

Anatomie eines Mörders
Originaltitel: Anatomy of a Killer, 1960
Stark House
160 Seiten
Roman
Inhalt
Der Profikiller Sam Jordan funktioniert wie eine Maschine - Mord ist für ihn Routine. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, nichts berührt ihn. Zwischen den Jobs ist er nur eine leere Hülle, die wartet. Bis ein Eilauftrag die gewohnten Abläufe durcheinander bringt. Der ehemalige Gangster Kemp will mit Hilfe der falschen Leute wieder ins Geschäft zurück und muss deshalb aus dem Weg geräumt werden. Für eine vorsichtige Planung bleibt keine Zeit, so dass Jordan all die Arbeit im Vorfeld des Kills selbst übernehmen muss - eine Schwachstelle in Kemps Tagesablauf finden. Um seine Routine gebracht, verliert Sam mehr und mehr den Boden unter den Füßen. Es flüchtet in die Arme einer ebenso verzweifelten Kellnerin, bei der er sich das erste Mal wie ein normaler Mensch vorkommt. Er beginnt zu träumen, wie es wäre, wie all die anderen Menschen zu leben. Doch davor steht ein kaltblütiger Mord. Und in Jordans Gemütszustand käme es einem Wunder gleich, wenn der glatt gehen würde.
Kommentar
Viel besser kann es nicht werden. Eine schnörkellose Noir-Story, von Anfang an verdammte Charaktere in einem Mikrokosmos aus Einsamkeit, Gewalt und Tod. Die paar zarten Träume zersplittern unter Kugeln, die vorsichtigen Emotionen machen alles nur noch schlimmer. Rabes beste Szene ist das Zusammensein zwischen Jordan und der naiven Betty in ihrem schäbigen Zimmer. Ein Aneinanderklammern zweier verlorener Seelen, die ein bisschen Wärme vor dem unausweichlichen Ende suchen. Shit - das ist verdammt großartig.


A Shroud for Jesso
Originaltitel: A Shroud for Jesso, 1955
Stark House
140 Seiten
Roman
Inhalt
Jack Jesso ist ein Gangster alter Schule - seine Geschäfte regelt er mit Fäusten und Kugeln. Doch die Zeiten ändern sich, und dem Syndikat sind seine Methoden ein Dorn im Auge. Die alten Knalleffekte passen nicht mehr zur neuen Geschäftsmäßigkeit. Doch Jesso schaltet auf stur. Bleibt dem Syndikat nichts anderes übrig, als ihn ans Messer zu liefern. Als Jesso bei einem Job patzt, soll er kurzerhand auf hoher See entsorgt werden. Doch eine kleine Informationen rettet ihm das Leben und lässt ihn plötzlich in ganz neuen kreisen ums große Geld spielen - in den Reihen internationaler Spionageringe. In Deutschland schließlich findet er auch noch die Liebe seines Lebens, mit der er sich samt viel Kohle absetzen will. Doch selbst ein harter Knochen wie Jesso muss irgendwann lernen, dass allein mit Sturheit kein Krieg zu gewinnen ist. Höchstens der Galgen …
Kommentar
Etwas langatmige und verworrene Mischung aus Gangstergeschichte und Spionageroman. So richtig warm wird man weder mit Jesso, noch mit den anderen Figuren. Rabe malt ein bisschen aus seiner europäischen Vergangenheit und setzt einen schwarzen Schlusspunkt, aber im Vergleich zu Anatomy of a Killer bleibt die Story ziemlich blass.


Blood on the Desert
Originaltitel: Blood on the Desert, 1958
Stark House
156 Seiten
Roman
Inhalt
Anthony Wheeler wollte den Job nicht, den ihm Major Pitt vom britischen Geheimdienst angeboten hat - nach Nordafrika zu reisen, um den plötzlichen Frieden zwischen drei arabischen Stammesoberhäuptern zu untersuchen. Denn dort unten gibt es genügend Öl, um das Interesse der Großmächte zu wecken. Eigenständigkeit und Einheit der Stämme sind das letzte, was man dort unten will. Aber schließlich lässt sich Tony doch darauf ein und reist in die Region Kaden. Und dort sind es nicht wenige alte Freundschaften aus seiner Agentenlaufbahn, die aus der Angelegenheit ein persönliches Problem machen: die hübsche Deutsche Brigitte auf der einen, und sein alter Mentor Fairchild auf der anderen Seite. Nicht lange, und Wheeler hat einen Mord, die Polizei und feindliche Agenten auf den Fersen. Ganz zu schweigend davon, dass ihm die Zeit wie Wüstensand durch die Finger rinnt.
Kommentar
Klassische Pulp-Spionagegeschichte - ein dramatische Auftrag, orientalisches Setting, hübsche Frauen und tödliche Intrigen. Nicht ganz so rasant wie ein Bond, nicht ganz ein Ambler. Erst gegen Ende mit etwas Noir. Aber als Opener vor A House in Naples gut.
Der Stark House-Doppelband kommt mit drei kurzen Essays über Peter Rabe daher - einer Einführung von Ed Gorman und Bill Crider, Noir und Gestalt: the Life of Peter Rabe von George Tuttle und einer Betrachtung von keinem Geringeren als Donald E. Westlake.


A House in Naples
Orginialtitel: A House in Naples, 1956
Stark House
123 Seiten
Roman
Inhalt
Der Gangster Charley betreibt mit seinem Kumpel Joe Lenken einen blühenden Schwarzmarkthandel im idyllischen Neapel - zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg vertickten die beiden Alkohol und Medikamente. Das Geschäft läuft gut, bis Charley bei einem Transport von der Polizei gestellt und angeschossen wird. Ihm gelingt die Flucht, doch ohne gültigen Pass kann er sich nun nicht mehr frei bewegen. Den hat Lenken bereits für sich besorgt und sieht nun genüsslich zu, wie Charley das Wasser bis zum Halse steht. Denn Freunde sind die beiden Deserteure keineswegs.
In einem verzweifelten Versuch macht sich Charley nach Rom auf, um dort an gefälschte Papiere zu kommen. Das Schicksal spielt ihm die Identität eines ermordeten Alkoholikers zu, dessen Leiche er vorher jedoch entsorgen muss. Der Tiber ist da genau das richtige Grab. Nur wird er dabei beobachtet, von der schönen, aber geheimnisvollen Martha. Sie verrät ihn nicht, sondern nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Beide sind sie verlorene Seelen, die einander gefunden zu haben scheinen. Wären da nicht das Misstrauen und der hinterhältige Joe Lenken.
Kommentar
Noir muss nicht zwangsläufig in den Staaten spielen. Auch das friedliche Neapel kann die Bühne für einen Roman noir erste Güte liefern. Die Dreiecksbeziehung zweier alternder Gangster und einer schweigsamen Schönen, denen das Misstrauen im Blut liegt. Charley, anachronistisch in seinen beinahe romantischen Vorstellungen von Geschäften und Beziehungen. Joe, gierig, abgebrüht und sexbesessen. Und Martha, die für ihren Charley durch die Hölle gehen würde. Sie sind vom Schicksal aneinandergekettet. Geradeswegs auf dem Weg in den Untergang. Liebe und Tot liegen dicht beisammen. Wo kein reines Vertrauen sein kann, warten am Ende der schmerzhafte Verlust und die Einsamkeit. Geld, Gewalt und Sex sind ihre einzigen Mittel, sich auszudrücken.

Das tödliche Telefon
Originaltitel: The Out is Death, 1957
Bastei Taschenbuch
142 Seiten
Roman
Inhalt
Der alte Abe Dalton, schwer krank und gerade aus dem Gefängnis entlassen, wünscht sich nichts sehnlicher, als seinen Lebensabend in Ruhe in seiner alten Heimat zu verbringen. Doch der Gangster Corday will ihn für einen letzten Coup einspannen. Abe weigert sich und so droht Corday, ihn in den Knast zurück zu befördern. In seiner Verzweiflung wendet sich Abe an seinen alten Freund Daniel Port. Aber alles gute Zureden hilft nichts, der Coup soll steigen. Port inszeniert einen Bluff um Dalton zu retten ... mit blutigen Folgen.
Textauszug:
Das Big Apple war ein primitiver Strip-Schuppen. Was die Serviermädchen an Kleidung sparten, schlug der Besitzer auf die Preise auf. Die Tanzfläche wirkte wie ein Boxring, der anstatt von Seilen von Zierpflanzen in großen Holzkübeln abgegrenzt wurde.
Kommentar
Eine annehmbare Gangstergeschichte, der aber eine überzeugende Handlung und eindringliche Charaktere fehlen (sieht man von der tragischen Figur der Prostituierten Letty ab).

Die deutsche 73er Ausgabe besticht vor allem durch ihr sehr gelungenes Artwork auf dem Cover, den dämlichen Buchtitel und - als kleiner Leckerbissen - eine Werbeanzeige für einen Partner-Computer-Groß-Test: Sie liefern die Liebe - wir den Partner. (Um in den Genuss dieses literaturgeschichtlichen Highlights zu kommen, einfach das Bild des Fragebogens anklicken - man beachte den Wesenstest!)