Ross Macdonald

Name: Kenneth Millar
Geboren: 13.09.1915
Gestorben: 11.07.1983
Berufe: Schriftsteller, Dozent
Pseudonyme: Ross Macdonald, John Macdonald, John Ross Macdonald

Macdonald

Millar wurde in Los Gatos, Kalifornien, geboren, verbrachte die ersten Lebensjahre in Kanada, nach der Trennung seiner Eltern schließlich bei verschiedenen Verwandten und in Internaten. Er besuchte die Kitchener-Waterloo Collegiate and Vocational School, um später an der University of Western Ontario zu studieren.
Nach dem seiner Mutter 1935 ging er ein Jahr nach Europa.
1938 heiratete er Margaret Sturm, besser bekannt als Margaret Millar.
Er war Dozent an der University von Michigan, wo er 1951 seinen Abschluss machte, und von 1944-1946 in der US Naval Reserve.
1944 erschien sein erster Roman THE DARK TUNNEL, darauf TROUBLE FOLLOWS ME (1946) und der erste Lew Archer-Roman THE MOVING TARGET (1949).
1956 ging die Familie nach San Francisco.
Es kam zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden schreibenden Eheleuten, unter denen ihre Tochter Linda litt, die in Alkoholabhängigkeit geriet und schließlich Suizid beging.
Millar unterzog sich einer psychoanalytischen Behandlung.
In den 60er Jahren engagierte sich das Ehepaar Millar verstärkt für den Umweltschutz.
Er verfasste weitere Bücher, u.a. seine Autobiographie SELF-PORTRAIT (1981).
Kenneth Millar starb am 11.07.1983 an Alzheimer.


The Wycherly Woman

Die wahre Mrs. Wycherly

Originaltitel: The Wycherly Woman, 1961

Vintage Crime
288 Seiten
Roman

Inhalt:

Phoebe Wycherly wird seit zwei Monaten vermisst. Jung, schön und reich, stellt ihr Verschwinden den idealen Fall für Lew Archer da. Angeheuert von ihrem Vater Homer, macht sich der Privatdetektiv daran, die Spur der Frau aufzunehmen. Doch das entpuppt sich als problematisch. Phoebe ist wie vom Erdboden verschluckt und die einzige, die sie zuletzt gesehen hat, ist ihre Mutter Catherine. Die allerdings liegt in heftigem Streit mit dem Rest der Familie und niemand möchte, dass Archer mit ihr spricht. Als er Catherine endlich aufgespürt hat, dauert es nicht lange, bis die erste Leiche auftaucht. Die Wycherly-Damen ziehen noch mehr davon nach sich, während Lew damit beschäftigt ist, ein bedrückendes Gewirr aus Familiengeheimnissen, Erpressung und Mord aufzudecken.


Kommentar:

The Wycherly Women zeigt die Distanz zwischen Hard-boiled-Literatur und klassischer Krimi-Kost. Während sich die verworrene Geschichte aus Erpressung und Mord langsam entfaltet und schließlich auflöst, offenbaren sich die Abgründe der Protagonisten. Es geht nicht so sehr um das Aha-Erlebnis bei der Auflösung. Nicht darum, wie perfekt ein Verbrechen geplant und ausgeführt wurde. Sondern um das typisch Menschliche im Menschen. Darum, was Schuld und Sühne bedeuten. Darum, wie sich Moral und Zivilisation auflösen im Schatten von Korruption und Gier. Wie sich die Schlechtigkeit (=Menschlichkeit?) in jedem durchsetzen kann, wenn nur die Umstände entsprechend sind. Wie jede Handlung irgendwann ihren Tribut fordert. Auch lange begrabene Familiengeheimnisse (ein zentrales Thema in MacDonalds Romanen).

Die kleinen und die großen Gauner sind nicht viel schlechter oder besser als die Herrschaften der feinen Gesellschaft. Sie alle erliegen früher oder später ihren Schwächen, verlieren ihre Unschuld (oder geben sie auf). Zu was sie dabei fähig sind, bedarf keiner überzogenen Psychopathen a la Hannibal Lector oder kriminalistischer Genies a la Professor Moriarty. Mord und Totschlag sind hier kein Spiel für die gehobene Gesellschaft, kein Fahndungserfolg für das FBI. Es ist die mühsame Fußarbeit eines Arbeiters wie Lew Archer, der durch diesen öligen Schlick waten muss. Immer Gefahr laufend, in der dreckigen Brühe des Lebens von etwas gebissen und infiziert zu werden. Ein bisschen von dem Schmutz bleibt jedoch immer haften - so war es bei Hammett, so war es bei Chandler und so auch bei MacDonald. Er schlägt sich auf den Schultern nieder, kriecht in die Gedanken und verwischt den Glanz in den Augen. Aber, auch da zeigt sich die Menschlichkeit, ein Lew Archer gibt niemals auf.



Black Money

Schwarzes Geld

Originaltitel: Black Money, 1965

Vintage Crime
238 Seiten
Roman

Inhalt:

Das beschauliche Montevista mit Blick auf den Pazifischen Ozean ist Wohn- und Urlaubsstätte für die Reichen und Schönen. Als Privatdetektiv Lew Archer sich mit seinem neuen Klienten, dem reichen Müßiggänger Peter Jamieson, in einem exklusiven Tennisclub trifft, ahnt er bereits, dass in diesem Örtchen ganz eigene Gesetze herrschen - die von Macht und Geld. So ist es nicht ganz einfach, etwas über einen französischen Flüchtling zu erfahren, der sich mit einer Stange Geld Jamiesons Verlobte, die hübsche Ginny, geangelt hat. Das Mädchen scheint von dem Mann namens Martel geradezu besessen zu sein, bereit, mit ihm alles stehen und liegen zu lassen, um ein neues Leben anzufangen. Die Zeit arbeitet also gegen Archer, der Mühe, hat, den Hintergrund des Franzosen zu beleuchten. Denn zum einen sind die Bewohner der Küstenstadt sehr diskret im Umgang mit ihren Gästen, zum anderen streuen sie lieber eigene Gerüchte in die Welt. Schnell wird jedoch klar, dass Martel ein harter Hund ist, der auch vor Waffen nicht zurückschreckt. Zudem stolpern Lew diverse andere Personen in den Weg, die alle etwas von Martel wollen - ein Amateurdetektiv und seine Exfrau, Ginnys Mutter, ein missmutiger Arzt, ein skrupelloser Spieler und ein tragischer Selbstmord. Wie immer brodelt es unter der teuren Fassade der feinen (und nicht so feinen) Gesellschaft.


Kommentar:

Ein sehr guter und düsterer Lew Archer-Band - MacDonalds starke Seite ist die Psychologie seiner Figuren. Sein Universum ist voll von Verschrobenen und Besessenen. Ihre Obsessionen zeigen sich im Großen - in Mord und Erpressung, vor allem aber im Kleinen - Habgier, Fress- und Spielsucht, Alkoholismus. Jeder ihrer Träume ist unter der blendenden Sonne Montevistas irgendwann korrumpiert worden - das ist nur noch eine dunkle Ahnung von Unschuld. Und ein jeder droht unter der Last zusammenzubrechen - sei es der verlorene Traum, an den sich verbissen geklammert wird. Das Leben in trügerischen Erinnerungen oder einer unerreichbaren Zukunft. Sie alle haben verloren, sind verlassen worden und haben verlassen. Sie beleidigen, verletzen und lügen. Und umkreisen den Privatdetektiv, der eine stoische Ruhe an den Tag legen muss, um sich all den Seelenmüll anzuhören. Aber das ist sein Job. Und die Bruchstücke aus Selbstmitleid und Selbstbetrug zusammenzuklauben und ein paar dreckige Geheimnisse zu rekonstruieren, deren Lösung niemandem mehr hilft und deren Erledigung selbst die erfahrene Gerechtigkeit bitter schmecken lässt. Denn am Leben der Menschen ändert sich kaum etwas.

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Deutscher Titel Originaltitel Jahr
- The Dark Tunnel (I die slowly) 1944
- Trouble Follows Me (Night Train) 1946
Blue City (Wettlauf mit dem Gestern) Blue City 1947
Der Mörder im Spiegel (Schwarze Vergangenheit) The Three Roads 1948
Reiche sterben auch nicht anders (Das wandernde Ziel) The Moving Target 1949
Unter Wasser stirbt man nicht (Kein Öl für Mrs. Slocum / Wer zögert ist verloren) The Drowning Pool 1950
Tote ertrinken nicht (Freut mich, Sie kennenzulernen, Mr. Archer) The Way Some People Die 1951
Ein Grinsen aus Elfenbein (Bis auf die Knochen / Nichts als ein Skelett) The Ivory Grin 1952
Triff mich in der Leichenhalle (Der Koffer unter dem Bett) Meet Me At The Morgue 1953
Anderer Leute Leichen (Opfer gesucht) Find A Victim 1954
Die Küste der Barbaren (Sprungbrett ins Nichts) The Barbarous Coast 1956
Sanftes Unheil (Schuldkonto der Vergangenheit) The Doomsters 1958
Der Fall Galton (Ein schwarzes Schaf verschwindet) The Galton Case 1959
Akte Ferguson The Ferguson Affair 1960
Die wahre Mrs. Wycherly The Wycherly Woman 1961
Camping im Leichenwagen The Zebra Striped Hearse 1962
Gänsehaut The Chill 1964
Die Kehrseite des Dollars The Far Side of the Dollar 1965
Schwarzes Geld (Geld zahlt nicht alles) Black Money 1966
Durchgebrannt The Instant Enemy 1968
Geld kostet zuviel The Goodbye Look 1969
Der Untergrundmann The Underground Man 1971
Dornröschen war ein schönes Kind Sleeping Beauty 1973
- On Crime Writing 1973
Der blaue Hammer The Blue Hammer 1976
- Self-Portrait: Ceaselessly Into the Past 1981

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