God Lives Underwater

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Life in the So-Called Space Age

Life in the So-Called Space Age

Originaltitel: Life in the So-Called Space Age, 1999

A & M Reco

Album

Kommentar

Sometimes life's not fair, I correct myself I mean All the time

Der 16.10.2005 markierte das Ende der wenig beachteten Elektro/Industrialband. Sänger und Songwriter David Reilly starb. Eine lange Drogenabhängigkeit hatte seinen Körper ausgezehrt, ein loser Zahn verursachte Zahnfleischbluten, an dem er im Schlaf erstickte. Holy Shit! Versteht sich fast von selbst, dass sein beinahe fertiges Soloalbum how humans R(x) wohl nicht mehr veröffentlicht wird. So muss es gehen, mit Bands, deren Brillanz auf einer Scheibe aufblitzt. Musik, für die es kaum kommerziellen Erfolg geben kann, die aber immer mit Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung zu kämpfen hat.


Why does everything / Come true / The way I don't want it to

Dabei fing alles recht viel versprechend an: 1994 fanden sich zwei Jungs aus Pennsylvania zum Musikmachen zusammen, produzierten ein Demoband, das keinem geringeren als Rick Rubin von American Recordings gefiel, stellten eine EP und schließlich ein Album namens Empty (1995) fertig. Das waren Jeff Turzo und David Reilly, die Band nannten sie God Lives Underwater. Ihre Single No More Love schaffte es immerhin auf den Soundtrack zum Keanu Reeves-Streifen Johnny Mnemonic. Das Debüt war wild und hart, trug aber gleichzeitig einen tiefen Anflug von Melancholie in sich. Das Wort "Underwater" im Namen gibt die Atmosphäre der ruhigen Stücke (23, Lonely Again) sehr gut wieder. Dunkles Wasser, das schwer auf einem lastet, langsam in die Lungen dringt und einen in Finsternis, Einsamkeit und Kälte zurücklässt.


It's cold outside / But not cold enough / I wish that it was winter

Und diese Kälte ist es, die sich im Folgealbum in einer Intensität finden sollte, die vollkommen einnehmend ist. 1998, ein Wechsel zum Label A&M und dann Life In The So-Called Space Age. Die Auskopplung From Your Mouth wird ein kleiner Erfolg, das Video flimmerte auf MTV. Der wütende Sound der Erstlings kanalisiert sich hier in eine unglaubliche Klangkulisse. Jedes Lied ist ein kunstvoller Klangteppich, der einen mitnimmt auf eine Reise. Aber wohin? In eine sterile Zukunft? In Reillys Innenleben? In einen Alptraum aus Drogensucht, Selbstzweifel und Gefühlskälte und dem ständigen Widerstand dagegen? Ein Leben aus Misstrauen, Paranoia, Unruhe, Drogenbildern und hier und da einem Funken Hoffnung? Life In The So-Called Space Age ist ein verdammtes Meisterwerk. Der GLU-Sound unverkennbar. Reilly mag kein begnadeter Songwriter gewesen sein, aber seine Worte passen perfekt zur Musik.


You made me think that I could have you / Someday / That day would never come

Natürlich durfte auch das zweite Album kein kommerzieller Durchbruch sein. Es reichte aber für ein Depeche Mode-Tribut (For the Masses, 1998), das Bowie-Cover Fame (2000) für den Soundtrack 15 minutes. Gleichzeitig zeichneten sich schon Probleme mit dem neuen Label ab. Reilly produzierte ein reines Instrumentalalbum Robo Teen America (2001) ohne Plattenfirma - was dementsprechend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschah. Genau wie seine Rockband Fluzee (2002), die auch nicht mehr als eine 7-track-EP schaffte.

Immerhin stand seit 2000 schon das nächste Album fest (fertig war es auch noch), aber die Pleite des Labels und langatmige Rechtsstreitigkeiten ließen ein paar Jahre ins Land gehen, ehe Up Off the Floor 2004 ins Rennen ging. Dann natürlich als inakzeptable Fehlpressung.


And I hope that you're happy / At least one of us is

Reilly war ein starker Persönlichkeit. Er kämpfte gegen seine Drogensucht, verlor zweimal im Leben einen geliebten Menschen, wankte über den steinigen Weg des Musikbusiness und macht einfach immer weiter geniale Musik. Die EP Inside (2004) für sein Soloalbum war fertig, ein Vertrag mit dem Label RuffNation unterschrieben, das Album beinahe komplett eingespielt. Aber es hat nicht sollen sein. Ein loser Zahn … verdammte Scheiße.

Jeff Turzo hat eine neue Band namens Wired All Wrong, der vielleicht mehr Erfolg beschieden sein wird. Vielleicht aber auch nicht. So richtig passen würde es nicht.


www.enjoyglu.com - Fansite


Tracklist

  • Intro
  • Rearrange
  • From Your Mouth
  • Can't Come Down
  • Alone Again
  • Behavior Modification
  • The Rush Is Loud
  • Dress Rehearsel for Reproduction
  • Happy?
  • Vapors
  • Medicated to the One I love