischer Roman, eines seiner bekanntesten Bücher. Sehr gut recherchiert, vor allem kann Cain seine Erfahrungen in Sachen Bergbau ausgezeichnet einfließen lassen. Allerdings gibt es durchaus spannenderes von Cain.


Im Dunkel jener Nacht
Galatea
Goldmann Verlag
154 Seiten
Roman
Inhalt:
Holly Val ist unglücklich: Sie ist dick und leidet unter ihrem tyrannischen Ehemann. Aber als Duke auf die Farm kommt, gibt es einen Hoffnungsschimmer für sie - die beiden werden Freunde. Er entwickelt ein Diätprogramm für Holly und als es anschlägt, muss Duke feststellen, dass Holly einen bezaubernden Körper hat. Den frisch Verliebten steht nur noch Hollys Ehemann im Weg ...
Kommentar:
Ein fesselnder Krimi, Cain in Hochform.


Mildred Pierce
Mildred Pierce
Goldmann Verlag
320 Seiten
Roman
Inhalt:
Zur Zeit der großen Depression trennt sich Mildred Pierce von ihrem Mann und arbeitet sich nach finanziellen Problemen mit einem eigenen Restaurant nach oben. Doch richtiges Glück möchte sich nicht einstellen. Die falschen Männer und Mildreds abgöttische Liebe zu ihrer kaltherzigen Tochter Veda bedrohen alles, was sie sich mühsam erarbeitet hat.
Kommentar:
Ein besonderer Cain. Es gibt keinen Mord und kaum physische Gewalt. Auch kommen die Protagonisten am Ende mit dem Leben davon. Aber die bedrückenden Erlebnisse von Mildred, die psychische Grausamkeit ihrer Tochter Veda und die Schicksalsschläge des Lebens, wirken dunkler als manch anderer Cain-Roman. 1945 mit Joan Crawford verfilmt (Solange ein Herz schlägt).


Mord in Reno
Jealous Woman
Goldmann Verlag
156 Seiten
Roman
Inhalt:
Beging Richard Sperry wirklich Selbstmord? Oder wurde er ermordet, vielleicht von Jane Delavan, jener schönen Frau, in die sich Versicherungsagent Ed Horner verliebt? Oder hat Janes Ehemann die Finger im Spiel? Dazu noch eine Lebensversicherung in Höhe von 100 000 Dollar ...
Kommentar:
Cain wirft seine Protagonisten geschickt in ein Netz aus Intrigen, Lügen und Habgier, angesiedelt im Spielerparadies Reno. Wer entpuppt sich als Spinne, wer als Beute?


Eine schöne junge Witwe
Mignon
rororo Verlag
190 Seiten
Roman
Inhalt:
Während des amerikanischen Bürgerkriegs wuchern im Chaos des besetzten Louisiana Schmuggelgeschäfte mit Feinden, Denunziationen, bestellte Morde und pikante Liebesaffären. Im Karnevalstaumel von New Orleans begegnet der vorzeitig aus der Unionsarmee entlassene Ingenieur Cresap einer dunkelhaarigen Schönheit, der verführerischen Witwe Mignon. Sie verwickelt ihn mit Hilfe ihres skrupellosen Vaters in eine undurchsichtige Intrige zwischen Baumwollschiebern und korrupten Besatzungsoffizieren. Auch als Cresap von der in ihn verliebten Besitzerin eines Spielsalons Geld für Spekulationen bekommt, läuft alles schief. Doch als die Kriegsschiffe der Unionsarmee Alexandria nicht erreichen können, weil der Mississippi zu wenig Wasser führt, lässt Cresap jäh von seinen zweifelhaften Machenschaften ab und beginnt mit dem Bau eines Staudamms. Damit kommt er jedoch den finsteren Geschäften von Mignons Vater in die Quere, der ein Boot mit Sprengstoff belädt, um den Damm zu sprengen. Cresap versucht heldenhaft, dies zu verhindern, muss aber einen hohen Preis für seine mutige Entschlossenheit bezahlen …
Kommentar:
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Zarte Hände hat der Tod
The Institute, 1976
Goldmann Verlag
ca. 250 Seiten
Roman
Inhalt:
Llyod Palmer hat einen Traum - einen Traum, der schlappe 22 Millionen Dollar kostet: ein Bibliographisches Institut. In dem schwerreichen Geschäftsmann Richard Garett findet er einen Mäzen, in dessen Ehefrau Hortense seine große Liebe. Die beiden beginnen heimlich eine leidenschaftliche Affäre, während mit einiger Mauschelei das Institut aus dem Boden gestampft wird. Palmer scheint am Ziel, doch hat sich sein Traum verändert - er will mit Hortense glücklich werden, die ein Kind von ihm erwartet. Doch Richard Garett will sich nicht scheiden lassen, obwohl er selbst eine heftige Affäre hat. Die Lage spitzt sich zu, als die freizügige Teddy Rodriguez auftaucht. Das Institut und die Beziehungen drohen zu zerbrechen.
Kommentar:
Cains letzter Roman, ein Jahr vor seinem Tod fertig gestellt. Posthum wurde später noch Cloud Nine veröffentlicht. Bereits 84, würzte er seine Erzählung, der Zeit entsprechend, mit mehr nackter Haut und Sex. Ungewöhnlicher jedoch der Umstand, dass er am Ende mit einem vermeintlichen Happy End aufwartet. Kein dunkles, tragisches Ende für den Protagonisten. Ansonsten bleibt The Institute blutleer. Die sexuellen "Abarten" der beiden Figuren wirken aufgesetzt und leblos, nicht besessen und fiebrig wie in einem Jim Thompson Roman. Und die Motivation eines Lloyd Palmer tendiert gegen null - keine Leidenschaft, kaum aktives Eingreifen in die Ereignisse. Am Ende der Lektüre zuckt man die Schultern und fragt sich: "Und?".