Bewertung

Story

90 %

Spannung

70 %

Atmosphäre

90 %

Gewaltdarstellung

60 %


Filmdaten

The Prisoner (1966 - 1968)

Deutscher Titel: Nummer 6

Alternative Titel & Arbeitstitel:

Studio: ITC

Regisseur: Don Chaffey, Pat Jackson, Patrick McGoohan und andere

Darsteller: Patrick McGoohan, Leo McKern, Alexis Kanner, Angelo Muscat

Drehbuch: George Markstein, David Tomblin, Patrick McGoohan und andere

Musik: Ron Grainer

Basierend auf: -


Rezension
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Nummer 6

Patrick McGoohan, der in den 60er Jahren zu Englands best bezahltem Fernsehschauspieler aufgestiegen war, suchte zum Ende seines TV-Erfolgs Danger Man nach einem neuen, unverbrauchten Serienkonzept. Zusammen mit George Markstein, Script Editor bei Danger Man, der sich als Schriftsteller und Journalist mit dem Thema Geheimdienste beschäftigt hatte, war bei Recherchen auf "Altersheime für Agenten im Ruhestand" gestoßen, die nach dem 2. Weltkrieg errichtet worden waren. Damit lieferte er die Grundidee für das, was als The Prisoner (in Deutschland als Nummer 6) in die Fernsehgeschichte eingehen sollte: eine unglaubliche Mischung aus Mystery, Science-Fiction, politischer Satire, soziologischer Betrachtung und der Zeit der 60er Jahre. Geburtsstunde eines der ungewöhnlichsten Serienkonzepte, der McGoohan im Verlauf mehr und mehr seinen Stempel aufdrücken würde. Von 1966 bis 1968 wurden zwei Staffeln (13 und 4 Episoden) gedreht, die mit einem fulminanten Finale die Fernsehzuschauer verunsicherten. Angeblich zog McGoohan samt Familie in die Schweiz, um Anfeindungen von aufgebrachten Zuschauern zu entgehen.


Schon der Vorspann brennt sich dem geneigten Betrachter ins Gedächtnis und verrät kurz und knapp den Hintergrund des Protagonisten (von dem man im weiteren Verlauf der Serie kaum mehr erfahren wird): ein Agent reicht seine Kündigung ein, um gleich darauf das Land Richtung Südsee zu verlassen. Doch wird er von einer unbekannten Macht betäubt und entführt, um im Village zu erwachen, einem idyllischen Küstenörtchen für Agenten im Ruhestand, in dem alle Leute statt mit Namen mit Nummer angeredet werden. Dort versucht eine wechselnde Nummer 2 mit allen Mitteln, dem Neuling den Grund für seinen vorzeitigen Rücktritt zu entlocken.


Number 6: Where am I?

Number 2: In the Village.

Number 6: What do you want?

Number 2: Information.

Number 6: Whose side are you on?

Number 2: That would be telling. We want information. Information. Information.

Number 6: You won't get it.

Number 2: By hook or by crook, we will.

Number 6: Who are you?

Number 2: The new Number 2.

Number 6: Who is Number 1?

Number 2: You are Number 6.

Number 6: I am not a number - I am a free man!


Mit diesem Konzept hätte Prisoner auch durchaus zu einer klassischen Action-Serie werden können, hätten McGoohan (der bei etlichen Folgen Regie führte und am Drehbuch mitarbeitete) und seine Mitarbeiter nicht eine Wagenladung ungewöhnlicher Ideen und Inhalte injiziert. Zum einen den einprägsamen Prisoner-Look: das beschauliche Örtchen Portmeirion mit seiner ungewöhnlichen Architektur, die niedlichen Straßenschilder, fröhliche Lautsprecherdurchsagen, Nummer 2 und sein Chefsessel, der Kontrollraum, das Überwachungsinstrument Rover, die Kleidung der Ruheständler und das Symbol des Hochrades.

Zum anderen die (zum Teil wilde) Vielfalt an Episoden - inhaltlich und äußerlich. Da finden sich Politik, Sozialkritik, Kunst, Action, Persiflage, Surrealismus im Gewand von Agentenflair, Science-Fiction, Gesellschaftsdrama, Maskenball und Wildwest. Prisoner ist ganz stark ein Kind der 60er, aber darüber hinaus zeitlos, fast mythisch: der drohende Verlust der Individualität, Egoismus versus Altruismus, die Präsenz eines totalitären Überwachungsstaates, die verlorene Freiheit, die Verantwortlichkeit für die (Dorf-)Gemeinschaft. Auch nach vierzig Jahren ist nichts davon reif für die Mottenkiste - eher im Gegenteil! Prisoner ist der Kampf des Einzelnen gegen ein gnadenloses System, gegen den Verlust der Freiheit - physischer und psychischer, gegen Kontrolle und Überwachung. Gekoppelt an die Erkenntnis, dass es niemals eine völlige Freiheit, einen völligen Frieden, gibt, denn so sehr Nummer 6 auch aus dem Village entfliehen will, so sehr er es mit dessen eigenen Mitteln bekämpft, so sehr ist er bereits Rädchen dieses (oder eines größeren) Systems, für das er - zumindest in Teilen - Verantwortung empfindet.


Be seeing you …


2009 entstand eine Neuinterpretation der ultimativen TV-Serie, mit Jim Caviezel und Ian McKellen.

The Prisoner