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Jean-Patrick Manchette

Name: Jean-Patrick Manchette
Geboren: 19.07.1942
Gestorben: 03.06.1995
Berufe: Schriftsteller, Drehbuchautor
Pseudonyme: -

Manchette

Jean-Patrick Manchette liebte Jazz, Kino und Literatur. Entsprechend virtuos wusste er Bilder aus Alltag, Abenteuer und Sozialkritik mit den Klängen eines großen «Roman noir» zu verbinden. Durch seinen erzählerischen Reduktionismus, knappe Dialoge, kurze Sätze, und hintergründigen Humor hat Manchette – an die Tradition von Raymond Chandler und Dashiell Hammett anknüpfend – eine moderne auf Europa zugeschnittene Form des amerikanischen «hard-boiled» Krimis gefunden.
Manchette gilt als Begründer des neueren sozialkritischen französischen Kriminalromans, des so genannten néo-polar.
Er arbeitete als Drehbuchautor und veröffentlichte u.a. zehn Kriminalromane, von denen die meisten verfilmt wurden, so «Nada» von Claude Chabrol, «Que d’os!» («Knüppeldick») von und mit Alain Delon, «Morgue pleine» («Volles Leichenhaus») von Jacques Bral.
1995 starb Manchette im Alter von nur 52 Jahren in Paris.
Er wurde zur Leitfigur für eine neue Generation von Krimiautoren in Frankreich.


Chroniques

Chroniques

Essays zum Roman noir

DistelLiteraturVerlag

344 Seiten

Roman

Inhalt

Jean-Patrick Manchette ist vor allem bekannt als Schriftsteller, Drehbuchautor und Übersetzer. Daneben bildete auch das Schreiben von Essays zum Roman noir und über die "Meister" des Genres einen Schwerpunkt im Schaffen des Franzosen. In den Jahren 1976 bis 1995 schrieb er dazu regelmäßig Beiträge in renommierten Fachpublikationen.

Durch die Texte zieht sich wie ein roter Faden Geschichte, Theorie und Kritik des Roman noir "als Zeitzeuge seiner Zeit". Die oft schneidenden, humorvollen und scharfsinnigen Texte lassen die Passion des Essayisten und die Genauigkeit des Analytikers erkennen.


Kommentar

-



Die Affäre N'Gustros

Die Affäre N'Gustro

DistelLiteraturVerlag

208 Seiten

Roman

Inhalt

Der junge Henri Butron ist ein richtiger Fiesling; er will alles: Geld, Sex und Ruhm, und das sofort, und hält sich für einen ganz harten Typen. Ein politischer Wirrkopf. Früher beteiligte er sich an den Gewalttaten der rechten OAS. Als er Anne und ihre Mutter Jacquie kennen lernt, wechselt er die Seiten. Er wird Leibwächter von N'Gustro, dem Führer einer afrikanischen Befreiungsbewegung, und mischt sich in Politik und Komplotte ein, nur zum Spaß, wegen des Geldes, dem Ruhm. N'Gustro muß es ausbaden; er wird mitten in Paris von zwei Männern, die sich als Polizisten ausweisen, mitgenommen und entführt.

Die Geschichte Manchettes beruht auf einem realen Fall: Der Affäre Ben Berka . Der marokkanische Politiker war Führer einer Befreiungsbewegung und lebte in Frankreich im Exil. 1965 wurde er in Paris unter mysteriösen Umständen entführt und dann ermordet. Der Skandal wurde von den Behörden vertuscht und ist bis heute nicht restlos aufgeklärt.


Kommentar

Manchette beschreibt den Lebensweg des Individuums Henri Butron, seine verkorkste Jugend, seine verkappten Einstellungen - da ist Butrons Haftstrafe wegen Körperverletzung, sein Armeedienst, seine Karriere als rechter Aktivist, sein Wechsel auf die Link, seine Bemühungen als Waffenschieber und schließlich Leibwächter des afrikanischen Befreiungskämpfers N'Gustro. Für den mischt er in der großen Politik mit. Was tödliche Folgen hat ...

In gewohnter, flüssiger Manier nimmt Manchette kein Blatt vor den Mund und zieht den Leser blitzschnell in das verblüffende Chaos, das Henri Butron hinterlässt.



Nada

Nada

DistelLiteraturVerlag

208 Seiten

Roman

Inhalt

André Épaulard, ehemaliger Partisan und Exkiller, Buenaventura Diaz, ein Anarchist, Meyer, der Kellner mit seiner verrückten Frau, Marcel Treuffais, ein frustrierter Philosophielehrer, D'Arcy, ein Säufer, und die Nutte Veroniqué Cash entführen als anarchistisches Kommando Nada den amerikanischen Botschafter. Und werden selbst Spielball staatlicher Manipulation.


Kommentar

Eigentlich sollten Manchettes Charaktere wissen, dass ihr Plan aberwitzig ist. Doch aus Frustration, anarchistischem Geist, Gier und Verzweiflung ziehen sie ihren Coup durch und schlingern in Manchettes manchmal schnoddrigem Stil geradeswegs zum blutigen Finale. Die Figuren, ihre Umgebungen und ihre enttäuschten Träume sind durch und durch noir. Sehr zu empfehlen.


Textauszug:

Der Alkoholiker verharrte reglos, schweigsam, rauchend, müßig, mit zitternden Händen, wogegen Meyer sich, auf einen Ellbogen gestützt, auf dem Bett ausstreckte und versuchte, ein Buch mit dem wenig ermutigenden Titel Den Toten ist's egal von Jonathan Latimer zu lesen.



Volles Leichenschauhaus

Volles Leichenschauhaus

DistelLiteraturVerlag

256 Seiten

Roman

Inhalt

Eugène Tarpon, ehemaliger Gendarm und Privatdetektiv, bekommt desnachts Besuch von der seltsamen Memphis Charles. Die hat die Leiche ihrer Mitbewohnerin entdeckt. Und Memphis fühlt sich ziemlich tatverdächtigt. Ob Tarpon ihr nicht helfen könne? Mord ist aber nicht unbedingt das Steckenpferd des tapferen Tarpon und er schlägt vor, die Polizei einzuschalten. Woraufhin ihn die hübsche junge Frau niederschlägt. Als er wieder zu Bewusstsein gelangt, stürzt sich Tarpon ins Getümmel, um den Mord aufzuklären. Wenn das nur nicht so vertrackt wäre ...


Kommentar

Selten gab es einen liebenswertern Privatdetektiv. Eugène Tarpon ist der Tradition nach erfolgslos und moralisch, hilfsbereit und begriffsstutzig. Und alles mit einem wunderbaren französischen Charme. Sehr zu empfehlen.


Textauszug:

Als der auf uns zueilende Fleischer sah, dass Coccioli heulend angerannt kam und Luftlöcher schoss, änderte er seine Laufrichtung und stürzte sich mit seinem Hackbeil auf den Polizisten. Die beiden stießen genau in dem Moment zusammen, als mir das Mädchen noch eine Kopfnuss mit dem Knüppel versetzte. Ich sah das Mündungsfeuer in Cocciolis Hand, spürte, wie der Einschlag den Arm des Mädchens zur Seite riss. Entsetzt blickte sie mich an.

"Oh! Uhh!" schrie sie und fiel auf mich.

Ich versuchte noch zu verhindern, dass ihr Kopf auf dem Boden aufschlug. Nun schlossen sich die aus dem Nichts aufgetauchten bärtigen Brandstifter dem Handgemenge an.

Der eine hatte immer noch den verdammten roten Feuerlöscher und gab mir damit kräftig eins auf die Nasenwurzel.

"Hört auf, ihr seht doch, was ihr mit eurem Blödsinn angerichtet habt!" stammelte ich zornig.

Zornig, aber schlaff. Ich war ganz schlaff. Ich spürte, wie man mich unterhakte und in den Peugeot warf. Mir rannen die Tränen runter, ich wusste nicht, warum. Ich fiel, ohne mich halten zu können, zwischen die Rückbank und die Vordersitze. Ich sah nur eine staubige Bodenmatte, während Leute auf mich traten, Türen knallten, Verrückte auf der Straße hupten. Der 203 fuhr quietschend an, in der gesamten Tonleiter eines abgenutzten Getriebes. Und dann noch ein Knall, aus einer Knarre oder einem Auspufftopf.

Etwas klebrig Warmes tropfte auf mein Gesicht. Ich versuchte, den Kopf zu heben.

"Da blutet jemand", sagte ich. "Das Mädchen. Ihr mit eurem Blödsinn."

Ich bekam noch einen mit dem Feuerlöscher verpasst, dann stellte sich ein Fuß auf meine Wange und drückte meinen Kopf gegen die Bodenmatte. Das war eigentlich unhygienisch und gemein. Mir war es aber egal, ich nahm es nicht mehr so genau. Nach einer Weile ließ der Druck mit dem Fuß übrigens nach und mir wurde ein Kartoffelsack übergestülpt. Da war unten noch Ackererde drin. Ich versuchte zu niesen und mich daraus zu befreien, aber man drehte mir die Arme auf den Rücken, legte mir Handschellen an und verpasste dann meinen Knöcheln auch noch welche.

"Das Mädchen blutet", beharrte ich aus meinem Sack heraus. "Legt ihr einen Druckverband an, Herrgott noch mal!"

Sie versetzten mir noch einen Schlag auf den Kopf. Das kleine Bewusstseinslicht, das mir geblieben war, verflüchtigte sich an das Ende eines langen Tunnels. Ich versuchte, es zu schnappen.

"Einen Verband" sagte ich wieder, und sie mussten erneut zugeschlagen haben, denn das kleine Licht kicherte spöttisch und verschwand.



Tödliche Luftschlösser

Tödliche Luftschlösser

DistelLiteraturVerlag

200 Seiten

Roman

Inhalt

Der Auftrag für Thompson scheint einfach: Der kleine Neffe eines millionenschweren Architekten soll aus dem Weg geräumt und der Mord dem Kindermädchen, der jungen, angeblich nicht zurechnungsfähigen Julie, angehängt werden. Doch alles läuft schief. Der Junge und Julie können dem Killer entkommen. Nun wird der Job für Thompson zur Obsession. Eine erbarmungslose Hetzjagd quer durch Frankreich, ein wahnwitziges Duell zwischen Julie und Thompson beginnt.


Kommentar

Wahnwitz - ein passendes Wort für den Ablauf der Geschichte. Manchette zieht seine Protagonisten in einen wilden Sog aus Skurrilität, Gewalt und Irrsinn, die ihrem blutigen Finale unaufhaltsam entgegen steuern.



Westküstenblues

Westküstenblues

DistelLiteraturVerlag

176 Seiten

Roman

Inhalt

Georges Gerfaut ist leitender Angestellter eines Konzerns in Paris. Dynamisch, erfolgreich, glücklich verheiratet, zwei kleine Töchter. Er macht mit seiner Familie Urlaub im Südwesten Frankreichs. Beim Baden im Meer versuchen plötzlich zwei unbekannte Männer, ihn umzubringen. Er weiß nicht warum. Als er am nächsten Tag von den gleichen Killern wieder angegriffen wird, flieht er, statt zur Polizei zu gehen, ins Zentralmassiv. Aber auch dort ist er nicht in Sicherheit ...


Kommentar

Der Westküstenblues gefällt vor allem durch seinen etwas unüblichen Erzählstil. Nicht die Ich-Perspektive oder der neutrale Erzähler, sondern ein leicht subjektiver Berichterstatter, der so manche Anekdote über seine Figuren zu berichten weiß. Die Geschichte selbst ist nicht unbedingt die spannenste, aber wie erwartet schnell & blutig.



Blutprinzessin

Blutprinzessin

DistelLiteraturVerlag

204 Seiten

Roman

Inhalt

Etwas ging schief bei der Entführung von Alba Black, der Tochter eines internationalen Waffenschmugglers - die Entführer brachten sich gegenseitig um und das achtjährige Mädchen blieb verschwunden. Bis die Fotografin Ivy Pearl im Jahre 1956 während eines Aufenthalts im unruhigen Kuba eine sensationelle Entdeckung macht ... und kopfüber in ein mörderisches Spiel von Waffenhändlern, Killern und Geheimdiensten schlittert.


Kommentar

Manchettes letzter - unvollendeter - Roman, 1996 posthum von seinem Sohn Doug Headline und Francois Guerif herausgegeben. Mit Hilfe von Manchettes Arbeitsnotizen wurde die zweite Hälfte des Buches in Stichpunkten zusammengefasst, so dass sich die komplexe Handlung um Schmuggel und Geheimdienstaktivitäten noch aufklärt. Die ist durchaus spannend, wenn auch etwas überladen mit Randinformationen historischer Ereignisse. Genau wie manche Beschreibungen bestimmter Situationen (aha, Ivy aß also 400g getrocknete Aprikosen - gut zu wissen, aber nicht sehr atmosphärisch). Sicherlich nicht der beste Manchette (aber er war ja auch noch nicht fertig) und eher etwas für Fans. Am Ende findet sich noch ein Nachwort von Doug Headline.

Chroniken
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Objectif Mexiko, 1968
Des Andes à l’Amazonie, 1968
Les Têtes brulées, 1969
Les Têtes brulées foncent tête baisees, 1969
Les chasses d’Aphrodite, 1970
Mourir d’aimer, 1971
Sacco et Vanzetti, 1971
L’Affaire N’Gustro, 1971
Laisser bronzer les cadavres, 1971
Ô dingos, ô châteaux!, 1972
Nada, 1972
L'homme au boulet rouge, 1972
Morgue pleine, 1973
Que d’os!, 1976
Le petit bleu de la côte ouest, 1976
Fatale, 1977
Griffu, 1978
Mélanie White, 1979
Cache ta joie!, 1980
La position du tireur couché, 1981
Chroniques, 1996
La princesse du sang, 1996
Les yeux de la momie: Chroniques de cinéma, 1997

(nur Originaltitel)