

Hundert Dollar Baby
Originaltitel: Hundred-Dollar Baby, 2006
Pendragon Verlag
200 Seiten, Paperback
Roman
Inhalt
In Spensers Büro taucht eine junge Frau auf, die er erst im zweiten Hinsehen wiedererkennt - das Mädchen April Kyle, dem er vor Jahren einmal geholfen hat. Aus ihr ist mittlerweile eine Edelhure geworden, die ein diskretes Bordell in der Stadt betreibt. Und genau mit dem gibt es Probleme - eher gesagt mit ein paar üblen Schlägern, die sie erpressen wollen. Klar, dass Spenser und sein tougher Kumpel Hawk den hübschen Damen beistehen und erst einmal aufräumen. Doch auf der Suche nach den Hintermännern müssen sie schnell erkennen, dass hier verdammt nichts ist, wie es scheint. April klammert sich verzweifelt an ihren Traum von Unabhängigkeit mit einer exklusiven Bordellkette, einer ihrer ehemaligen Liebhaber will jedoch genauso mitmischen wie ein Mafiaclan. Die erste Leiche wird folglich nicht lange auf sich warten lassen. Und Spenser hat einen schweren Stand, der Retter in der Not zu sein.
Kommentar
Spenser, seine ständig analysierende Freundin Susan und sein Kumpel Hawk sind Dreh- und Angelpunkt der Romane. In fließenden, knackigen Dialogen kommentieren sie den Fall, nicht selten mit Pointen im Stakkato. In Hundert Dollar Baby ist es zudem noch Spensers Rette-Frauen-in-Not-Komplex, der die Geschichte vorantreibt. Die ist so wohl kalkuliert wie ein 32er-Geschoss - durchschlagskräftig, schnell, ohne zu brachial zu erscheinen.
Fazit
Spenser gut, alles gut.


Der stille Schüler
Originaltitel: School Days, 2005
Pendragon Verlag
224 Seiten, Paperback
Roman
Inhalt:
Der Privatdetektiv Spenser wird von Lily Ellsworth angeheuert, die Unschuld ihres 17-jährigen Enkelsohnes Jared Clark zu beweisen. Ihm wird zur Last gelegt, gemeinsam mit seinem Mitschüler Wendell Grant fünf Schüler, den stellvertretenden Dekan und eine Spanischlehrerin erschossen und weitere Personen von der Dowling Privatschule verletzt zu haben, bevor sich die beiden mit Geiseln in der Bibliothek verbarrikadierten. Einer Spezialeinheit der Polizei gelingt es zwar die Geiselnahme zu beenden, aber nur einer der Täter, Wendell Grant, kann gefasst werden. Grant gibt Jared Clark als Mittäter an, der schließlich ein Geständnis ablegt. Der Fall scheint abgeschlossen. Die beiden Täter warten im Gefängnis nur noch auf ihre Verurteilung. Nach ersten Befragungen ist Spenser zunächst selbst von der Schuld Jared Clarks überzeugt. Neugierig macht ihn allein das allgemeine Desinteresse an den Hintergründen der Tat. Die Polizei, die Schulleitung, aber auch Jareds Eltern scheinen die Ereignisse vor allem möglichst schnell hinter sich lassen zu wollen. Spenser hingegen lässt die Frage nach dem Motiv nicht mehr los. Gerade weil er von allen Seiten auf Widerstand stößt, ermittelt er weiter und entdeckt, dass der Fall des stillen Schülers noch längst nicht zu den Akten gelegt werden kann.


Die blonde Witwe
Originaltitel: Widow's Walk, 2002
Pendragon Verlag
224 Seiten, Paperback
Roman
Inhalt:
Der Bankier Nathan Smith wird eines Abends tot in seinem Bett aufgefunden. Von der Tatwaffe fehlt jede Spur und alles spricht dafür, dass seine junge Frau Mary den Finger am Abzug hatte. Dank Nathans Millionen kann sie sich an ein renommiertes Anwaltsbüro wenden. Doch selbst ihre Anwältin zweifelt an der Unschuld der blonden Witwe und engagiert den Privatdetektiv Spenser, um den Fall aufzuklären. Spenser hat zunächst keine heiße Spur, bis plötzlich eine Frau, die bei Nathan Smiths Bank entlassen wurde, tot aufgefunden wird. Er stößt bei seinen weiteren Ermittlungen auf ein bislang gut gehütetes Geheimnis in Marys Vergangenheit.
Kommentar:
Auch wenn Parker offiziell in der Tradition Chandlers steht (er vervollständigte mit Erlaubnis von Chandlers Nachlassverwalter das Fragment Poodle Springs und schrieb mit Perchance to Dream eine Fortsetzung von The Big Sleep), ist ein Spenser kein Marlowe. In Parkers Roman findet man wenig vom Romancier Chandler: keine sanfte Melancholie, kein traumhaftes Kalifornien, keinen unverrückbaren Einzelgänger. Dafür knappe Beschreibungen, einen auf das Wesentliche reduzierter Schreibstil und dauerhafte Nebenfiguren – Susan Silverman und Freund Hawks. Das wirklich Einnehmende sind dabei die Dialoge – Parker ballert die Pointen nur so raus. Das ist kein Realismus wie bei Hammett, keine unterschwellige Subversion wie bei Chandler, sondern eine lakonische Achterbahnfahrt, die einen durch das Buch jagt.
"Rufen wir die Bullen?", fragte Hawk.
"Müssen wir wohl."
"Wir könnten die Tür zumachen und abhauen."
"Sind deine Fingerabdrücke im Polizeicomputer?", fragte ich.
"Klar", sagte Hawk.
"Meine auch."
"Also ruf sie an", sagte Hawk.
Die Nebenfiguren sind es, die in Dialogen und Handlungen Spenser stärker in die Welt einbinden als seine Detektivkollegen - Hammetts namenloser Ermittler (Spenser tritt ohne Vornamen auf) hatte wenigstens noch seine Continentals Detective Agency. Wenn schon keine freundschaftlichen / emotionalen Kontakte, immerhin ein Strang, der ihn hält bzw. an dem er sich festhalten könnte. Der ist bei Marlowe schließlich komplett gekappt, Chandlers Held lebt ohne Nabelschnur und somit ohne wirkliche Bindung ans Leben. Eine verlorene Gestalt, mehr und mehr tragisch, für die es keinen Hoffnungsschimmer in einer verkommenen Welt gibt - Freunde, Liebschaften, sie bleiben blass und tendieren meist dazu, den Helden der Realität, für die er so verbissen kämpft, weiter zu entfremden.
So schlägt Parker mit seinem Spenser-Universum einen Bogen zurück - sein Protagonist ist zwar ebenfalls ein Einzelgänger, aber Liebe und Freundschaft verankern ihn wieder im Leben. Er hat etwas Greifbares, für das er eintreten kann.