Raymond Chandler

Raymond Chandler

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Die kleine Schwester

Die kleine Schwester

Originaltitel: The Little Sister, 1949

Roman


Inhalt

The pebbled glass door panel is lettered in flaked black paint: "Philip Marlowe ... Investigation." It is a reasonably shabby door at the end of a reasonably shabby corridor in the short of building that was new about the year the all-tile bathroom became the basis of civilization. The door is locked, but next to it is another door with the same legend which is not locked. Come on in - there's nobody here but me and a big bluebottle fly. But not if you're from Manhattan, Kansas.

Obwohl eigentlich Routine, stinkt der Job schon von Beginn an. Marlowe, abgebrannt wie immer, soll für das Landei Orfamay Quest deren Bruder Orrin finden. Der hat sich aus dem heimatlichen Manhatten, allerdings in Kansas, in die große Stadt abgeseilt und nach ein paar Briefen nichts mehr von sich hören lassen. Orfamay ist eine anstrengende und eigenwillige junge Dame, deren Geschichte nicht ganz stimmig zu sein scheint. Dennoch macht sich Marlowe für lausige zwanzig Dollar an die Arbeit. Die Spur führt ihn nach Bay City in ein mieses Hotel, in dem ein Fremder das Zimmer des Brüderchens bewohnt. Der ist bald darauf so mausetot wie der Hotelmanager. Grund sind kompromittierende Fotos - die zeigen ein aufstrebendes Filmsternchen in Begleitung eines berüchtigten Gangsters. Der wiederum könnte in der Vergangenheit einen Konkurrenten abgeknallt haben.


Kommentar

Ein später Chandler, in dem sein Marlowe langsam und stetig wie ein Fossil aus einer anderen Zeit wirkt. Überholt, einsam und melancholisch. Der vom Aussterben bedrohte edle Ritter, auf dessen zerbeulter Rüstung sich das Flackern der Filmprojektoren spiegelt. In ähnlich Weise wird die Marlowe-Stoff später von Robert Altman für The Long Goodbye aufgegriffen.

Chandler selbst war mit seiner Zeit in Hollywood nie zufrieden - ein Teil davon spiegelt sich in The Little Sister wieder. Die Verschrobenheit und Oberflächlichkeit des Studiosystems, Agenten wie Menschenhändler, Stars wie aufgetakelte Puppen. Darum entfaltet er einen klassischen Chandler-Plot, bei dem es schwierig ist, zu verfolgen, wer was warum getan hat. Und wer wen wie betrügt und hintergeht. Dies Mal schwingt ein heftiger Schuss Erotik in Gestalt eines Starlets mit, zudem zeigt sich an Marlowe eine sehr melancholische Seite. Nicht unbedingt der beste seiner Roman (auch Chandler mochte diesen "Kadaver" einer Geschichte nicht), aber durchaus lesenswert. Allein schon die ersten Sätze sind unnachahmlich.


Mehr zum Autor

Raymond Chandler - Biographie, Bibliographie