Tony O'Neill

Tony O'Neill

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Sick City

Sick City

Originaltitel: Sick City, 2010

327 Seiten

Roman

Walde & Graf

Inhalt

Ein legendäres Sextape

Zwei durchgeknallte Drogenfreaks

Drei Millionen Dollar

Willkommen in Sick City

Als Jeffreys Sugar-Daddy beim gemeinsamen Liebesspiel das Zeitige segnet, weiß Jeffrey zunächst nicht wohin. Aber er ahnt, dass ein Neustart nur gelingen kann, wenn er endlich clean wird. Also weist er sich selbst in das Therapiezentrum des Fernseh-Therapeuten Dr Mike ein, aber schon bald merkt er, dass der Promi-Doktor ihm keine Hilfe sein wird. Immerhin lernt er Randal kennen: unverbesserlicher Drogenfreak und Spross einer der einflussreichsten Familien Hollywoods. Er wird ihm helfen, den größten Schatz aus Bills Nachlass an den Mann zu bringen, ein Video-Tape, das einige der wichtigsten Schauspiel-Stars Hollywoods bei einer wüsten Sexorgie zeigt.


Kommentar

Ein Buch - ein Trip. Die Seiten, auf denen mal keine Figur bekifft, stoned, high oder besoffen ist, dürften sich an zwei Händen abzählen lassen - mal abgesehen von der kurzen Stippvisite in der Entzugsklinik. Irgendwo zwischendrin findet sich auch noch eine Story: Zwei Drogenfreaks kommen eher zufällig in den Besitz eines historischen Sexfilmchens, das ein paar Millionen Dollar schwer ist. Beim Versuch, den Streifen zu veräußern, geht natürlich schief, was schief gehen kann. Neben der eigenen, drogengeschwängerten Unfähigkeit, funkt ihnen auch noch ein ziemlich brutaler Gangster dazwischen.

Und wie bei einem Trip bleibt das Geschehen reichlich unfokussiert - man folgt etlichen Nebenfiguren, die für die Haupthandlung wenig Bedeutung haben. Für das Gesamtbild eines verkommenen Los Angeles in dem sich Sex, Drogen und Gewalt ein Stelldichein geben, passt das. Für die Geschichte selbst wirkt es hinderlich. Wie übrigens auch eine der Taglines im Werbetext: Eine wunderbare Hommage an die frühen Black Mask Stories von Raymond Chandler. Vergleiche zu Chandler schrauben die Erwartungshaltung zwangsläufig in die Höhe. Hoch genug, dass man sie selbst völlig stoned nicht erreichen kann. Denn mit der geradlinigen Handlung und den abgefuckten Protagonisten hat Chandler weder stilistisch, noch inhaltlich etwas gemeinsam. Mit dem Hollywood-Thema schlägt Sick City eher in Richtung Robert W. Campbell aus.

Dennoch fabriziert O'Neill gute Unterhaltung - wer auf Romane über völlige Loser steht, wird an Sick City seine Freude haben. Und wer Trainspotting mochte, dürfte sich auch mit Jeffrey und Randal anfreunden.

Illustriert von Michel Casarramona.


Fazit

Zwei Versager auf einem dreckigen Drogentrip durch den amerikanischen Hollywood-Traum. Für allzu viel Hochglanz bleibt da kein Platz mehr. Stimmig geschrieben, unterhaltsam.