

Killing Castro
Originaltitel: Fidel Castro Assassinated, 1961
204 Seiten
Roman
Hard Case Crime
Inhalt
Because in 1961, no one would have called Fidel Castro the retiring type.
Gier, Rache, Todessehnsucht - fünf Männer machen sich auf, das kubanische Staatsoberhaupt zu liquidieren:
Turner, ein gesuchter Doppelmörder
Hines, der den Tod seines Bruders rächen will
Fenton, ein Bankangestellter, den der Krebs umbringt
Garth, bloß bestehend aus Muskeln und Instinkt
Garrison, ein kaltblütiger Berufskiller
Sie werden von Regimegegnern auf die Insel geschmuggelt und bereiten in Grüppchen die Attentate vor: ein Hinterhalt im Dschungel, ein Bombenanschlag und ein Scharfschütze. Auf jeden von ihnen warten $20.000, aber ist das genug, sein eigenes Leben zu riskieren? Und sich gegen seine eigenen Dämonen zur Wehr zu setzen? Während die Stunde X für jeden von ihnen näher rückt, bröckeln die Fassaden und den Attentätern steht nicht nur das kubanische Militär im Weg, sondern vor allem sie sich selbst. Und sie müssen erkennen, dass es sich in Kuba ebenso leicht stirbt wie in den Staaten …
Kommentar
Konstruierte Pulp-Geschichte, die ein wenig an Christies And then there were None (1939) erinnert (wenn auch ungemein blutiger) - man beobachtet die Reduzierung der überforderten Assassinen, die freiwillig ins kalte Wasser springen. Fünf Männer mit einem lebensgefährlichen Auftrag, ausgesetzt auf Kuba, umgeben von Leuten, deren Sprache sie nicht sprechen - es ist nur eine Frage der Zeit, bis es einen nach dem anderen erwischt. Da klafft in Blocks Plot auch schon das größte Loch - die Fünf sind Großteils Amateure, in keiner Weise politisch motivierte Killer, noch vertraut mit Land und Leuten, um sich unauffällig bewegen zu können - es sind Versager und Mörder, die weder auf Guerilla-Kampf noch Teamplay gedrillt sind. Insofern bleibt es fraglich, weshalb die Regimegegner ihre $100.000 mit einem solchen Haufen riskieren sollten.
Dennoch ist Killing Castro kein schlechter Pulp, bewegt sich zügig und sicher zwischen Feuergefechten, Brutalität und Sex, ganz wie es sich gehört. Dazwischen eingebunden findet sich auch noch ein Abriss von Castros politischem Werdegang.
Dies & Das
Der Roman erschien ursprünglich unter dem Pseudonym Duncan Lee, das Block nur ein einziges Mal verwendete.
Mit der Operation Mongoose der CIA lief im Erscheinungsjahr von Killing Castro eine Welle von Versuchen an, den kubanischen Staatschef auszuschalten.
Fazit
Gutes Cover, unterhaltsame Story.


A Diet of Treacle
Originaltitel: A Diet of Treacle, 1961
206 Seiten
Roman
Hard Case Crime
Inhalt:
Anita Carbone langweilt sich zu Tode - das Leben bietet ihr nicht viel: einen Job als Tippse, die Verlobung mit einem netten, jungen Mann, bald die Hochzeit und das Leben in einer winzigen Wohnung samt Kindern. Wie viel mehr verspricht da das hippe Greenwich Village mit seinen Beatniks, Künstlern und Drogenfreunden. Wie magisch wirkt da der eigenbrödlerische Kriegsveteran Joe Milani, der seine Tage mit Kiffen verbringt. Die beiden werden ein Paar und betreten eine Welt voller Highs, in denen nur Joes Kumpel Shank den Tripp zum Absturz bringen kann. Denn der ist schnell mit dem Messer und Hasch nur ein Anfang …
Kommentar:
Biederes Mädchen trifft Kiffer, beide geben sich dem Sex und den Drogen hin, rutschen in eine Mordgeschichte hinein, an deren Ende ihr Untergang wartet. Oder vielleicht doch ihr Ticket in eine gemeinsame Zukunft? Wie auch immer, Blocks Geschichte erinnert stark einen der juvenile crime-Filme - Marihuana (1936), Tell Your Children (1936), wobei die Charaktere recht farblos bleiben und wenig Interesse wecken. Einzig als Rückblick auf die Beat-Szene des New Yorks der Sechziger noch lesenswert.


Verluste
Originaltitel: Everybody dies, 1998
296 Seiten
Roman
Shayol
Inhalt:
Mick Ballou, New Yorker Gangster alten irischen Schlags, hat zwei seiner Leute verloren. Sie wurden brutal und scheinbar völlig sinnlos ermordet. Mick bittet seinen alten Freund Matthew Scudder, ein paar Nachforschungen anzustellen. Kaum hat Matt angefangen, sich umzuhören, wird er von zwei Männern überfallen, die ihn schlagkräftig zu überzeugen suchen, sich aus der Sache herauszuhalten. Was Matt nur zu gern täte, doch irgendjemand hat inzwischen beschlossen, alles und jeden in Micks Umgebung aus dem Weg zu räumen. Mick hat keine Ahnung, wer der Feind sein könnte. Gemeinsam versuchen die ungleichen Freunde herauszufinden, wer ihnen nach dem Leben trachtet. Ein Zufall führt sie auf die Spur eines viele Jahre zurückliegenden Verbrechens und eines Gegners, der nur ein Motto zu kennen scheint: Jeder muß mal sterben, aber nicht unbedingt eines natürlichen Todes.
Kommentar:
Der Berliner Shayol-Verlag trumpft mal wieder mit einem Juwel auf: Nach Lansdales Rumble Tumble und Crumleys Land der Lügen ist es diesmal kein geringerer als Lawrence Block mit einem Matt Scudder-Roman.
Verluste auf der Verlagswebsite.


Lucky at Cards
Originaltitel: Lucky at Cards, 1964
220 Seiten
Roman
Hard Case Crime
Inhalt:
Ein gewagtes Spielchen in Chicago ging für Falschspieler Bill Maynard weniger gut aus. Nachdem er seine Zähne wieder hat richten lassen, will er eigentlich nur ein paar Kleinstädter ausnehmen, um sich dann in die nächst größere Stadt abzusetzen. Doch gerade dabei kommt ihm die hübsche Joyce in die Quere. Die erkennt sofort, was er in Wahrheit ist … und stört sich nicht daran. Im Gegenteil, Maynard erinnert sie an ihre eigene, wilde Zeit - ehe sie sich auf eine Ehe mit dem reichen Anwalt Murray Rogers einließ. Eine Affäre ist unausweichlich, aber nicht nur die: schnell kommen sie zu der Überzeugung, dass sie sich des Ehemanns entledigen müssen, wenn sie wirklich frei sein wollen. Dafür hat Bill auch schon bald einen teuflischen Plan parat. Doch selbst ein guter Falschspieler muss immer damit rechnen, dass sein Gegenüber noch ein Ass im Ärmel hat …
Kommentar:
Ein Block im klassischen Pulp-Gewand. Falschspieler, Gangsterbraut und skrupelloser Anwalt ergeben eine ziemlich mörderische Mischung, angereichert mit Einblicken in die Arbeit eines "Card Mechanics", ein bisschen Sex und einem ausgefeilten Plan, um den unliebsamen Ehemann aus dem Weg zu räumen.
Gegen Ende übersteuert Block etwas mit einem Film reifen Showdown, aber vorher liefert Lucky at Cards gut Unterhaltung. Was will man mehr?




Falsches Herz (Doppelspiel zu dritt / Mord im Hotel)
Originaltitel: The Girl With The Long Green Heart, 1965
252 Seiten
Roman
Hard Case Crime
Inhalt:
John Hayden ist nach sieben Jahren Knast wegen Betruges bemüht, sich ein neues Leben aufzubauen. Als Angestellter einer Bowlingbahn spart er sich mühsam ein paar Kröten zusammen, um sich in vielleicht zehn Jahren einen Traum erfüllen zu können - sein eigenes, kleines Restaurant. $20.000 sollten es schon sein. Aber der ehrliche Weg dorthin ist weit und mit Vierzig bleibt dann zum leben auch nicht mehr allzu viel Zeit. Wenn wundert es, dass Hayden ins Grübeln kommt, als ein alter Bekannter auftaucht - John Rance, ebenfalls ein Betrüger. Und der hat einen narrensicheren Plan im Gepäck, um das große Geld abzuzocken. Einen ausgeklügelten, maßgeschneiderten Landschwindel, mit dem er den Millionär Wallace J. Gunderman abkochen will. Das schöne daran: Gunderman wurde vor ein paar Jahren schon mal mit einem Landdeal abgezogen. Mit dem richtigen Trick, soll dies noch einmal gelingen. Unterstützung bekommen die beiden Ganoven von der Sekretärin ihres Opfers, der verführerischen Evvie Stone. Auch die träumt ihren Traum. Und trotz aller Erfahrung lässt sich Hayden auf eine Affäre ein. Klar, dass selbst mit einem todsicheren Ding doch etwas schief gehen kann. Tödlich schief gehen kann …
Kommentar:
Ein weiterer früher Block, in dem sich alles um einen Schwindel mit kanadischem Grundbesitz dreht. Eine ruhige, detailgetreue Betrachtung der großes Betrugs. Keine dreckige Noir-Geschichte, eher etwas mit Charme und Stil. Flott geschrieben, sehr unterhaltsam.




Abzocker (Die Mörderlady)
Originaltitel: Grifter's Game, 1961
205 Seiten
Roman
Hard Case Crime
Inhalt:
Der Gauner Joe Marlin verdient sein Geld damit, reiche Frauen abzuzocken. Als seine Masche einmal jedoch nicht so ganz greifen will, muss er sich kurzerhand aus seinem Hotel absetzen und die Stadt wechseln. Ohne Kohle und Klamotten, greift er sich einen Satz Koffer am Bahnhof und checkt ins nächste Hotel ein. Da stellt er zu seiner Überraschung fest, dass neben ein paar passenden Schuhen auch noch ein Kästchen mit reinem Heroin im gestohlenen Gepäck sind. Sieht so aus, als würde deren Besitzer dick im Drogenhandel mitmischen.
Vielleicht ist das endlich der Wendepunkt in Marlins Leben. Das große Geld. Gebrauchen könnte er es, denn der atemberaubenden Mona Brassard genügen Lieben und Sex allein nicht. Sehr praktisch, dass ihr Gatte der Besitzer des Heroins ist. Noch besser, wenn der alte Brassard tot wäre …
Joe muss sich entscheiden, ob er ewig kleine Gaunereien durchziehen, oder durch einen Mord an viel Asche und eine schöne Frau kommen will.
Kommentar:
Da ist ein guter Schuss Jim Thompson drin. Genügend, um einen an die Reihe Hard Case Crime anzufixen. Perfekter pulp-noir-Start. Eine Geschichte um Gaunereien, Sex und Mord. Kein moralischer Zeigefinger, keine Notbremse. Nur zwei Protagonisten, die in bester Noir-Manier den steinigen Pfad zum großen Geld entlang rasen. Und am Ende von ihren eigenen Dämonen gefressen werden.
Die (Noir-)Welt scheint nur gemacht für Leute wie Joe und Mona. Alle anderen darin sind entbehrlich. Hand in Hand gen Sonnenuntergang, die Kohle in den Taschen, die Waffe im Gürtel. Egal, ob einen am Ende das Glück erwartet, von dem man weiß, dass es hier gar nicht existieren kann. Es könnte ja ein kurzer Windhauch davon zu finden sein. Und wenn nicht, bleibt noch genügend Asche, um zu überleben.