William P. McGivern

Name: William Peter McGivern

Geboren: 06.12.1922

Gestorben: 18.11.1982

Berufe: Soldat, Journalist, Schrifsteller, Drehbuchautor

Pseudonyme: Bill Peters

W. P. McGivern

BuchcoverWilliam P. McGivern lieferte mit seinen über zwanzig Romanen einige Vorlagen für klassische Film noirs - allen voran THE BIG HEAT (1953), verfilmt mit Glenn Ford und Gloria Grahame, und ODDS AGAINST TOMORROW (1957), mit Harry Belafonte und Robert Ryan. Ebenso für ROGUE COP (1954), SHIELD FOR MURDER (1954) und HELL ON FRISCO BAY (1956). Als Drehbuchautor arbeitete er u.a. an BRANNIGAN (1975), mit John Wayne, und den TV-Serien KOJAK und BANYON mit. Dabei bediente er das weite Feld der Thriller - Spionage, Korruption, Psychopathen, Mordfälle. Seinen Debütroman BUT DEATH RUNS FASTER legte er 1948 vor, vier Jahre später erhielt er den Edgar Allen Poe Award der Mystery Writers of America, denen er 1980 auch als Präsident vorstand.


Nach dem Ende seiner Schullaufbahn begann McGivern bereits damit, zu Schreiben. Wie bei den meisten hard-boiled Autoren üblich für Magazine (u.a. Amazing Stories und Short Stories), in denen er ab 1940 veröffentlichte. Von 1943 bis 1946 trat er dem Militär bei und erhielt die Soldier's Medal für heroischen Einsatz, nachdem er Kameraden aus einem zerbombten Tankwagen rettete. Nach einem Studium in Birmingham, kehrte er 1946 in die USA zurück und arbeitete als Polizeireporter für den Philadelphia Bulletin, später beim Evening Bulletin. Nebenbei lehrte er Kreatives Schreiben an der Universität von North Carolina. In den 60er zog er nach Hollywood um für das TV zu schreiben. Er verstarb 1982.


Dieses Mordlust-Profil basiert auf der Vorlage von Author's Calendar.

Mit freundlicher Genehmigung von Petri Liukkonen.


Seine dunkelste Stunde

Seine dunkelste Stunde

Originaltitel: The darkest hour, 1955

Lingen Verlag
153 Seiten
Roman

Inhalt:

Steve Retnick kommt nach fünf Jahren aus Sing-Sing zurück. Fünf qualvolle Jahre, die er unschuldig hinter Gittern gesessen hat, verurteilt für den Mord an einem Gewerkschaftler. Retnick war ein Bulle, ehe man ihm den Mord untergeschoben hatte. Frisch verheiratet, zufrieden mit seinem Leben. Doch fünf Jahre Knast haben das letzte Bisschen Mitgefühl aus ihm herausgepresst. Ihm geht es nur noch um eins: Rache an den wahren Killern zu nehmen. Egal zu welchem Preis.

Also setzt er sich auf die Spur des skrupellosen Gewerkschaftsführers Nick Amato. Helfen soll ihm dabei ein Mann namens Frank Ragoni, der Beweise für Steves Unschuld hat, doch den findet man schon bald mit einem Messer im Rücken. Nicht der einzige Tote, der mit von der Partie ist. So muss Retnick einen anderen Weg finden, die Mörder in die Todeszelle zu bringen. Er holt zu einem gnadenlosen Rundumschlag aus.


Kommentar:

Sie mochte Ende der Zwanzig sein - und zu verderben war nichts mehr an ihr.

Retnick ist ein Held ... im Sinne des Noir. Ein unschuldiger, guter Cop, den widrige Umstände in eine unentrinnbare Spirale aus Gewalt ziehen, an deren Ende er beinahe alles verloren hat, vor allem aber seine moralische Unschuld. Emotionslos und kalt setzt er Menschenleben aufs Spiel, wird zum kaltherzigen Rächer, der in seiner Besessenheit auch die Liebe und Freundschaft seiner letzten Vertrauten abtötet.

An McGiverns Roman ist kaum Fett - eine gradlinige Erzählung, die einen trostlosen Mikrokosmos erleuchtet, in dem die Protagonisten einsam dahin treiben, sich kurz berühren, um in Schmerzen und Hass wieder auseinanderzudriften. Regen und Kälte, die Einsamkeit der Docks, heruntergekommene Kneipen. Mafiosi, korrupte Bullen, Nutten, Schläger, stoische Hafenarbeiter und der alexithymische Retnick.



Ein Mann allein

Ein Mann allein

Originaltitel: The Big Heat, 1953

Lingen Verlag
? Seiten
Roman

Inhalt:

Heimlich bei Nacht und Nebel waren sie gekommen. Wie eine schleichende Pest hatten sich die Gangster in die Stadt eingefressen, aber jetzt hatten sie die Menschen dieser Stadt fest in den Krallen, hatten ihre gedungenen Helfershelfer in allen Schlüsselstellungensitzen, und die Mächtigen unter ihnen lebten in Prunkvillen, gaben sich als Biedermänner und ließen Richter und Staatsanwälte an ihren Fäden zappeln wie Marionetten.

Bis sich Polizeisergeant Dave Bannion einmischte. Der Selbstmord eines Kollegen war der Anfang, ein Mordanschlag auf Bannion das Zwischenspiel, der Tod seiner Frau der Auslöser und die Rache an den Gangstern das Finale. Er schlägt gnadenlos zurück.


Kommentar:

McGivern lieferte nicht nur die Vorlage für Fritz Langs The Big Heat aus dem Jahr 1953, sondern auch einen harten Roman um einen ehemaligen Bullen außerhalb von Recht und Gesetz. Wieder eine Figur, die nichts zu verlieren hat und dementsprechend hart gegen seine Widersacher vorgeht. Film und Buch waren vor allem berüchtig für die Brutalität des Gangsters Max Stone, der seiner Geliebten in einem Anfall von Wut das Gesicht mit kochendheißem Kaffee entstellt.


Von Angst gepeitscht

Originaltitel: Odds against tomorrow, 1957

Lingen Verlag
? Seiten
Roman

Inhalt:

In der Bank der Kleinstadt Crossroads liegen $200.000, Freitagsabends sind nur die Angestellten und ein alter Wachmann vorort. Eine sichere Sache. Unter der Führung des Verbechers Novak finden der raubeinige Texaner Earle Slater, der Ex-Cop Burke und der Spieler Ingram zusammen, um die Bank zu überfallen. Der Plan ist simpel und wasserdicht. Einziger Schwachpunkt ist Earles Einstellung dem Farbigen Ingram gegenüber. Alter Südstaatenhass. Aber die Gier ist groß genug, um darüber hinwegzusehen. Der Überfall wird durchgezogen, aber nichts läuft wie geplant. Earle wird schwer verwundet und flieht mit Hilfe von Ingram. Die Flucht schweißt die beiden ungleichen Männer zusammen.


Kommentar:

McGivern liefert eine schnelle Gangstergeschichte ganz im Sinne eines W.R. Burnett. Der zähe, mürrische Protagonist, dessen Name wohl nicht umsonst an Roy Earle aus High Sierra erinnert, ein Kriegsheld, der im Zivilleben nichts zustande bringt und sich von seiner einnehmenden Freundin aushalten läßt. An seiner Seite der Spieler Ingram, den eine ganze Ladung Pech immer Tiefer in das blutige Geschehen zieht. Der schwelende Konflikt zwischen den beiden Männern, der Kampf zwischen Vertrauen und Misstrauen, eingepfercht in einer ausweglosen Situation, der Stärkere abhängig vom Schwächeren.

McGiverns Charakteren ist kein Glück beschieden, sie sind von Anfang an hoffungslose Gestalten, die sich verbissen ans Leben klammern und in ihrer Tragik das Wesentliche ihrer Existenz erkennen - Ehre und Freundschaft, am Ende sogar stärker als Liebe und Freiheit.


Mordlust-Notiz:

Diese Rezensionen basieren auf einem Sammelband mit drei Stories von McGivern (Seine dunkelste Stunde, Ein Mann allein und Von Angst gepeitscht), erschienen im Lingen Verlag. Leider recht schlecht lektoriert, zudem ohne ISBN, aber gegebenenfalls ein Schnäppchen bei:

Deutscher Titel Originaltitel Jahr
Der sprechende Leichnam But death runs faster (The Whispering Corpse) 1948
Mord nach acht Uhr eins Heaven ran last 1949
- Very cold for May 1950
Schonzeit für den Mörder (Der Cop) Shield for murder 1951
Blonde Mädchen sterben früher Blondes die young 1952
Mord im Pressehaus (Die schwarze Wespe) The crooked Frame 1952
Ein Mann allein The Big Heat 1953
- Margin of terror 1953
Der falsche Weg Rogue Cop 1954
Seine dunkelste Stunde The darkest hour (Waterfront Cop) 1955
Wo ist dein Bruder, Kain? The Seven File (Chicago-7) 1956
Story einer Nacht Night extra 1956
- Odds against tomorrow 1957
- Mention my name in Mombasa 1958
Wenn die Bürger schlafen (Strasse der Gewalt) Savage Streets 1959
- Seven lies south 1960
- Killer on the turnpike 1961
- The road to snail 1961
- A pride of place 1962
- A choice of assassins 1963
Der goldene Coup (Die Bankräuberbande) The caper of the golden bulls 1966
- Lie down, I want to talk to you 1967
Die Entführung des Ministers Caprifoil 1972
- Reprisal 1973
Dunkle Nächte Night of the juggler 1975
- The seeing 1980
- Summitt 1982
- War games 1984
- A matter of honor (beendet von Maureen Daly) 1984