Ross MacDonald

Ross MacDonald

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Schwarzes Geld

Schwarzes Geld

Originaltitel: Black Money, 1965

Roman

Inhalt

Das beschauliche Montevista mit Blick auf den Pazifischen Ozean ist Wohn- und Urlaubsstätte für die Reichen und Schönen. Als Privatdetektiv Lew Archer sich mit seinem neuen Klienten, dem reichen Müßiggänger Peter Jamieson, in einem exklusiven Tennisclub trifft, ahnt er bereits, dass in diesem Örtchen ganz eigene Gesetze herrschen - die von Macht und Geld. So ist es nicht ganz einfach, etwas über einen französischen Flüchtling zu erfahren, der sich mit einer Stange Geld Jamiesons Verlobte, die hübsche Ginny, geangelt hat. Das Mädchen scheint von dem Mann namens Martel geradezu besessen zu sein, bereit, mit ihm alles stehen und liegen zu lassen, um ein neues Leben anzufangen. Die Zeit arbeitet also gegen Archer, der Mühe, hat, den Hintergrund des Franzosen zu beleuchten. Denn zum einen sind die Bewohner der Küstenstadt sehr diskret im Umgang mit ihren Gästen, zum anderen streuen sie lieber eigene Gerüchte in die Welt. Schnell wird jedoch klar, dass Martel ein harter Hund ist, der auch vor Waffen nicht zurückschreckt. Zudem stolpern Lew diverse andere Personen in den Weg, die alle etwas von Martel wollen - ein Amateurdetektiv und seine Exfrau, Ginnys Mutter, ein missmutiger Arzt, ein skrupelloser Spieler und ein tragischer Selbstmord. Wie immer brodelt es unter der teuren Fassade der feinen (und nicht so feinen) Gesellschaft.


Kommentar

Ein sehr guter und düsterer Lew Archer-Band - MacDonalds starke Seite ist die Psychologie seiner Figuren. Sein Universum ist voll von Verschrobenen und Besessenen. Ihre Obsessionen zeigen sich im Großen - in Mord und Erpressung, vor allem aber im Kleinen - Habgier, Fress- und Spielsucht, Alkoholismus. Jeder ihrer Träume ist unter der blendenden Sonne Montevistas irgendwann korrumpiert worden - das ist nur noch eine dunkle Ahnung von Unschuld. Und ein jeder droht unter der Last zusammenzubrechen - sei es der verlorene Traum, an den sich verbissen geklammert wird. Das Leben in trügerischen Erinnerungen oder einer unerreichbaren Zukunft. Sie alle haben verloren, sind verlassen worden und haben verlassen. Sie beleidigen, verletzen und lügen. Und umkreisen den Privatdetektiv, der eine stoische Ruhe an den Tag legen muss, um sich all den Seelenmüll anzuhören. Aber das ist sein Job. Und die Bruchstücke aus Selbstmitleid und Selbstbetrug zusammenzuklauben und ein paar dreckige Geheimnisse zu rekonstruieren, deren Lösung niemandem mehr hilft und deren Erledigung selbst die erfahrene Gerechtigkeit bitter schmecken lässt. Denn am Leben der Menschen ändert sich kaum etwas.


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