Bewertung

Story

65 %

Spannung

65 %

Atmosphäre

60 %

Gewaltdarstellung

85 %


Filmdaten

Public Enemies (2009)

Deutscher Titel: -

Alternative Titel & Arbeitstitel: -

Studio: Universal Pictures

Regisseur: Michael Mann

Darsteller: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard

Drehbuch: Ronan Bennett, Michael Mann, Ann Biderman

Musik: Elliot Goldenthal

Basierend auf: Bryan Burroughs Public Enemies: America's Greatest Crime Wave and the Birth of the FBI, 1933-34


Rezension
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Public Enemies

Inhalt

Im Amerika der Depressionsjahre sitzt John Dillinger (Johnny Depp) eine überzogen harte Gefängnisstrafe ab, aus der er nach Jahren nicht gerade resozialisiert herauskommt. Nachdem er ein paar Freunden beim Ausbruch aus dem Michigan City-Knast geholfen hat, avanciert er schnell zum Anführer einer Band Bankräuber. In seinem Gefolge hartgesottene Typen wie Homer van Meter (Stephen Dorff) oder Baby Face Nelson (Stephen Graham). Mit Dreistigkeit, Schläue, schnellen Autos und der nötigen Firepower erleichtern sie diverse Banken um den Inhalt ihrer Tresore. Doch damit geraten sie ins Kreuzfeuer des neu gegründeten FBI, dessen bester Ermittler Melvin Purvis (Christian Bale) auf Druck von J. Edgar Hoover den Gangstern den Kampf ansagt. Der Outlaw wird zum Staatsfeind Nummer 1 und eine gnadenlose Jagd beginnt. Doch statt sich abzusetzen, sucht Dillinger die Nähe seiner Geliebten Billie (Marion Cotillard), frequentiert Nachtclubs und Kinos, auch als seine Partner reihenweise ins Gras beißen. Erst ein Verrat bringt ihn zu Fall.


Kommentar

Mit einer Adaption des Dillinger-Stoffs stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es eine kritische Auseinandersetzung mit dem Mythos des Outlaws ist, oder eine Glorifizierung der Person. Michael Mann beginnt seine filmische Version mit ambivalentem Eindruck. Kalte, steril anmutende Farben und ein semidokumentarischer Stil suggerieren eine distanzierte Annäherung an Stoff und Figuren, die aber sofort durch die verwackelte und extrem nahe Kameraführung aufgehoben wird. Zwar katapultiert das den Zuschauer von Anfang an mitten ins Geschehen, lässt aber keinen Raum, sich von den Charakteren zu lösen und die Gesamtheit der Bilder auf sich wirken zu lassen. Man ist zu nahe dran, auch an der Gewaltdarstellung, während man in den meisten Szenen erst einmal ein paar Sekunden der Orientierung braucht, bis sich das Bild justiert hat. Im Verlauf des Films wird mehr und mehr deutlich, dass es jedoch keine kritische Betrachtung der Dillinger-Geschichte ist, sondern eine Mythifizierung - Dillinger als tragische Gestalt inmitten der Depressionsjahre, als Liebender unter einem schlechten Stern, schließlich als verratener Held gegenüber dem bürokratischen Apparat. Mit der Etablierung des hoch technisierten FBI ist auch das Ende der romantisch verklärten Gesetzlosen besiegelt. Das täuscht darüber hinweg, dass Dillinger vorrangig ein Bankräuber war und sich mit brutalen und skrupellosen Partnern einließ. Dazu trägt auch ein hervorragend aufspielender Johnny Depp bei, der seinem Dillinger eben jene tragischen Qualitäten mit auf den Weg gibt. Dass Johnny Depp allerdings immer Johnny Depp bleibt und zudem zur Drehzeit gut fünfzehn Jahre älter als Dillinger kurz vor seinem Tod war, trübt die Darstellung etwas.


Highlights / Tiefschläge

1) Die wackelige Kamera entpuppt sich bei 143 Minuten Filmlänge als extrem anstrengend und ermüdend. Das mag mutig scheinen, kostet aber sehr viel des Ambientes und der Kraft der Bilder.

2) Die Musik von Elliot Goldenthal ist … bombastisch. Phasenweise wähnt man sich im Herrn der Ringe, so wuchtig und theatralisch wird sie einem um die Ohren gedonnert. Damit schwindet auch der letzte Rest des semidokumentarischen Ansatzes, denn folgt man den Klängen (abgesehen vom immer wieder eingestreuten Jazz-Sound), ist dieser Dillinger eine durch und durch tragische Gestalt.

3) Betrachtet man sich die faktischen Fehler dieser Adaption bei IMDB, kommt man nicht umhin, den Streifen als reines Hollywood-Märchen zu sehen. Siehe Goofs und Trivia.

4) Wie schon angeführt, ist Manns Film ein Starvehikel für Johnny Depp, dessen Gegenspieler Christian Bale wenig ins Gewicht fällt. Der bleibt tönern wie immer (abgesehen von seiner Darstellung in The Machinist, und da war er bis auf die Knochen abgemagert).

5) Für die Schießerei in der Little Bohemia Lodge hätte man auch gut und gerne zehn Minuten Blackscreen samt Sound einsetzen können - in den schwach ausgeleuchteten und schnell geschnittenen Szenen weiß man kaum, wer da gerade durch das Fenster springt oder sich zwischen den Bäumen absetzt.

6) Der größte Bullshit des ganzen Streifens findet sich dann gegen Ende: Dillinger wandert mal so eben in die Büros des Dillinger Squads, keiner nimmt Notiz von ihm und er spaziert ungesehen wieder hinaus. Der Outlaw wird nicht selten dreist gewesen sein und hat sich geschickt dort versteckt gehalten, wo man ihn am wenigsten vermutete: in der Menge. So umnachtet, in die Höhle des Löwen zu gehen, wird er dann aber doch nicht gewesen sein. Mag sein, dass das eine Allegorie auf den Terrorismus und den Umstand, dass auch Schläfer sich unentdeckt zwischen unbescholtenen Bürgern bewegen, sein soll. Aber das gehört dann kaum in einen Dillinger-Film.


Fazit

Stilisiertes, langatmiges Gangsterepos, das letztendlich bedeutungslos bleibt und sich historisch nicht sonderlich genau gibt. Und was stilisierte Gangsterfilme angeht, lieber noch mal Le Samurai und Le Cercle Rouge schauen.