

Jack Taylor fliegt raus
Originaltitel: The Guards, 2001
304 Seiten
Roman
Atrium
Inhalt
Nachdem Jack Taylor dazu verdonnert wurde, als Streifenpolizist hinter einer Radarfalle zu sitzen, hat der Dienst ohnehin wenig Bedeutung für ihn. Als er dann bei einer Verkehrskontrolle an einen hohen Beamten des Finanzministeriums gerät, der ihn zurechtweist, legt Jack seine Meinung zur Regierung offen und schlägt zu.
Vom Dienst suspendiert, versucht er sich fortan als Lösungsfinder, denn mit dem Begriff Privatdetektiv haben es seine irischen Mitbürger nicht so. In Galway ist allerdings nicht sonderlich viel los, folglich lässt Jack sich in seiner Stammkneipe Grogan's voll laufen. An seiner Seite sein alter Kumpel Sutton, dessen zynische Weltanschauung auch nicht gerade dazu geeignet ist, Taylor sauber zu ziehen. Doch als die verzweifelte Ann auftaucht und ihn bittet, den angeblichen Selbstmord ihrer Tochter aufzuklären, muss Jack sich aus den Niederungen des Lebens kämpfen, denn im Schlepptau der toten jungen Frau kommt so allerlei Scheiß ans Licht. Und mancher davon hat es auf Jack abgesehen.
Kommentar
Am nächsten Tag lag ich im Sterben. Nicht so der übliche Feld-Wald-undWiesen-Kater, sondern die ganz große Kacke. Die Kacke, die grölen kann: SCHIESS MICH TOT!
Das alte Irland muss sich mehr und mehr hinter dem modernen Mist verstecken, und dieser melancholische Unterton durchzieht die schwarze Welt des Jack Taylor, der in manchen Momenten selbst ein Relikt ist. Ein alternder Verlierer auf der steinigen Straße des Säufers - hoch und tief runter, fragmentarisch, die Phasen des Friedens und Glücks schnell zertrümmert. Er zerstört, was er hat und dabei ist kein Happy End in Sicht, selbst der Tod lässt sich Zeit.
Highlights / Tiefschläge
Taylors alkoholgetränkter Niedergang, Wideraufstieg und erneuter Fall - bitter, unromantisch, noir.
Dies & Das
1) Die Übersetzung der erwähnten Autobiographie von Derek Raymond The Hidden Files wird fälschlich als Der versteckte Aktenordner wiedergegeben, heißt aber in der einzigen deutschen Ausgabe Die verdeckten Dateien (DuMonit Noir, 1999) - übrigens Pflichtlektüre für Noir-Fans.
2) Das Irish-Crime-Logo, wenn auch dezent, hätte man sich sparen können. Bruen passt überhaupt nicht in die Schublade "Regionale Verbrechen".
3) Der Roman strotzt nur so vor Anspielungen auf Literatur und Musik, ein guter Teil davon auch Noir: Goodis, Thompson, Ed McBain, Pelecanos, etc.
Fazit
Das verlorene Wochenende in einer scheißbraun gefärbten Fassung. Alkohol, Gewalt und Selbstzerstörung zu einem verdammt guten Noir-Trip gemixt.
Die Liebe zu seiner Ehefrau Deirdre ist schon lange nicht mehr existent. Zumindest kommt der Geschäftsmann Max Fisher langsam zu diesem Schluss. Seine Angestellte und Geliebte Angela ist da schon mehr nach seinem Geschmack, vor allem aber hat sie eine ziemliche Oberweite. Für die würde Max doch glatt über Leichen gehen. Eben über die seiner Frau.
Praktisch, dass Angela da gleich einen entfernten Verwandten an der Hand hat, der sich aufs Töten versteht. Unpraktisch (für Max), dass dieser eigentlich kein Verwandter, sondern Angelas heimlicher Geliebter ist. Noch unpraktischer, dass dieser Dillon kein Profikiller ist, sondern ein Psychopath, den nicht mal die IRA haben wollte. Ganz zu schweigen davon, dass das Pärchen ganz eigene Pläne mit Max hat - denn der soll in absehbarer Zeit ebenfalls den Löffel abgeben. Immerhin geht es um ein paar satte Millionen.
Doch mit einem einfachen Mord ist es da nicht ausgestanden. Es folgen weitere. Dazu dann auch noch die Bullen, die sich nicht abhängen lassen wollen, ein erpresserischer Kriegsveteran im Rollstuhl und Herpes. Max Fisher könnte es ziemlich schnell bereuen, den falschen Leuten vertraut zu haben.