Jim Thompson

Jim Thompson

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Eine klasse Frau

Eine klasse Frau

Originaltitel: A Swell-Looking Babe, 1954

Roman

Inhalt

Dusty Rhodes schiebt Dienst als Nachtportier im Mittelklassehotel Manton. Er sieht gut aus, dementsprechend sind die Trinkgelder nicht übel. Aber eigentlich ist der Job nur eine Übergangslösung. Rhodes will studieren und Arzt werden. Wenn da nicht sein seniler Vater wäre, ein ehemaliger Hochschuldozent, der wegen seiner Unterschrift auf einer Petition zur freien Meinungsäußerung das Handtuch werfen musste. Jetzt liegt er Dusty auf der Tasche. Zudem leidet der Knabe unter dem Tod seiner Mutter, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hatte. Als bleibt ihm erst einmal nichts, als weiter die Nacht zu arbeiten und den Tag über zu schlafen, um die Arzt- und Anwaltskosten zu bezahlen. Für Frauen bleibt da keine Zeit.

Dann allerdings checkt eines Nachts ein wahrer Engel in Raum 1004 ein - die göttlich Marcia Hillis. Rhodes ist hin und weg. Sie ist diejenige, die ihn über den Verlust der Mutter hinwegtrösten kann. Nur sie. Als sie ihn dann eines Abends in ihr Zimmer ruft, schwebt er schon im Himmel.

Doch der ist im nächsten Moment weit entfernt, denn die Schöne will ihm eine Vergewaltigung anhängen. Aber Tug, ein alternder Gangster und Stammgast, ist für Rhodes da und regelt die Angelegenheit unauffällig. Dafür schuldet ihm Dusty jedoch einen Gefallen. Einen fetten Gefallen, bei dem es um eine ganze Menge Kohle geht. Genügend Asche, damit Rhodes den Job schmeißen kann. Genügend, um sich die Gunst der holden Marcia erkaufen zu können. Unschuldig ist Dusty ohnehin nicht …


Kommentar

Der Soziopath Rhodes redet sich sein Leben schön, färbt seine Erlebnisse ein, wie es ihm passt. Schuld … Schuld sind nur die anderen. Sieht es anfangs so aus, als wäre er das Opfer widriger Umstände, klärt sich mit gnadenloser Deutlichkeit, dass seine Hölle selbst gemacht ist. Jede Entscheidung, jede Handlung entspringt seinem kaputten Geist, an dem uns Thompson teilhaben lässt. Nicht distanziert, nicht wissenschaftlich, sondern hautnah. Hinein in Dustys Gedankenwelt. Bis man selbst die ganze Scheiße nicht mehr ertragen kann. Bis man den alten Mann hasst. Das Hotel. Dies mickrige Stadt. Jeden anderen verdammten Menschen da draußen. Gleichzeitig ekelt uns Rhodes an, denn wir ahnen schon nach den ersten Seiten, was für ein Stück Dreck er ist. Da passt auch das ödipale Drama in seine verkommene Existenz. In seiner unverkennbaren Art drückt Thompson einem langsam die Kehle zu. Dusty bekommt unser Mitleid, obwohl man für ihn nur Abscheu empfinden sollte. Und für Tug und Marcia und all die anderen ebenfalls.

Rettung gibt es nicht auf dieser Welt, da ist Thompson realistisch. Nur die Hölle. Selbst der erlösende Engel ist schmutzig. Der einzige Ausweg aus dem ganzen Pfuhl ist der Tod.


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