



Driver
Originaltitel: Drive, 2005
Liebeskind
160 Seiten
Roman
Inhalt:
Driver ist kein Verbrecher. Jedenfalls nicht im engeren Sinne. Er ist nur der beste Stuntfahrer, den man in Hollywood kriegen kann. Und manchmal fährt er bei Raubüberfällen den Fluchtwagen, obwohl ihn das gar nicht so richtig interessiert. Genauso wenig wie die Hollywoodfilme. Eigentlich will er nur fahren. Aber dann läuft einer dieser Überfälle schief, und Driver findet sich in einem schäbigen Motel in Arizona wieder, mit mehreren Leichen im Zimmer und einer Tasche voller Geldscheine. Eigentlich sollte auch er tot sein, denn der Raubüberfall war eine abgekartete Sache …
Kommentar:
Gut geölte, PS-starke Noir-Story aus der Feder von James Sallis, der nach Jahren der Abstinenz wieder Fahrtwind auf dem deutschen Buchmarkt wittert. Damals war das noch in den Reihen von DuMont Noir, lang ist es her. Waren seine Lew Griffin-Roman allerdings noch ein lyrischer Trip durch die Dunkelheit, anspruchsvoll aufgebohrt mit Literaturgeschichte, ist Driver deutlich bodenständiger. Zwar blitzt hier und da noch seine Blues-Poetik auf, aber das Grundgerüst ist deutlich klarer und rauer. Beim Thema des Romans bieten sich Vergleiche zu einem Wagen an. Die Karosse ist zerkratzt, der Lack an etlichen Stellen ausgebessert. Die Ausstattung ist auf das Wesentliche reduziert, die Sitze durchgesessen und schmutzig, Fußmatten fehlen, die Lüftung knarrt. Im Kofferraum müffelt es verdächtig. Aber unter der Motorhaube … da liegt ein perfekt gepflegter, frisierter Motor. Massig PS, schnurrt wie ein Kätzchen, kein überflüssiger, elektronischer Mist. Bereit, zu fahren, egal was da kommt.
So ist es dann auch mit Sallis' Protagonist, schlicht und einfach Driver genannt. Der fehlende Vorname, die Distanziertheit, mit der er seine Vergangenheit betrachtet und die Gradlinigkeit, mit der er durch sein Leben geht. Alles, was er will, ist fahren. Erinnert tatsächlich ein bisschen an Walker aus Point Blank. Wenn ihm was in den Weg kommt, räumt er es mit ernüchternder Härte und Ausdauer aus dem Weg.
Nicht, dass Sallis damit eine lineare, dünne Story abliefert. Dazu ist er zu lange im Noir-Geschäft. Driver ist Papier gewordener Neo-Noir - verschachtelte Rückblenden, Auflösung der Chronologie, ein einsamer Held in einer verlorenen Welt. Die Schauplätze sind ein Querschnitt der Schwarzen Serie - schmierige Bars, miese Motels, heruntergekommene Absteigen und dreckige Straßen. Ebenso die Charaktere - Gauner, leichte Mädchen, Einwanderer, Pfandleiher, Verrückte. Das schreit alles förmlich nach einer Verfilmung, auf die Sallis dann am Ende noch mit einem Seitenhieb eingeht.
Von der amerikanischen Presse hoch gelobt, wirkt es ein bisschen so, als wäre mit Driver die Welt des Noir neu erfunden worden. Das vielleicht nicht gerade. Im Bücherschrank sollten ohnehin Thompson, McCoy und Goodis stehen. Aufgeschlüsselt, ist es handfeste Arbeit, in der Sallis sein Können und seine Erfahrung zeigt. Und, das ist das eigentlich Wichtige, es gibt eine deutsche Veröffentlichung davon.


Die langbeinige Fliege
Originaltitel: Long-Legged Fly, 1992
DuMont Noir
198 Seiten
Roman
Inhalt:
Lew Griffin, Privatdetektiv und späterer Romanschriftsteller, driftet durch das nächtliche, deprimierende New Orleans, auf der Suche nach Verlorenen, die ebenso wenig Hoffnung haben, wie er selbst.
Kommentar:
Blues-Krimis, lautet die Bezeichnung auf dem Buchrücken. Und in der Tat ist das, was Sallis da liefert, eine traurige Melodie, lyrisch und dunkel. Stilistisch fesselnd, manchmal jedoch etwas zu sehr von Literaturgeschichte durchdrungen. Und abgesehen von der Band-übergreifenden Suche nach seinem Sohn, mangelt es dem Roman an einem spannenden Handlungsablauf.


Nachtfalter
Originaltitel: Moth, 1993
DuMont Noir
244 Seiten
Roman
Inhalt:
Lew Griffins Reise durch die amerikanische Dunkelheit geht weiter.
Kommentar:
Aber auch hier fehlt wieder ein fesselnder Plot, die kleinen Fälle um entlaufene Jugendliche mit Drogenproblemen, wiederholen sich leider zu oft. Die noir-haften, oft brutalen Nebenereignisse, wirken zu konstruiert. Nachtfalter liest sich gut, bleibt aber unbefriedigend.