Raymond Chandler

Raymond Chandler

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Das hohe Fenster

Das hohe Fenster

Originaltitel: The High Window, 1942

Roman


Inhalt

Eine Goldmünze verschwindet, die "Brasher Doubloon", schlappe §10.000 wert. Nur leider lässt sie sich nicht verkaufen, denn in seinem Testament hat der verschrobene Mr. Murdock dies ausdrücklich untersagt. Zumindest, so lange seine Frau, die übellaunige, dem Wein im Übermaß zugetane, Elisabeth Murdock, lebt und regiert. Und zwar mit harter Hand über ihr Landhaus und dessen Bewohner. Das sind ihre schüchterne Sekretärin Merle Davis und ihr verkorkster Sohn. Dessen Noch-Ehefrau Linda Conquest, eine Nachtclubsängerin, hat die alte Mrs. Murdock im Verdacht, die seltene Goldmünze gestohlen zu haben. Obwohl sie Marlowe nicht mag - er sie ebenfalls nicht, wird er damit beauftragt, das gute Stück wieder zu beschaffen (die Münze, nicht die Ehefrau). Das ihm dabei ein paar Tote, widerborstige Bullen, schöne Frauen und ein öliger Nachclubbesitzer samt Schlägertrupp unterkommen, dürfte kaum verwundern.


Kommentar

Chandlers The High Window, 1947 unter dem Titel The Brasher Doubloon verfilmt, gleicht einem Traum. Eine Odyssee durch das Hitze getränkte Pasadena, in der Leichen auftauchen, Polizisten auf stur schalten, Klienten niemals die Wahrheit sagen, harte Frauen verbitterte Lebensweisheiten von sich geben und sich hinter den Augen eines jungen Mädchens dunkle Alpträume verbergen. Das Landhaus der Murdocks entspringt einer gothic novel, seine Bewohner einer Irrenanstalt.

Durch diese Szenen driftet Marlowe, der in all den Lügen den Überblick zu verlieren droht. Für was er kämpft, bleibt unklar - ihm selbst wohl auch. Es ist ein Durchhalten um des Durchhaltens Willen. Seine stoische Ruhe, seine Hartnäckigkeit, seine Sturheit treiben ihn vorwärts. Gerechtigkeit, Liebe, Bezahlung - das alles ist nur ein schwacher Glanz. Für kaum einer der Traumfiguren, die ihm begegnen, kann er Sympathie aufbringen. So spielt er Schachpartien nach, um seine Gedanken zu sortieren. Allein in einer Stadt, die wenig Freundliches bereithält. In ihm und seinem Handeln zeichnet sich eine tiefe Traurigkeit ab, behaftet mit dem Gefühl, am Morgen aufzuwachen und einen wertvollen Traum verloren zu haben. Und so sehr man sich bemüht, er ist verloren, nur noch eine dumpfe Erinnerung. Ein Held, dessen heldenhafte Taten doch nichts mehr ändern am Ungemach der Welt. Die Zeit der Ritter ist vorbei. Endgültig.


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