

Alles in einer Nacht
Originaltitel: The Ice Harvest, 2000
Knaur Verlag
256 Seiten
Roman
Inhalt:
Weihnachten in Wichita, Kansas: Es ist bitterkalt, und es schneit. Dem Anwalt Charlie Arglist bleiben noch neun Stunden, bis er mit einem großen Batzen Geld die Stadt verlassen kann. Kohle, die seinem Boss gehört und die er zusammen mit seinem Kumpel Vic abgezweigt hat. Also schlägt er die Zeit in StripClubs tot, fährt durch die verschneite Landschaft und wartet auf den nächsten Morgen.
Doch bis der kommt, muss Charlie erkennen, dass sein Coup aus dem Ruder gerät. Das Weihnachtsfest verliert an Beschaulichkeit und Blut färbt den frischen Schnee.
Kommentar:
Scott Phillips fährt den ersten Teil seiner Wichita-Geschichten auf. Eine deprimierende Weihnachtserzählung mit abgehalfterten, schrägen Figuren in einem verschneiten Universum. Santa Claus macht Urlaub und die Engel der Erlösung vertreiben sich die Zeit im Massagesalon, während die Protagonisten unweigerlich über das Eis schlittern. Geradewegs gegen einen Baum bzw. in diesem Fall in einen zugefrorenen See.
Das alles in flottem Ton, so dass die Seiten einem förmlich in den Händen zerrinnen. Und mit einem Ende, dass seinem Der Irrgänger den Weg freischaufelt. Etwas fade nur, dass man sich ohne viel Federlesens von Arglist verabschieden muss, nachdem man ihn auf 200 Seiten begleitet hat. Das macht Alles in einer Nacht etwas unbefriedigend.
Und irgendwie erinnert das ganze Setting und der blutige Humor doch sehr stark an ... Fargo von den Coen-Brüdern. Schnee, noch mehr Schnee und ausartende Gewalt.
2005 gab es eine Verfilmung des Romans unter der Regie von Harold Ramis - in den Hauptrollen John Cusack und Billy Bob Thornton.


Der Irrgänger
Originaltitel: The Walkaway, 2002
Knaur Verlag
428 Seiten
Roman
Inhalt:
Gunther Fahnstiel, 77 Jahre alt, ein ehemaliger Cop, dessen Gedächtnis von Alzheimer schon ziemlich zersiebt ist, entflieht seinen Pflegern und irrt durch Wichita, Kansas. Seine Mission: Er will die 250.000 Dollar finden, die er schon vor Jahren verprasst hat. Weil der Wirrkopf Antworten auf ein paar Fragen ausplappern könnte, die man lieber nicht stellen sollte, setzen seine Frau und sein Stiefsohn eine hohe Belohnung auf ihn aus. Dumm nur, dass Gunther unterwegs der Tochter einer alten Flamme aus den Fünfzigern über den Weg läuft und dunkle Erinnerungen sich ihren Weg bahnen ...
Kommentar:
Kein Schnee, diesmal, sondern eine brütende Hitze, die den Protagonisten Schweiß und Seele aus dem Leib brennt. Ein Fiebertraum, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart mischen, während der leicht senile Gunther einem längst aufgebrauchten Traum nachjagt.
Im Gegensatz zum Erstling Alles in einer Nacht, verlässt Phillips in dieser - im weitesten Sinne - Fortsetzung die ausgetretenen Pfade eines chronologischen Handlungsablaufs. Er springt zwischen etlichen Figuren hin und her, verknüpft ihr Schicksal miteinander oder offenbart nach und nach, welche (schmutzigen) Geheimnisse sie aneinander binden. Allem voran das Jahr 1952, als der Soldat Wayne Ogden in seine Heimatstadt zurückkehrt, um ans große Geld zu kommen. Und dabei ist er nicht unbedingt ein netter Kerl ...
So skurril wie im ersten Teil geht es aber nicht zu. Trotz flüssiger Schreibe, plagt sich Der Irrgänger etwas damit ab, wirklich spannend zu sein. Dennoch gute Noir-Lektüre.