Guido Rohm

Guido Rohm

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Untat

Untat

Originaltitel: Untat, 2013

Roman

Inhalt

Zwei Journalisten, durch Berichte aus Krisengebieten desillusioniert, wollen ausloten, was ein Verbrechen ausmacht. Oscar ist ein Verbrecher. Er plant die Entführung eines Mädchens. Die beiden Zyniker heuern bei ihm als Augenzeugen an. Doch statt zu einer reißerischen Reportage entwickelt sich die Angelegenheit schnell zum Albtraum für die Journalisten. Aus der Distanz der Beobachter werden sie hineingezogen in ein beängstigendes und brutales Geschehen. Nun sind sie mittendrin. Ist Oscar ein Psychopath oder nur ein Aufschneider? Sind die Journalisten selbst nur Opfer oder Täter?


Kommentar

In Rohms kurzem Trip durch eine verquere Kidnapping-Story wehrt sich das Protogonisten-Duo mit Händen und Füßen dagegen, Position zu beziehen. Sie wollen neutral bleiben. Und sind es schon von der ersten Seite an nicht. Zu fasziniert und doch abgestoßen sind sie von diesem Oscar. Einem Schelm, einem Kriminellen, einem Psychopathen. Zu intensiv sind die Erfahrungen, zu dicht ist die Nähe zu dem was geschieht. Und das ist vieles. So scheint es wenigstens. Dort unten im Kellerraum, in dem das gefesselte Mädchen liegt. Aber auch oben im Wohnzimmer, in dem die beiden Reporter warten und die Zeit mit Pornos, Gewaltfilmen und Alkohol totschlagen. Sie beobachten nicht. Sie sympathisieren. Erweisen sich als schwach und manipulierbar. Verlieren ihren Beobachterstatus mit jeder Stunde mehr. So scheint es. Doch wer manipuliert hier wen? Oscar die Reporter? Die Reporter den Leser?

Denn Untat ist eigentlich ein Mindfuck par excellence. Was ist wirklich? Was erfunden? Wo fängt Schuld an? Wer ist überhaupt real? Die beiden namenlosen Reporter? Der lügende Oscar? Keiner von ihnen? Alles nur die Ausgeburt eines schizophrenen Geistes? Tatsächlich erinnert Untat am Ende stark an etwas aus dem Jim Thompson-Kosmos: Reduziert, eigenwillig, dreckig, krank.


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