Ross MacDonald

Ross MacDonald

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The Wycherly Woman

Die wahre Mrs. Wycherly

Originaltitel: The Wycherly Woman, 1961

Roman

Inhalt

Phoebe Wycherly wird seit zwei Monaten vermisst. Jung, schön und reich, stellt ihr Verschwinden den idealen Fall für Lew Archer da. Angeheuert von ihrem Vater Homer, macht sich der Privatdetektiv daran, die Spur der Frau aufzunehmen. Doch das entpuppt sich als problematisch. Phoebe ist wie vom Erdboden verschluckt und die einzige, die sie zuletzt gesehen hat, ist ihre Mutter Catherine. Die allerdings liegt in heftigem Streit mit dem Rest der Familie und niemand möchte, dass Archer mit ihr spricht. Als er Catherine endlich aufgespürt hat, dauert es nicht lange, bis die erste Leiche auftaucht. Die Wycherly-Damen ziehen noch mehr davon nach sich, während Lew damit beschäftigt ist, ein bedrückendes Gewirr aus Familiengeheimnissen, Erpressung und Mord aufzudecken.


Kommentar

The Wycherly Women zeigt die Distanz zwischen Hard-boiled-Literatur und klassischer Krimi-Kost. Während sich die verworrene Geschichte aus Erpressung und Mord langsam entfaltet und schließlich auflöst, offenbaren sich die Abgründe der Protagonisten. Es geht nicht so sehr um das Aha-Erlebnis bei der Auflösung. Nicht darum, wie perfekt ein Verbrechen geplant und ausgeführt wurde. Sondern um das typisch Menschliche im Menschen. Darum, was Schuld und Sühne bedeuten. Darum, wie sich Moral und Zivilisation auflösen im Schatten von Korruption und Gier. Wie sich die Schlechtigkeit (=Menschlichkeit?) in jedem durchsetzen kann, wenn nur die Umstände entsprechend sind. Wie jede Handlung irgendwann ihren Tribut fordert. Auch lange begrabene Familiengeheimnisse (ein zentrales Thema in MacDonalds Romanen).

Die kleinen und die großen Gauner sind nicht viel schlechter oder besser als die Herrschaften der feinen Gesellschaft. Sie alle erliegen früher oder später ihren Schwächen, verlieren ihre Unschuld (oder geben sie auf). Zu was sie dabei fähig sind, bedarf keiner überzogenen Psychopathen a la Hannibal Lector oder kriminalistischer Genies a la Professor Moriarty. Mord und Totschlag sind hier kein Spiel für die gehobene Gesellschaft, kein Fahndungserfolg für das FBI. Es ist die mühsame Fußarbeit eines Arbeiters wie Lew Archer, der durch diesen öligen Schlick waten muss. Immer Gefahr laufend, in der dreckigen Brühe des Lebens von etwas gebissen und infiziert zu werden. Ein bisschen von dem Schmutz bleibt jedoch immer haften - so war es bei Hammett, so war es bei Chandler und so auch bei MacDonald. Er schlägt sich auf den Schultern nieder, kriecht in die Gedanken und verwischt den Glanz in den Augen. Aber, auch da zeigt sich die Menschlichkeit, ein Lew Archer gibt niemals auf.


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