Bewertung

Story

80 %

Spannung

75 %

Atmosphäre

75 %

Gewaltdarstellung

70 %


Filmdaten

The Blue Dahlia (1946)

Deutscher Titel: Die blaue Dahlie

Alternative Titel & Arbeitstitel: -

Studio: Paramount

Regisseur: George Marshall

Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake, William Bendix

Drehbuch: Raymond Chandler

Musik: Victor Young

Basierend auf: -


Rezension
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Die blaue Dahlie

Inhalt

Zusammen mit seinen beiden Kameraden George und Buzz kehrt der Kriegsheld Johnny Morrison (Alan Ladd) nach Los Angeles zurück, um wieder an der Seite seiner Frau Helen (Doris Dowling) zu leben. Doch schon in der Nacht seiner Heimkehr erwartet ihn eine böse Überraschung, denn statt eines freudigen Wiedersehens findet er eine wilde Party in seinem Haus vor, auf der sich Helen dem Alkohol und dem schmierigen Nachtclubbesitzer Harwood (Howard Da Silva) hingibt. Es kommt zum Streit, in dessen Verlauf Helen zugibt, auch für den Unfalltod ihres gemeinsamen Sohnes verantwortlich gewesen zu sein. Kurz davor, seine Frau zu erschießen, flüchtet Johnny in die regnerische Nacht hinaus. Um am nächsten Morgen erfahren zu müssen, dass jemand anderes seine Frau erschossen hat und Johnny nun wegen Mordes gesucht wird. Zusammen mit der ebenso einsamen Joyce (Veronica Lake) macht er sich auf die Suche nach dem wahren Killer und gleichzeitig daran, einen neuen Platz in einer Gesellschaft zu finden, die ihm nach den Kriegsjahren völlig entfremdet ist.


Kommentar

Etliche Romane und Filme (Der Mörder im Spiegel, Späte Sühne), die Mitte der Vierziger erschienen, griffen das Motiv des entfremdeten und orientierungslosen Kriegsheimkehrers auf. Während sie Jahre ihres Lebens und ihrer psychischen und physischen Gesundheit opferten, drehte sich die Welt weiter. Die Frauen emanzipierten sich (aus dem Pragmatismus des Krieges heraus hinter dem Steuer oder an vormals rein männlichen Arbeitsplätzen), Leute, die nicht ihren Dienst in der Armee leisten mussten oder wollten, verzichteten nicht darauf, zu leben. So musste es einem Johnny Morrison und seinen beiden Kumpels wie eine vertraute, aber doch fremde Welt vorkommen, zurückzukehren. Insbesondere ins dekadente Hollywood mit seinen Nachtclubs und Filmleuten. Unverstanden, verloren und gezeichnet, fiel es ihnen schwer, sich einzufinden. Wofür hatte man gekämpft? Für eine Frau, die einen hinterging? Für halbseidene Ganoven? Für eine Meute von Menschen, die keinen Cent auf die Heldentaten und die Opfer gaben?

Raymond Chandler, der als Freiwilliger in der kanadischen Armee am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, greift dieses Motiv des einsamen, entrückten Heimkehrers in seinem Drehbuch auf und lässt Johnny (schon vom Namen nach ein Jedermann wie die zahlreichen Kinogänger) und seine beiden Kameraden George (ein etwas verschüchterter Jurist) und Buzz (ein Kriegsversehrter, dem die Metallplatte in seinem Schädel zu schaffen macht), eine Welt durchstreifen, die ihnen zwar vertraut ist, in der sie aber nur mühsam Fuß fassen können. Heruntergekommene Hotels, ein altes Appartement, den titelgebenden Nachtclub The Blue Dahlia, viel Nacht und sehr viel mehr Regen umgeben die einstigen Helden. Die Dialoge sind flott und knapp gehalten, das Verbrechen mit genügend Wendungen bestückt, um Chandler-Fans zu beglücken (auch wenn ursprünglich einer der Kriegsveteranen der Mörder hatte sein sollen, was aber auf Druck der Armee geändert wurde). Sein Script brachte Chandler sogar eine Oscar-Nominierung ein. Angeblich schrieb er es unter Trunkenheit, als in der Mitte seiner Arbeit seine Kreativität zu versiegen drohte.

Das Starvehikel Lake-Ladd funktioniert ausgesprochen gut, vielleicht auch, weil nicht zwingend eine Liebesgeschichte im Vordergrund steht, sondern die Einsamkeit der Figuren. Eingespielt hatten sie sich bereits Jahre vorher u.a. in der eher mittelmäßigen Filmadaption Die Narbenhand. Die stärksten Auftritte haben allerdings Doris Dowling als gefühlskalte Ehefrau und vor allem William Bendix in der Rolle des gepeinigten Buzz, den die Jazz-Musik in den Wahnsinn zu treiben droht. Da Silvia genügt als öliger Nachtclubbesitzer mit dunkler Vergangenheit, Will Wright als unsympathischer Hausdetektiv.

Marshalls Regiearbeit, der hauptsächlich Western und Komödien drehte, ist solide und fängt zusammen mit der Kameraarbeit von Lionel Lindon eine dichte Noir-Atmosphäre ein.


Fazit

Alles in allem ein stimmiger Film noir der klassischen Periode, der unverkennbar Chandlers Handschrift in Sachen Stimmung, Handlung und Charakterisierung der Figuren trägt.