

Seine dunkelste Stunde
Originaltitel: The darkest hour, 1955
Lingen Verlag
153 Seiten
Roman
Inhalt:
Steve Retnick kommt nach fünf Jahren aus Sing-Sing zurück. Fünf qualvolle Jahre, die er unschuldig hinter Gittern gesessen hat, verurteilt für den Mord an einem Gewerkschaftler. Retnick war ein Bulle, ehe man ihm den Mord untergeschoben hatte. Frisch verheiratet, zufrieden mit seinem Leben. Doch fünf Jahre Knast haben das letzte Bisschen Mitgefühl aus ihm herausgepresst. Ihm geht es nur noch um eins: Rache an den wahren Killern zu nehmen. Egal zu welchem Preis.
Also setzt er sich auf die Spur des skrupellosen Gewerkschaftsführers Nick Amato. Helfen soll ihm dabei ein Mann namens Frank Ragoni, der Beweise für Steves Unschuld hat, doch den findet man schon bald mit einem Messer im Rücken. Nicht der einzige Tote, der mit von der Partie ist. So muss Retnick einen anderen Weg finden, die Mörder in die Todeszelle zu bringen. Er holt zu einem gnadenlosen Rundumschlag aus.
Kommentar:
Sie mochte Ende der Zwanzig sein - und zu verderben war nichts mehr an ihr.
Retnick ist ein Held ... im Sinne des Noir. Ein unschuldiger, guter Cop, den widrige Umstände in eine unentrinnbare Spirale aus Gewalt ziehen, an deren Ende er beinahe alles verloren hat, vor allem aber seine moralische Unschuld. Emotionslos und kalt setzt er Menschenleben aufs Spiel, wird zum kaltherzigen Rächer, der in seiner Besessenheit auch die Liebe und Freundschaft seiner letzten Vertrauten abtötet.
An McGiverns Roman ist kaum Fett - eine gradlinige Erzählung, die einen trostlosen Mikrokosmos erleuchtet, in dem die Protagonisten einsam dahin treiben, sich kurz berühren, um in Schmerzen und Hass wieder auseinanderzudriften. Regen und Kälte, die Einsamkeit der Docks, heruntergekommene Kneipen. Mafiosi, korrupte Bullen, Nutten, Schläger, stoische Hafenarbeiter und der alexithymische Retnick.


Ein Mann allein
Originaltitel: The Big Heat, 1953
Lingen Verlag
? Seiten
Roman
Inhalt:
Heimlich bei Nacht und Nebel waren sie gekommen. Wie eine schleichende Pest hatten sich die Gangster in die Stadt eingefressen, aber jetzt hatten sie die Menschen dieser Stadt fest in den Krallen, hatten ihre gedungenen Helfershelfer in allen Schlüsselstellungensitzen, und die Mächtigen unter ihnen lebten in Prunkvillen, gaben sich als Biedermänner und ließen Richter und Staatsanwälte an ihren Fäden zappeln wie Marionetten.
Bis sich Polizeisergeant Dave Bannion einmischte. Der Selbstmord eines Kollegen war der Anfang, ein Mordanschlag auf Bannion das Zwischenspiel, der Tod seiner Frau der Auslöser und die Rache an den Gangstern das Finale. Er schlägt gnadenlos zurück.
Kommentar:
McGivern lieferte nicht nur die Vorlage für Fritz Langs The Big Heat aus dem Jahr 1953, sondern auch einen harten Roman um einen ehemaligen Bullen außerhalb von Recht und Gesetz. Wieder eine Figur, die nichts zu verlieren hat und dementsprechend hart gegen seine Widersacher vorgeht. Film und Buch waren vor allem berüchtig für die Brutalität des Gangsters Max Stone, der seiner Geliebten in einem Anfall von Wut das Gesicht mit kochendheißem Kaffee entstellt.
Von Angst gepeitscht
Originaltitel: Odds against tomorrow, 1957
Lingen Verlag
? Seiten
Roman
Inhalt:
In der Bank der Kleinstadt Crossroads liegen $200.000, Freitagsabends sind nur die Angestellten und ein alter Wachmann vorort. Eine sichere Sache. Unter der Führung des Verbechers Novak finden der raubeinige Texaner Earle Slater, der Ex-Cop Burke und der Spieler Ingram zusammen, um die Bank zu überfallen. Der Plan ist simpel und wasserdicht. Einziger Schwachpunkt ist Earles Einstellung dem Farbigen Ingram gegenüber. Alter Südstaatenhass. Aber die Gier ist groß genug, um darüber hinwegzusehen. Der Überfall wird durchgezogen, aber nichts läuft wie geplant. Earle wird schwer verwundet und flieht mit Hilfe von Ingram. Die Flucht schweißt die beiden ungleichen Männer zusammen.
Kommentar:
McGivern liefert eine schnelle Gangstergeschichte ganz im Sinne eines W.R. Burnett. Der zähe, mürrische Protagonist, dessen Name wohl nicht umsonst an Roy Earle aus High Sierra erinnert, ein Kriegsheld, der im Zivilleben nichts zustande bringt und sich von seiner einnehmenden Freundin aushalten läßt. An seiner Seite der Spieler Ingram, den eine ganze Ladung Pech immer Tiefer in das blutige Geschehen zieht. Der schwelende Konflikt zwischen den beiden Männern, der Kampf zwischen Vertrauen und Misstrauen, eingepfercht in einer ausweglosen Situation, der Stärkere abhängig vom Schwächeren.
McGiverns Charakteren ist kein Glück beschieden, sie sind von Anfang an hoffungslose Gestalten, die sich verbissen ans Leben klammern und in ihrer Tragik das Wesentliche ihrer Existenz erkennen - Ehre und Freundschaft, am Ende sogar stärker als Liebe und Freiheit.
Mordlust-Notiz:
Diese Rezensionen basieren auf einem Sammelband mit drei Stories von McGivern (Seine dunkelste Stunde, Ein Mann allein und Von Angst gepeitscht), erschienen im Lingen Verlag. Leider recht schlecht lektoriert, zudem ohne ISBN, aber gegebenenfalls ein Schnäppchen bei:
