Jean Amila

Jean Amila

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Mitleid mit den Ratten

Mitleid mit den Ratten

Originaltitel: Pitié pour les rats, 1964

Roman

Inhalt

Es ist eine scheinbar heile Welt, in die der junge Algerienfranzose Michel einbricht, als er dem alternden Einbrecher Julien Lenfant das Leben rettet. Lefant, seine Frau Yvonne und die 17-jährige Tochter Solange sind ein eingespieltes Team, ein Familienunternehmen, das sich mit Einbrüchen über Wasser hält. Sie leben in einem kleinen Häuschen auf einer Insel in der Seine, arbeiten und gehen zur Schule, nach außen hin beinahe eine ganz normale Mittelklassefamilie. Darin legen sie sich ihre kriminellen Handlungen zu einem entspannten Weltbild zurecht - Julien klaut nicht aus Profitgier, dabei darauf bedacht, seine Opfer nicht zu demütigen. Solange hilft ihm, während Yvonne potentielle Ziele auskundschaftet und das Diebesgut verkauft. Bis Julien während eines Bruchs von einem Polizisten angeschossen wird. Zufällig ist Michel zugegen, der den Schützen kurzerhand umbringt und den Schwerverletzten nach Hause transportiert. Lefant überlebt, Solange verliebt sich in Michel, der sich bei ihnen einquartiert. Schon bald entpuppt sich der junge Mann jedoch als politischer Auftragskiller - und mit Politik hat die Familie Lefant nichts am Hut. Doch sind sie schon zu tief in Michels Angelegenheiten verstrickt, um unbeschadet aus der Angelegenheit herauszukommen. Somit prallen zwei Welten aufeinander - die skrupellosen, politischen Aktivisten und die kleinbürgerliche Diebesbande. Beide empfinden nur Verachtung füreinander.


Kommentar

Der nächste Streich in Sachen Amila aus dem Verlagshaus Conte und, vorne weg, ein sehr gelungener. Mitleid mit den Ratten hat alles, was ein eindringlicher Roman noir braucht - Verbrechen, Leidenschaft, Tragik. Das ganze kompakt und ohne störendes Beiwerk. Verspielte Mond über Omaha noch seine besten Momente, zeigt Mitleid keine Schwäche. Da entwickelt sich eine Sympathie für die Familie Lefant, der man als Leser eigentlich keine Sympathie schuldig ist - immerhin sind es Kleinkriminelle, die sich ihr illegales Handeln schönreden. Und dennoch erwärmt man sich für die Bande, spürt im Nacken die dunklen Wolken, die über ihrer (beinahe) kleinbürgerlichen Existenz aufziehen. Leidet auf den letzten Metern mit, ehe die Tragik die Figuren fortreißt. Alles was bleibt, ist Mitleid, denn für Hoffnung reicht es in einem Noir-Universum nicht.


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