"Wenn X etwas Wertvolles hat und Y daherkommt und es ihm wegnimmt, und wenn es überhaupt keine Möglichkeit auf dieser Welt gibt, wie X das wieder zurückbekommen kann, dann komme ich ins Spiel und handle mit X aus, dass ich es zurückhole und die Hälfte davon behalte. Und dann ... lebe ich einfach von dieser Hälfte, bis sie fast weg ist."
John D. MacDonald steht vor allem für Travis McGee, einem Aussteigertyp und Zeitarbeitsdetektiv aus Florida - kommerziell und literarisch eine der erfolgreichsten Kriminalromanfiguren der 60er und 70er Jahre. McGee ist eine Hommage an alte Chandler-Helden, ein Eigenbrödler und Außenseiter, der die Dinge nach seinem eigenen moralischen Verständnis anpackt und in Reihe bringt. Losgelöst aus gesellschaftlichen Zwängen, verbringt McGee sein Leben abwechselnd im vorgezogenen Ruhestand oder mit Detektivarbeit nach seinem Motto "Y bestiehlt X, ich knöpfe es Y wieder ab und behalte die Hälfte, die andere geht zurück an X." Seine Basis ist die Jacht Busted Flush, von der aus er das verkommene Florida unter die Lupe nimmt.
Das Konzept der Travis McGee-Roman war nicht Bahn brechend neu, MacDonald hatte sich seine Sporen bereits in über 40 Büchern und einer stattlichen Anzahl Kurzgeschichten (Science Fiction-, Detektiv- und Westerngeschichten für pulp magazines) verdient, als sein Herausgeber Knox Burger bei Fawcett ihn davon überzeugte, eine Serienfigur zu entwickeln. Denn ursprünglichen Namen Dallas McGee wandelte er nach dem Kennedy-Attentat in Travis (nach einer US-Militärbasis) um.
Nach dem Erstling THE DEEP BLUE GOOD-BY (1964) - eine Verbeugung vor Chandlers Titel THE LONG GOOD-BY, folgten 20 weitere McGee-Romane, die über die Jahre 1964 bis 1985 immer wieder ein aktuelles Bild von Florida und der amerikanischen Gesellschaft lieferten. In seiner Themenauswahl fanden sich - ähnlich wie bei Ross MacDonald - immer wieder Korruption, Rassismus und gesellschaftliche Abgründe. Im Gegensatz zum Helden seines Namensvetters, Ross MacDonalds Lew Archer, war Travis McGee immer etwas lockerer, charmanter, alternativer. Jeder McGee-Roman wartete mit einer Farbe im Titel auf (nur weiß und schwarz ließ MacDonald aus, auch wenn lange Zeit Gerüchte kursierten, es gäbe einen letzten, schwarzen McGee-Roman).
Geboren in Sharon, Pennsylvania, besuchte er die Syracuse University, machte seinen Bachelor of Science und Master of Business Administration in den Jahren 1938/39. Seit 1937 verheiratet. Während des Zweiten Weltkriegs war er von 1940-46 dem Office of Strategic Services (Vorläufer der CIA) im Fernen Osten zugeteilt. In dieser Zeit begann er damit, Kurzgeschichten zu verfassen und später bei diversen Magazinen (Black Mask, Astounding Science Fiction, Doc Savage, Dime Detective, Startling Stories, WeirdTales) unterzubringen, wobei er großflächig verschiedene Genres abdeckte: Sport-, Abenteuer-, Science Fiction-, Fantasy- und Kriminalgeschichten. Seine erste veröffentlichte Geschichte war THE BRASS CUPCAKE im Jahr 1950.
Von 1949 an lebte er in Florida, später einige Zeit in Mexiko. Mit THE EXECUTIONERS (1958) gelang ihm schließlich der endgültige Durchbruch (verfilmt 1962 von J. Lee Thompson unter dem Titel CAPE FEAR mit Gregory Peck und Robert Mitchum, 1991 dann als Remake von Martin Scorsese mit Robert De Niro und Nick Nolte). Neben den erfolgreichen McGee-Roman verfasste MacDonald andere Kriminal- (CONDOMINIUM (1977), den Sekten-Thriller ONE MORE SUNDAY (1984)) und einige Science Fiction-Romane (WINE OF THE DREAMERS, BALLROOM OF THE SKIES, THE GIRL, THE GOLD WATCH AND EVERYTHING).
John D. MacDonald verstarb am 28. Dezember 1986 im St. Mary's Hospital in Milwaukee, Wisconsin.