Bewertung

Story

80 %

Spannung

85 %

Atmosphäre

90 %

Gewaltdarstellung

60 %


Filmdaten

The Machinist (2004)

Deutscher Titel: Der Maschinist

Alternative Titel & Arbeitstitel: -

Studio: ?

Regisseur: Brad Anderson

Darsteller: Christian Bale, Jennifer Jason Leigh, John Sharian

Drehbuch: Scott Kosar

Musik: Roque Baños

Basierend auf: -


Rezension
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Der Machinist

Inhalt

_ _ _ _ E R

Der paranoide Trevor Reznik (Christian Bale) entsorgt eine Leiche indem er sie desnachts ins Meer wirft. Pech nur, dass er dabei erwischt wird ...

Wie aber kommt der abgemagerte Maschinenschlosser überhaupt in diese missliche Lage? Ist er Opfer einer undurchschaubaren Verschwörung über die er Hinweise auf seltsamen Klebezetteln an seinem Kühlschrank findet? Einer Konspiration gegen ihn, die sich sogar bis zu seiner Arbeit spinnt, wo durch seine Schuld ein Kollege einen Arm verliert? Weiß der abstoßende Schweißer Ivan (John Sharian) mehr? Oder ist es Rezniks drastische Schlaflosigkeit, die ihn in den Wahnsinn treibt?

Krank und isoliert bleiben ihm nur zwei Menschen, denen er sich anvertraut. Die Prostituierte Stevie (Jennifer Jason Leigh), die sich schließlich in ihn verliebt, und die Kellnerin Marie (Aitana Sanchez-Gijon), die er jede Nacht in einem Flughafencafe trifft. Doch auch sie bleiben nicht von seiner Paranoia verschont.


Kommentar

Trevor Reznik = Trent Reznor - Regisseur Brad Andersons Hommage an den Nine Inch Nails-Frontman. Nicht, dass Reznor ebenso ausgehungert wäre wie der Protagonist des Films. Viel mehr könnte die Essenz des Streifens um Schuld und Wahn gepaart mit dem industriellen Flair direkt einem NIN-Song entspringen. Kalt und einsam und ziemlich krank. "The original script had a quote from some Trent Reznor song at the beginning. I think Scott always envisioned the film as more industrial, and maybe Nine Inch Nails would actually do the soundtrack, and in obvious ways the name is a play on that." (Brad Anderson im Gespräch mit Russ Fischer (10.03.2004)). Reznik sieht in den meisten Einstellungen so aus, als wäre er dem Closer-Video entsprungen - faszinierend, auf was sich Christian Bale da eingelassen hat und an schauspielerischer Leistung liefert.


Dass die Story von Kosar/Anderson nicht absolut neu ist, stört nicht (welche Story wäre das heute schon?). Sie ist ein gekonntes Spiel mit Wahrnehmung, Wahrheit und Genrevorbildern wie Hitchcocks Vertigo. Angefüllt mit ausgeklügelten Symbolen, Verknüpfungen und Rückblenden. Wenn man sich darauf einlassen will, ein ausgezeichneter Kinogenuss.


Spoiler

Wie Anderson weiterhin anführt, ist The Machinist nicht so sehr ein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein visualisierter Alptraum. Ein blendend visualisierter Alptraum, wohlgemerkt. Die unwirkliche Farbdominanz von grau und braun, viel Schatten und Lichtspiele, dazu bedrückende Umgebungen (die Fabrik, der Flughafen, schließlich der Vergnügungspark). Gekoppelt mit der wunderbaren Musik von Roque Baños, die ganz im Zeichen von Hermanns Vertigo-Score steht. Und wie in einem Traum/einer Wahnvorstellung jagt auch die Geschichte am Zuschauer vorbei. Seltsame visuelle Eindrücke, kleine Unstimmigkeiten im Erzählfluss, Löcher, Umstrukturierungen und Symbole. Ein Spiel mit der Wahrnehmung des Zuschauers (für das man sicherlich ein Faible haben muss, ansonsten enttäuscht das Ende vielleicht), der immer aufmerksam sein muss für all die Kleinigkeiten:

  • die mysteriösen Post-Its
  • ein Zigarettenanzünder
  • Uhren, die nicht richtig funktionieren
  • ein Foto samt Fisch
  • der Turm
  • Reznik, der seine Hände in Unschuld (in Form von Bleichmittel) wäscht
  • ein Kühlschrank
  • Erinnerungsfotos
  • eine Glasschale
  • ein Karussell
  • ein Wimpel der Route 66
  • ein rotes Cabrio
  • Cowboystiefel
  • die Geisterbahn

Letztere ist ein Mindscreen im Mindscreen, die in Rezniks Wahnwelt noch einmal alles bündelt und den Kern sogar vorwegnimmt: direkt am Freudenhaus der seltsamen Lady (Blick in Richtung der Prostituierten Stevie) läuft ein Kind vor das Geisterbahnauto. Dazu noch der Titel Route 666, die Schreckensbilder und der Umstand, dass ihn der kleine Junge statt auf die Road to Salvation auf direktem Weg in die Hölle schickt. (Reznik 'rettet' das Kind, nachdem es einen epileptischen Anfall hatte - vielleicht eine Atempause für ihn, da er wenigstens einmal retten konnte. Gleichzeitig sagt er immer wieder, dass er daran nicht Schuld sei - sich somit freizusprechen versucht.)


Fazit

Forderndes Kino, zum Glück abseits vom Mainstream.