Lawrence Block

Name: Lawrence Block
Geboren: 24.06.1938
Berufe: Schriftsteller
Pseudonyme: Chip Harrison, William Ard, Jill Emerson, Paul Kavanaugh, Sheldon Lord, Andrew Shaw, Duncan Lee

Block ist vor allem für drei seiner Serienhelden bekannt - den Privatdetektiv Matt Scudder, den Gentlemaneinbrecher Bernie Rhodenbarr und den Kriegsveteran Evan Tanner. Seit den sechziger Jahren schreibt er Romane, Kurzgeschichten und Sachbücher. Begonnen hatte er mit Storys für pornographische Paperbacks in den 1950ern.

Mittlerweile zählt er zu den produktivsten Kriminalschriftstellern der USA, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Grand Master der Mystery Writers of America im Jahr 1993.


lawrenceblock.com



Killing Castro

Killing Castro

Originaltitel: Fidel Castro Assassinated, 1961

204 Seiten

Roman

Hard Case Crime

Inhalt

Because in 1961, no one would have called Fidel Castro the retiring type.

Gier, Rache, Todessehnsucht - fünf Männer machen sich auf, das kubanische Staatsoberhaupt zu liquidieren:


Turner, ein gesuchter Doppelmörder

Hines, der den Tod seines Bruders rächen will

Fenton, ein Bankangestellter, den der Krebs umbringt

Garth, bloß bestehend aus Muskeln und Instinkt

Garrison, ein kaltblütiger Berufskiller


Sie werden von Regimegegnern auf die Insel geschmuggelt und bereiten in Grüppchen die Attentate vor: ein Hinterhalt im Dschungel, ein Bombenanschlag und ein Scharfschütze. Auf jeden von ihnen warten $20.000, aber ist das genug, sein eigenes Leben zu riskieren? Und sich gegen seine eigenen Dämonen zur Wehr zu setzen? Während die Stunde X für jeden von ihnen näher rückt, bröckeln die Fassaden und den Attentätern steht nicht nur das kubanische Militär im Weg, sondern vor allem sie sich selbst. Und sie müssen erkennen, dass es sich in Kuba ebenso leicht stirbt wie in den Staaten …


Kommentar

Konstruierte Pulp-Geschichte, die ein wenig an Christies And then there were None (1939) erinnert (wenn auch ungemein blutiger) - man beobachtet die Reduzierung der überforderten Assassinen, die freiwillig ins kalte Wasser springen. Fünf Männer mit einem lebensgefährlichen Auftrag, ausgesetzt auf Kuba, umgeben von Leuten, deren Sprache sie nicht sprechen - es ist nur eine Frage der Zeit, bis es einen nach dem anderen erwischt. Da klafft in Blocks Plot auch schon das größte Loch - die Fünf sind Großteils Amateure, in keiner Weise politisch motivierte Killer, noch vertraut mit Land und Leuten, um sich unauffällig bewegen zu können - es sind Versager und Mörder, die weder auf Guerilla-Kampf noch Teamplay gedrillt sind. Insofern bleibt es fraglich, weshalb die Regimegegner ihre $100.000 mit einem solchen Haufen riskieren sollten.

Dennoch ist Killing Castro kein schlechter Pulp, bewegt sich zügig und sicher zwischen Feuergefechten, Brutalität und Sex, ganz wie es sich gehört. Dazwischen eingebunden findet sich auch noch ein Abriss von Castros politischem Werdegang.


Dies & Das

Der Roman erschien ursprünglich unter dem Pseudonym Duncan Lee, das Block nur ein einziges Mal verwendete.

Mit der Operation Mongoose der CIA lief im Erscheinungsjahr von Killing Castro eine Welle von Versuchen an, den kubanischen Staatschef auszuschalten.


Fazit

Gutes Cover, unterhaltsame Story.



A Diet of Treacle

A Diet of Treacle

Originaltitel: A Diet of Treacle, 1961

206 Seiten

Roman

Hard Case Crime

Inhalt:

Anita Carbone langweilt sich zu Tode - das Leben bietet ihr nicht viel: einen Job als Tippse, die Verlobung mit einem netten, jungen Mann, bald die Hochzeit und das Leben in einer winzigen Wohnung samt Kindern. Wie viel mehr verspricht da das hippe Greenwich Village mit seinen Beatniks, Künstlern und Drogenfreunden. Wie magisch wirkt da der eigenbrödlerische Kriegsveteran Joe Milani, der seine Tage mit Kiffen verbringt. Die beiden werden ein Paar und betreten eine Welt voller Highs, in denen nur Joes Kumpel Shank den Tripp zum Absturz bringen kann. Denn der ist schnell mit dem Messer und Hasch nur ein Anfang …


Kommentar:

Biederes Mädchen trifft Kiffer, beide geben sich dem Sex und den Drogen hin, rutschen in eine Mordgeschichte hinein, an deren Ende ihr Untergang wartet. Oder vielleicht doch ihr Ticket in eine gemeinsame Zukunft? Wie auch immer, Blocks Geschichte erinnert stark einen der juvenile crime-Filme - Marihuana (1936), Tell Your Children (1936), wobei die Charaktere recht farblos bleiben und wenig Interesse wecken. Einzig als Rückblick auf die Beat-Szene des New Yorks der Sechziger noch lesenswert.



Verluste

Verluste

Originaltitel: Everybody dies, 1998

296 Seiten

Roman

Shayol

Inhalt:

Mick Ballou, New Yorker Gangster alten irischen Schlags, hat zwei seiner Leute verloren. Sie wurden brutal und scheinbar völlig sinnlos ermordet. Mick bittet seinen alten Freund Matthew Scudder, ein paar Nachforschungen anzustellen. Kaum hat Matt angefangen, sich umzuhören, wird er von zwei Männern überfallen, die ihn schlagkräftig zu überzeugen suchen, sich aus der Sache herauszuhalten. Was Matt nur zu gern täte, doch irgendjemand hat inzwischen beschlossen, alles und jeden in Micks Umgebung aus dem Weg zu räumen. Mick hat keine Ahnung, wer der Feind sein könnte. Gemeinsam versuchen die ungleichen Freunde herauszufinden, wer ihnen nach dem Leben trachtet. Ein Zufall führt sie auf die Spur eines viele Jahre zurückliegenden Verbrechens und eines Gegners, der nur ein Motto zu kennen scheint: Jeder muß mal sterben, aber nicht unbedingt eines natürlichen Todes.


Kommentar:

Der Berliner Shayol-Verlag trumpft mal wieder mit einem Juwel auf: Nach Lansdales Rumble Tumble und Crumleys Land der Lügen ist es diesmal kein geringerer als Lawrence Block mit einem Matt Scudder-Roman.

Verluste auf der Verlagswebsite.



Lucky at Cards

Lucky at Cards

Originaltitel: Lucky at Cards, 1964

220 Seiten

Roman

Hard Case Crime

Inhalt:

Ein gewagtes Spielchen in Chicago ging für Falschspieler Bill Maynard weniger gut aus. Nachdem er seine Zähne wieder hat richten lassen, will er eigentlich nur ein paar Kleinstädter ausnehmen, um sich dann in die nächst größere Stadt abzusetzen. Doch gerade dabei kommt ihm die hübsche Joyce in die Quere. Die erkennt sofort, was er in Wahrheit ist … und stört sich nicht daran. Im Gegenteil, Maynard erinnert sie an ihre eigene, wilde Zeit - ehe sie sich auf eine Ehe mit dem reichen Anwalt Murray Rogers einließ. Eine Affäre ist unausweichlich, aber nicht nur die: schnell kommen sie zu der Überzeugung, dass sie sich des Ehemanns entledigen müssen, wenn sie wirklich frei sein wollen. Dafür hat Bill auch schon bald einen teuflischen Plan parat. Doch selbst ein guter Falschspieler muss immer damit rechnen, dass sein Gegenüber noch ein Ass im Ärmel hat …


Kommentar:

Ein Block im klassischen Pulp-Gewand. Falschspieler, Gangsterbraut und skrupelloser Anwalt ergeben eine ziemlich mörderische Mischung, angereichert mit Einblicken in die Arbeit eines "Card Mechanics", ein bisschen Sex und einem ausgefeilten Plan, um den unliebsamen Ehemann aus dem Weg zu räumen.

Gegen Ende übersteuert Block etwas mit einem Film reifen Showdown, aber vorher liefert Lucky at Cards gut Unterhaltung. Was will man mehr?



The Girl With The Long Green Heart


Falsches Herz

Falsches Herz (Doppelspiel zu dritt / Mord im Hotel)

Originaltitel: The Girl With The Long Green Heart, 1965

252 Seiten

Roman

Hard Case Crime

Inhalt:

John Hayden ist nach sieben Jahren Knast wegen Betruges bemüht, sich ein neues Leben aufzubauen. Als Angestellter einer Bowlingbahn spart er sich mühsam ein paar Kröten zusammen, um sich in vielleicht zehn Jahren einen Traum erfüllen zu können - sein eigenes, kleines Restaurant. $20.000 sollten es schon sein. Aber der ehrliche Weg dorthin ist weit und mit Vierzig bleibt dann zum leben auch nicht mehr allzu viel Zeit. Wenn wundert es, dass Hayden ins Grübeln kommt, als ein alter Bekannter auftaucht - John Rance, ebenfalls ein Betrüger. Und der hat einen narrensicheren Plan im Gepäck, um das große Geld abzuzocken. Einen ausgeklügelten, maßgeschneiderten Landschwindel, mit dem er den Millionär Wallace J. Gunderman abkochen will. Das schöne daran: Gunderman wurde vor ein paar Jahren schon mal mit einem Landdeal abgezogen. Mit dem richtigen Trick, soll dies noch einmal gelingen. Unterstützung bekommen die beiden Ganoven von der Sekretärin ihres Opfers, der verführerischen Evvie Stone. Auch die träumt ihren Traum. Und trotz aller Erfahrung lässt sich Hayden auf eine Affäre ein. Klar, dass selbst mit einem todsicheren Ding doch etwas schief gehen kann. Tödlich schief gehen kann …


Kommentar:

Ein weiterer früher Block, in dem sich alles um einen Schwindel mit kanadischem Grundbesitz dreht. Eine ruhige, detailgetreue Betrachtung der großes Betrugs. Keine dreckige Noir-Geschichte, eher etwas mit Charme und Stil. Flott geschrieben, sehr unterhaltsam.



Grifter's Game


Abzocker

Abzocker (Die Mörderlady)

Originaltitel: Grifter's Game, 1961

205 Seiten

Roman

Hard Case Crime

Inhalt:

Der Gauner Joe Marlin verdient sein Geld damit, reiche Frauen abzuzocken. Als seine Masche einmal jedoch nicht so ganz greifen will, muss er sich kurzerhand aus seinem Hotel absetzen und die Stadt wechseln. Ohne Kohle und Klamotten, greift er sich einen Satz Koffer am Bahnhof und checkt ins nächste Hotel ein. Da stellt er zu seiner Überraschung fest, dass neben ein paar passenden Schuhen auch noch ein Kästchen mit reinem Heroin im gestohlenen Gepäck sind. Sieht so aus, als würde deren Besitzer dick im Drogenhandel mitmischen.

Vielleicht ist das endlich der Wendepunkt in Marlins Leben. Das große Geld. Gebrauchen könnte er es, denn der atemberaubenden Mona Brassard genügen Lieben und Sex allein nicht. Sehr praktisch, dass ihr Gatte der Besitzer des Heroins ist. Noch besser, wenn der alte Brassard tot wäre …

Joe muss sich entscheiden, ob er ewig kleine Gaunereien durchziehen, oder durch einen Mord an viel Asche und eine schöne Frau kommen will.


Kommentar:

Da ist ein guter Schuss Jim Thompson drin. Genügend, um einen an die Reihe Hard Case Crime anzufixen. Perfekter pulp-noir-Start. Eine Geschichte um Gaunereien, Sex und Mord. Kein moralischer Zeigefinger, keine Notbremse. Nur zwei Protagonisten, die in bester Noir-Manier den steinigen Pfad zum großen Geld entlang rasen. Und am Ende von ihren eigenen Dämonen gefressen werden.

Die (Noir-)Welt scheint nur gemacht für Leute wie Joe und Mona. Alle anderen darin sind entbehrlich. Hand in Hand gen Sonnenuntergang, die Kohle in den Taschen, die Waffe im Gürtel. Egal, ob einen am Ende das Glück erwartet, von dem man weiß, dass es hier gar nicht existieren kann. Es könnte ja ein kurzer Windhauch davon zu finden sein. Und wenn nicht, bleibt noch genügend Asche, um zu überleben.

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(Axel Bußmer)
Lawrence Block

Deutscher Titel Originaltitel Jahr
- Babe in the Woods 1960
- Kept 1960
- Cinderella Sims ($20 Lust) 1961
- Coward's Kiss (Death Pulls a Doublecross) 1961
Abzocker (Die Mörderlady) A Grifter's Game (Mona / Sweet Slow Death) 1961
- The Case of the Pornographic Photos (You Could Call It Murder) 1961
- A Diet of Treacle 1961
- Reform School Girls 1962
- Lucky at Cards 1964
- Warm and Willing 1964
- Enough of Sorrow 1964
Falsches Herz (Doppelspiel zu dritt / Mord im Hotel) The Girl With the Long Green Heart 1965
- The Thief Who Couldn't Sleep 1966
- The Canceled Czech 1966
Zwölf Mädchen und der Supermann Tanner's Twelve Swingers 1967
Tödliche Flitterwochen Deadly Honeymoon 1967
Hot Pants lassen den Mörder kalt The Scoreless Thai (Two for Tanner) 1968
- Tanner's Tiger 1968
- Here Comes a Hero (Tanner's Virgin) 1968
Eva starb im Doppelbett After the first Death 1969
Die Spezialisten The Specialists 1969
- Sex and the Stewardess 1969
- Such Men Are Dangerous 1969
- Me Tanner, You Jane 1970
- No Score 1970
- Threesome 1970
- Chip Harrison Scores Again 1971
- The Triumph of Evil 1971
- Ronald Rabbit Is a Dirty Old Man 1971
- A Week as Andrea Benstock 1971
- The Trouble With Eden 1973
- Make Out With Murder (The Five Little Rich Girls) 1974
- Not Comin' Home To You 1974
- The Topless Tulip Caper 1975
Mord unter vier Augen The Sins of the Fathers 1976
In der Mitte des Todes In the Midst of Death 1976
Blutgeld von einem Toten Time to Murder and Create 1976
Diebe nehmen, was sie kriegen (Ein Gentleman in der Klemme) Burglars Can't Be Choosers 1977
- Time to Murder and Create 1977
Der Dieb im Schrank (Frisch geklaut ist halb gemordet) The Burglar in the Closet 1978
- Ariel 1979
Der Dieb, der gern Kipling zitierte (Wer immer klaut, dem glaubt man nicht) The Burglar Who Liked to Quote Kipling 1979
Nur tote Zeugen reden (Ein Philosoph mit langen Fingern) The Burglar Who Studied Spinoza 1980
Alte Morde rosten nicht A Stab in the Dark 1981
- Code of Arms 1981
Viele Wege führen zum Mord Eight Million Ways to Die 1982
Der Dieb, der wie Mondrian malte (Mord ist keine schöne Kunst) The Burglar Who Painted Like Mondrian 1983
Nach der Sperrstunde When the Sacred Ginmill Closes 1986
Engel der Nacht Out on the Cutting Edge 1989
Ein Ticket für den Friedhof A Ticket to the Boneyard 1990
Tanz im Schlachthof A Dance at the Slaughterhouse 1991
Endstation Friedhof A Walk Among the Tombstones 1992
Der Teufel weiß alles The Devil Knows You're Dead 1993
Der Privatclub A Long Line of Dead Men 1994
- The Burglar Who Traded Ted Williams 1994
- The Burglar Who Thought He Was Bogart 1995
Im Namen des Volkes Even the Wicked 1997
- The Burglar in the Library 1997
Verluste Everybody Dies 1998
- Tanner on Ice 1998
- Hit Man 1998
- The Burglar in the Rye 1999
- Hit List 2000
- Hope to Die 2001
- Small Town 2001
- The Burglar on the Prowl 2004
- All the Flowers Are Dying 2005
- Hit Parade 2006
- My Blueberry Nights 2007

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