Bewertung

Story

70 %

Spannung

80 %

Atmosphäre

85 %

Gewaltdarstellung

95 %


Filmdaten

Sin City (2005)

Deutscher Titel:

Alternative Titel & Arbeitstitel: -

Studio: Troublemaker Studios / Dimension Films

Regisseur: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino

Darsteller: Bruce Willis, Mickey Rourke, Jessica Alba, Rutger Hauer

Drehbuch: Frank Miller

Musik: John Debney, Graeme Revell, Robert Rodriguez

Basierend auf: Frank Millers Sin City


Rezension
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Sin City

Marv (Mickey Rourke), ein brutaler Schläger mit einer Visage zum Fürchten, verbringt eine Liebesnacht mit der Hure Goldie, nur um am nächsten Morgen neben ihrer Leiche aufzuwachen. Dringend tatverdächtig, flüchtet er vor den Cops und macht sich daran, den wahren Mörder zu finden. Nicht um Gerechtigkeit walten zulassen, sondern um die brennende Rache in seinem Inneren zu löschen. Dabei zieht er eine Spur von Blut, abgerissenen Gliedmaßen und Leichen hinter sich her, wird verprügelt, angeschossen und überfahren, steht aber immer wieder auf, um endlich Erlösung zu finden. Seine eigene Art der Erlösung ...


Dwight (Clive Owen), ein Killer mit neuem Gesicht, legt sich mit dem fiesen Jackie Boy an, dessen Ableben zu einem blutigen Bandenkrieg zu werden droht, in dem die unabhängigen Nutten von O-Town ihre Freiheit verlieren könnten. Da gilt es, nur nicht den Kopf zu verlieren ...


Und schließlich Hartigan (Bruce Willis), der alternde Bulle mit dem Herzfehler, der sich immer wieder zum rettenden Engel für die Tänzerin Nancy (Jessica Alba) macht und dafür seinen Ruf und sein Leben ruiniert.


Drei Geschichten aus der siebenbändigen Comic-Saga Sin City von Frank Miller (der auch eine Nebenrolle im Film spielt), die ineinander verschachtelt werden, um eine Höllenfahrt ins Herz der Dunkelheit einzuleiten - in die Stadt Sin City: Sündenpfuhl und Noir-Überzeichnung. Ewiger Regen, stetige Dunkelheit, grelles Weiß dagegen, ein paar Grautöne und schließlich etwas Rot und Blau und Gelb. Korruption ist allgegenwärtig, Gewalt der einzige Lösungsweg. Hoffnung? Nicht in dieser Stadt. Wenn du gut sein willst in Sin City, bezahlst du einen verdammt hohen Preis.


Regisseur Rodriguez, Kumpel von Quentin Tarantino (der sich als Gastregisseur verewigen durfte), trat für Sin City gleich mal aus der Gewerkschaft aus, um Frank Miller als zweiten Regisseur an Bord zu holen. Vorher musste er erst einmal eine freundliche Penetranz an den Tag legen, um Miller überhaupt dazu zu bringen, dessen Baby Sin City auf die Leinwand zu werfen. Ohne Drehbuchadaption, direkt aus den Comics übernommen. Die harten Schwarzweißbilder in Bewegung versetzt. Die gesamte Hintergrundwelt digital erstellt, nur die Schauspieler abgefilmt und eingepasst. Ziemlich kalt und künstlich, kein Herz in der Stadt der Sünde. Und damit die Bühne bereitet für eine stilisierte Gewaltorgie, in der Kugelsalven Gegner zu einem Tanz antreiben, Gliedmaßen abgetrennt, Schädel gespalten und Genitalien verstümmelt werden. Blut spritzt, in weiß und rot und gelb.


Verschachtelte Erzählstruktur, zynische Off-Kommentare, scharfe Licht- und Schattenkontraste, verzerrte Kameraperspektiven - Rodriguez bedient sich reichlich an den Stilmitteln des Film noir und mischt sie mit Comicaspekten. Mit Millers Vorlage wird Sin City zu einer Hommage an die Schwarze Serie, ein Spiel damit und manchmal auch eine schmerzliche Überzeichnung: ultraharte, unbeugsame Kerle mit dicken Kanonen, die für ihre Weltvorstellung über Leichen gehen, auf der Gegenseite verführerische Frauen, die der Hilfe dieser starken Männer bedürfen ... oder, wie die Nutten von O-Town - mit der Skrupellosigkeit einer Famme fatale - Gegner massakrieren und reihenweise niedermähen. Verdichtet wird dieses Gefüge noch durch Perverse und Psychopathen. Dazwischen gibt es kaum wahres Leben, nur ein paar Schläger, Säufer, Killer und Bardamen in Kneipen, die obligatorischen Politikerschweine und immer wieder die Cops von der Straße, die massenhafte niedergemacht werden.


Any cutup? Kaum. Sin City besteht im Grunde aus drei gradlinige Geschichten ohne viel Verwirrungen oder Intrigen. Wirklich nicht neu und nicht originell, alles schon mal gesehen. Aber nicht in dieser Art, nicht in dieser Bildgewalt, nicht in diesen Kontrasten. Gewalt ist das zentrale Thema in Sin City, nicht Sex, nicht Gier, nicht einmal Freundschaft oder Liebe. Schneidet man die Gewaltszenen raus, bleibt wenig übrig von diesem Film. Durch die groteske, stilisierte und entfremdete - die comichafte - Darstellung bleibt das alles aber ganz verdaulich. Endlich auch keine dröge Adaption von Superhelden, die die Welt nicht braucht.


Hell of a way to begin a partnership …