Bewertung

Story

80 %

Spannung

70 %

Atmosphäre

80 %

Gewaltdarstellung

70 %


Filmdaten

Key Largo (1948)

Deutscher Titel: Hafen des Lasters, Gangster in Key Largo, Gangster von Key Largo

Alternative Titel & Arbeitstitel: -

Studio: Warner Brothers

Regisseur: John Huston

Darsteller: Humphrey Bogart, Edward G. Robinson, Lauren Bacall

Drehbuch: Richard Brooks und John Huston

Musik: Max Steiner

Basierend auf: Maxwell Andersons Key Largo


Rezension
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Gangster in Key Largo

Inhalt

In Key Largo sucht der Kriegsheimkehrer Frank McCloud (Humphrey Bogart) den Vater seines verstorbenen Kameraden Temple auf. Der alte Mann (Lionel Barrymore) sitzt im Rollstuhl und bewirtschaftet zusammen mit seiner Schwiegertochter Nora (Lauren Bacall), ein kleines Hotel. Doch McClouds Ankunft steht unter keinem guten Stern, denn langsam zieht ein Sturm über den Keys auf. Zudem haben ein paar scheinbare Sportfischer das gesamte Hotel gemietet. Bald schon stellt sich heraus, dass ihr Anführer der gefürchtete Gangster Johnny Rocco (Edward G. Robinson) ist, der außer Landes fliehen will. Doch das hereinbrechende Unwetter, zwei Flüchtige Indianer und die herumschnüffelnde Polizei machen den Verbrechern einen Strich durch die Rechnung. Wie die Kaninchen sitzen sie mit ihren Geiseln in der Falle, während der Sturm über das Hotel zieht und die Nerven der Anwesenden blank liegen.


Kommentar

Though he's mean as can be

Achtzehn Jahre später kehrt der Kleine Cäsar auf die Leinwand zurück, um noch einmal die Schattenseiten des amerikanischen Traums zu proklamieren. Damals wie im 1948 gedrehten Key Largo gespielt von Edward G. Robinson - jetzt als Verbrecher Johnny Rocco. Ein skrupelloser Gangsterboss auf dem Weg außer Landes, feige, hinterhältig, kaltblütig. Ein Produkt des gnadenlosen Kapitalismus, teils selbst gewähltes Schicksal, teils von Erwartungen und Umwelt geprägt. Ein Symbol für Habgier und Korruption, das sich auch nach Ende der Prohibition tief in die amerikanische Gesellschaft gefressen hat, scheinbar untrennbar mit ihr vereint ist. Es ist nicht nur ein Johnny Rocco, es sind die vielen, die überall sitzen und sich bereichern, lügen, betrügen und morden, die den Kriegsheimkehrer Frank McCloud anfangs in Resignation stürzen. Ausgezogen, um gegen das Böse zu kämpfen, sitzt es in seiner Heimat, in den Städten und Verwaltungen, sogar in den abgelegenen Florida Keys. Der Kampf dagegen scheint aussichtslos oder schon verloren. Johnny Rocco muss das Land verlassen - aber er ist davon überzeugt, wieder zu kommen und sich das zu nehmen, was ihm zu steht - mehr. Erst gegen Ende, nach dem reinigenden Sturm, richtet sich McCloud auf, um den Kampf doch noch zu führen. Ein paar Tote und die tragische Figur der Gangsterbraut Gaye Dawn (Claire Trevor) haben ihn zu der Überzeugung getrieben, dass die Welt mit jedem getilgten Johnny Rocco besser dran ist.


What have I gone and done?

Claire Trevor liefert auch eine der intensivsten Szenen des ganzen Films - wenn sie, mit den Nerven am Ende, nur für einen Drink, draußen wütet das Unwetter, singt. Ein Lied für den Gangster - Moanin' Low.


Moaning Low

My sweet man, I love him so

Though he's mean as can be

He's the kind of man

Needs the kind of woman

Like me

Gonna die

If sweet man should pass me by

If I die, where will he be?

He's the kind of man

Needs the kind of woman

Like me

Don't know any reason

Why he treats me so poorly

What have I gone and done?

Makes my trouble double

With his worries

When surely

I ain't deserving of none

Moaning Low

My sweet man is gonna go

When he goes, oh, Lordy

He's the kind of man

Needs the kind of woman

Like me


Und Roccos Reaktion darauf - seine herablassende Verweigerung des Drinks. In diesem Moment steht McCloud auf, stellt sich auf die Seite der erniedrigten Frau, um ihr ein Glas einzuschenken. Vielleicht ist sein Kampf noch nicht ganz verloren.


Moaning Low

John Huston (The Maltese Falcon, The Asphalt Jungle) liefert den vierten und letzten Film, in dem Bogart und Bacall zusammen auftraten, und zudem ein Zusammentreffen zweier Stars der Gangsterfilme und Schwarzen Serie - Robinson und Bogart. Herausgekommen ist ein Klassiker des Film noir, dessen scheinbares Happy Ende ein tiefschwarzes Weltbild kaschiert: Ein Mann allein muss sich den Verbrechern stellen und sie auslöschen, in ihrer eigenen Sprache, der Gewalt. Die Staatsmacht erweist sich als unfähig, Johnny Rocco aufzuhalten - er ist zu clever oder sie zu dumm, so dass sie seinen Tricks zum Opfer fällt und sogar Unschuldige ermordet. McCloud kehrt Heim, aber ihm ist bewusst, dass es ein Kampf gegen Windmühlen war. Da sind zu viele wie Johnny Rocco, als dass man sie je besiegen könnte.