Bücher zum Thema: Amerika zwischen 1930 und 1960
Hexenjagd
Die Zeit der Schwarzen Liste
Originaltitel: Lista nera a Hollywood, 1979
Guliana Muscio
Verlag Neue Kritik
214 Seiten
Inhalt
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann in den USA eine wahre "Hexenjagd" auf Künstler und Intellektuelle, die im Verdacht standen, mit der Sowjetunion, dem ehemaligen Verbündeten im Kampf gegen Nazi-Deutschland zu sympathisieren oder sympathisiert zu haben. Ihren Höhepunkt fand diese Entwicklung in den "Ausschüssen zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe", die außer gegen Schulen, Kirchen und staatliche Institutionen in erster Linie gegen Regisseure, Schauspieler, Drehbuchautoren und Produzenten Hollywoods tätig wurden.
Von den 380 Personen, die sich in diesem Zusammenhang vor den Ausschüssen verantworten mussten, konnten nur wenige ihre moralische und politische Integrität bewahren. Zu ihnen zählen die als "Hollywood Ten" bekannt gewordenen Regisseure und Autoren, die ihre Haltung mit einer Gefängnisstrafe bezahlen mussten, oder Lillian Hellman, Dashiell Hammett und Arthur Miller. Einige, wie Charlie Chaplin, Orson Welles und Joseph Losey, wählten den Weg ins freiwillige Exil. Viele, wie Elia Kazan und Walt Disney, wurden zu Denunzianten, nicht zuletzt um dem drohenden Berufsverbot durch die Schwarze Liste zu entgehen.
Guliana Muscio, Dozentin für Filmgeschichte in Padu, arbeitet in ihrem Buch den historischen Hintergrund sowie die Wurzeln der Intellektuellenfeindschaft und des Kommunistenhasses in den USA der 50er Jahre heraus. Sie schildert den bis in die 20er Jahre zurückreichenden Prozess der Syndikalisierung und Politisierung Hollywoods. Außerdem gibt sie einen Überblick über den Umfang des antifaschistischen Kampfes im Hollywood der 30er und 40er Jahre. Die zunehmende internationale Spannung ("Kalter Krieg") und enorme innere Konflikte führten nach Kriegsende zu einer "ideologischen" Neuordnung. Die Arbeit der Ausschüsse zielte darauf ab, im Namen des Antikommunismus jegliches kritische Denken unmöglich zu machen. Politisches Engagement wurde suspekt; unter den Intellektuellen machte sich ein Klima der Angst breit.
Kommentar
In gestraffter Form fächert Giuliana Muscio die berüchtigte Hexenjagd der McCarthy-Ära auf, die unmittelbar etliche Regisseure, Produzenten, Autoren und Schauspieler betraf und unterschwellig Einfluss auf diese Schaffensperiode nahm. Dazu zählen u.a. Edward Dymtryk, Albert Maltz, Adrian Scott, Dashiell Hammett, Lillian Hellman, indirekt Humphrey Bogart, John Garfield und viele mehr. Dabei berührt sie das komplizierte Geflecht aus ausklingendem New Deal, Gewerkschaftsbewegungen, Zweitem Weltkrieg, Rechtsextremismus, dem Kalten Krieg, Kommunistenhass und Atombombenangst. Spiegelt ein zerrissenes Amerika wieder, in dem sich Misstrauen und Denunziation mit der verbohrten Willkür des HUAC und der Angst der Filmstudios mischten. Keine Kleinigkeit an Informationen, Gruppierungen und Namen, von denen die meisten kurz umrissen werden und so einen faszinierenden und bedrückenden Eindruck in das damalige Studiosystem, das HUAC und die allgemeine Befindlichkeit der amerikanischen Bevölkerung gibt.
Im Anhang gibt es dazu einen kleinen Bildteil, eine Zeugenaussage von James O'Neil und Larry Parks, Auszüge aus Texten von Lillian Hellman, John Howard Lawson und ein Gespräch mit Elisa Kazan, sowie den satirischen Loyalitäts-Test der Hollywood Ten. Reichlich Material auf über 200 Seiten und neben den von Hartmut Keil herausgegebenen Verhörprotokollen ( Sind oder waren Sie Mitglied? Verhörprotokolle über unamerikanische Aktivitäten 1947-1956, Reinbek 1979) eine deutsche Quelle zur McCarthy-Zeit bzw. den damaligen "Hexenprozessen".
Sind oder waren Sie Mitglied?
Verhörprotokolle über unamerikanische Aktivitäten 1947 - 1956
Herausgegeben von Hartmut Keil
Rowohlt, 1979
368 Seiten
Inhalt
Eine der großen Selbstverständniskrisen der USA nach dem Zweiten Weltkrieg, lange vor Vietnam und Watergate, stand im Zeichen des so genannten McCarthyismus. Damit sind die skandalösen Vorgänge einer öffentlichen Gesinnungsüberprüfung gemeint, die seit 1947 vor allem vom berüchtigten "Untersuchungsausschuss für unamerikanische Aktivitäten" (HUAC) inszeniert und dabei besonders von Senator McCarthy mit demagogischen Akzenten versehen wurden. Mit welchen Methoden der Inkriminierung und Einschüchterung viele vermeintliche und nur wenige wirkliche (meist frühere) Kommunisten vor einer ganzen Nation an den Pranger gestellt worden sind, das konnte man bei uns bisher nur einmal ausführlich nachlesen, und zwar im vierten Band von Margret Boveris Standardwerk "Der Verrat im 20. Jahrhundert). Ansonsten war hierzulande von den Tribunalen, vor denen namhafte Schriftsteller, Regisseure und Schauspieler öffentlich ihre Unschuld beteuern und ihre Freunde bezichtigen sollten, zum Zeitpunkt ihres Stattfindens nicht viel die Rede: Der Kalte Krieg ließ es opportun erscheinen, die hysterische Jagd auf Andersdenkende in Amerika mit Stillschweigen zu übergehen, ungeachtet der auch damals schon bekannten Tatsache, dass zumeist dubiose politische Karrieristen mit fragwürdigen Mitteln und häufig fingierten Materialien das angeblich patriotische Amt eines Gesinnungsdetektors ausübten. (Der spätere Präsident Richard Nixon begann seine Laufbahn als Vernehmer in einem dieser Ausschüsse.)
[…] Die vorliegende Auswahl von Verhörprotokollen versucht die Atmosphäre der Zeit, die plumpe bis hinterhältige Praktik der Befragung und die zwiespältige bis standfeste Haltung der Zeugen einzufangen.
Die Auswahl umfasst u.a. Auszüge aus Verhörprotokollen von:
- Howard Fast
- Bertolt Brecht
- Dashiell Hammett
- Lillian Hellman
- Ronald Reagen
- Walt Disney
- Edward Dmytryk
Desweiteren Anhörungen von Lehrern und Gewerkschaftsmitgliedern. Jedem Protokol ist ein erläuternder Text zur Situation und bertroffenen Person vorangestellt.
Kommentar
Die Hollywood-Hearings stehen natürlich klar im Fordergrund des Interesses - allerlei berühmte Namen aus der SilverScreen-Ära. Aber sie machen nur einen Teil der Hexenjagd aus, die vor Schulen, Radio, Ämtern und schließlich sogar dem Militär nicht Halt machte. Auch dafür finden sich Verhörprotokolle - vom Zeugen J. Edgar Hoover (damals Chef des FBI), dem Liberalen James A. Wechsler, Hearings zur Situation der Schulen und der Gewerkschaften. Nur ein kleiner Auszug aus Zehntausenden von Protokollseiten, die das HUAC, die SISS und andere Ausschüsse angesammelt haben.
Ein faszinierender, bedrückender Einblick in eine dunkle Epoche der jüngeren amerikanischen Geschichte.
Auszug aus dem Hearing der Schriftstellerin Eslanda Robeson, 07. Juli 1953, Ständiger Unterausschuss für Ermittlungen des Ausschusses für Regierungsangelegenheiten, Vorsitz Joseph R. McCarthy:
Matthews: Waren Sie an der Arbeit des Civil Rights Congress beteiligt?
Robeson: Nun, ich habe vor ein paar Wochen in Detroit eine Rede für den CRC gegen den McCarthyismus gehalten.
Matthews: Unter der Schutzherrschaft des CRC?
Robeson: Ja.
Matthews: Ist das Ihrem Verständnis nach eine kommunistische Organisation?
Robeson: Nein.
Matthews: Als Sie in Detroit unter der Schutzherrschaft des CRC Ihre Rede hielten, waren Sie da Mitglied der Kommunistischen Partei?
Robeson: Das beantworte ich nicht unter dem Schutz des fünften und des fünfzehnten Zusatzartikels.
McCarthy: Ich habe die Antwort der Zeugin nicht mitbekommen. Sie hielt eine Rede über den was?
Matthews: Sie hielt in Detroit eine Rede über den McCarthyismus unter der Schutzherrschaft des CRC. Sie hat nicht gesagt, ob sie dafür oder dagegen war.
Robeson: Dreimal dürfen Sie raten.
Zeit der Schurken
Originaltitel: Scoundrel Time, 1976
Lillian Hellman
Verlag Neue Kritik
124 Seiten
Inhalt
In ihrer autobiographischen Erzählung schildert Lillian Hellman ihre Erlebnisse und Erfahrungen während der McCarthy-Zeit, in der sie sich - ebenso wie ihr Lebensgefährt Dashiell Hammett - vor dem "Ausschuss gegen unamerikanische Umtriebe" verantworten musste. Dieser sehr persönlich gehaltene Bericht vermittelt einen Eindruck von der Situation der Intellektuellen, die wegen ihrer politischen Gesinnung plötzlich verfolgt und diskriminiert wurden und deren ökonomische Existenz innerhalb kurzer Zeit vernichtet scheint. Gespräche und Begegnungen mit Freunden und Kollegen lassen das Klima der Unsicherheit und Angst erkennen, das sich unter Schriftstellern und Filmleuten breit machte. Die Hoffnung, den eigenen Kopf zu retten und dem drohenden Berufsverbot ("Schwarze Liste") zu entgehen, lässt viele zu Denunzianten werden. Das Buch, das 1976 unter dem Titel "Scoundrel Time" in den USA erschien, nahm dort die Diskussion über die antikommunistische Hexenjagd und wie Landesverrats-Hysterie der Jahre 1947-54 wieder auf.
Kommentar
Basierend auf ihren Tagebucheinträgen, gibt Lillian Hellman einen Eindruck vom Leben zur McCarthy-Zeit – Angst, Hilflosigkeit, Frustration. Es ist keine tief greifende Analyse des Phänomens McCarthy, sondern der sehr persönlicher Bericht einer ungewöhnlichen Frau in einer ungewöhnlichen Zeit. Sie erzählt von den Tagen unmittelbar vor ihrer Anhörung, ihrem Brief an den Ausschuss, von Hammetts Reaktion darauf, vom Verlust ihrer Farm und von verschiedenen anderen Freunden und Bekannten, deren Handeln im Schatten des HUAC stand.
Cold War Comes to Main Street
Originaltitel: Cold War Comes to Main Street - America in 1950, 1999
Lisle A. Rose
University Press of Kansas
416 Seiten, Hardcover
Inhalt
In den 50er Jahren schwelgte die amerikanische Öffentlichkeit noch im Taumel des Sieges und der Hoffnung auf eine wohlhabende und sichere Zukunft. Doch die Gefahr eines Atomkrieges mit der Sowjetunion, Senator McCarthys Kommunistenhatz und der Beginn des Koreakrieges schnitten jäh in diese Träume - der Kalte Krieg hielt Einzug in die Heime der amerikanischen Bevölkerung und überzeugte sie davon, dass Roosevelts und Trumans liberales Establishment die Öffentlichkeit betrogen und die Nation in Todesgefahr gebracht hatte.
Indem er die komplexen Beziehungen zwischen Außen-, Innenpolitik und der öffentlichen Meinung darlegt, hebt Lisle Rose hervor, dass 1950 ein zeichnendes Jahr für die amerikanische Nation war. Die atomare Furcht brachte das beklemmende Gefühl der Massenvernichtung, während McCarthys gnadenlose Kampagne gegen subversive Personen gerade die letzten Reste des Gemeinsamkeitsgefühls auslöschte, das sich in den Jahren des New Deal und des Zweiten Weltkrieges gefestigt hatte. Schließlich noch der Koreakrieg, dramatisch zwischen Sieg oder Niederlage, als heftiger Einfluss auf die nationale Stimmung aus Krise und Hysterie.
Laut Rose brachten diese Faktoren der amerikanischen Nation derart tiefe Wunden bei, dass sie sich niemals völlig davon erholen konnte - das Vertrauen der Öffentlichkeit in den modernen amerikanischen Liberalismus und die Regierung war erschüttert, rechte, sehr konservative Strömungen konnten sich festsetzen.
The Dame in the Kimono
Originaltitel: The Dame in the Kimono - Hollywood, Censorship and the Production Code
2001, Revised Edition
Leonard J. Leff und Jerold L. Simmons
University Press of Kansas
378 Seiten
Inhalt
Der Motion Picture Production Code, ein Verhaltenskatalog für Hollywoodstudios, stammt aus dem Jahr 1930, seine volle Macht entfaltete er aber erst, als Joe Breen Direktor des West Coast Hays Office wurde. In den darauf folgenden Jahrzehnten bemühte sich Hollywood, den Spagat zwischen moralisch korrektem Film und Kassenschlager zu wahren. Drehbuchautoren waren angehalten, sich am Hays Code zu orientieren, oder zumindest geschickt genug zu sein, damals fragwürdige Inhalte durch die Zensur zu bringen.
The Dame in the Kimono betrachtet elf Filme im Schatten des Production Codes - sie erlauben es auch, zu erfahren, wie sich die Sehgewohnheiten des amerikanischen Publikums in Lauf der Jahrzehnte veränderten, bis in den 60ern schließlich der Katalog immer wieder öffentlich unterlaufen wurde und seine Integrität verlor.
- Dead End
- Gone With the Wind
- The Outlaw
- The Postman Always Rings Twice
- The Bicycle Thief
- Detective Story
- A Streetcar Named Desire
- The Moon ist Blue
- The French Line
- Lolita
- Who's Afraid of Virginia Wolf
Kommentar
Leff und Simmons verarbeiten eine Fülle von Informationen, legen die Gründe für die zunehmende Macht des Production Code dar (u.a. durch Mae Wests Filme, den Fatty Arbuckle-Skandal), sein Schattendasein in den frühen 30ern und seine Hochzeit bis in die 60er hinein. Sie stellen einige der Protagonisten vor (Will Hays, Joe Breen), durchleuchten die komplizierten Beziehungen zwischen den Kontrolleuren und dem Filmstudios, zeigen, wie sich Hollywood mit dem Production Code arrangierte - ihn einhielt oder unterwanderte. Umreißen schließlich den Fall des Kataloges und die Entstehung des heute bekannten Systems zur Altersfreigabe von Filmen.
Das ganze in sehr viel Text und einigen Bildern, im Anhang mit dem Originaltext des Motion Pictures Production Codes.
The Golden Age of Advertising - the 50s
2005
Jim Heimann, Herausgeber
Taschen
352 Seiten, Hardcover
Inhalt
"No other cigarette tastes so rich, yet smokes so mild!" (Camel)
"A-OK - For tomorrow's missle demands." (Midvac Steels)
"Even this cloud has a silver lining." (Inco Nickel Company)
"Why be tied down to yesterday?" (Lincoln)
"It will add to your happiness!" (Cadillac)
"For a lifetime of shooting buy a Winchester Model 12." (Winchester)
"It's Thrifty … it's Smart and so Easy to ride!" (Harley-Davidson 125)
"Cannon Nylons do something for my legs." (Cannon)
Kommentar
Sie machen die Farben einfach nicht mehr wie früher. Strahlendes Blau, hoffnungsvolles Grün, luxuriöses Rot. Das Flair der 50er, eingefangen in unzähligen Magazinanzeigen und Werbeprospekten. Eine Dekade hin und her gerissen zwischen Wirtschaftswunder, Massenmobilität und Massenmedien, atomarer Angst, Kommunistenhatz und Kaltem Krieg. Printwerbung im Wettstreit mit einem neuen Medium, dem Fernsehen.
Taschen legt zum 25jährigen Bestehen einen dicken Bildband zum goldenen Zeitalter der Zeitschriftenwerbung auf - ein Eintauchen in eine Zeit von strahlendem Lächeln, bunten Farben und Massenkonsum unter dem Schatten des Atompilzes.
Aufgegliedert in die Bereiche Alcohol and Tobacco, Atomic Defense, Automobiles, Consumer Products, Entertainment, Fashion and Beauty, Food and Beverage, Industry, Interiors und Travel. Darunter so Highlights wie "An all-concrete blast-resistent house" (Portland Cement Association) - das atombombensichere Haus, oder "Big reason for better roads" (Caterpillar) - Straßenbau beworben mit einem Atompilz.
Setz dich in deine Chrom glänzende Limousine, rauche eine milde Zigarette, freu dich auf deine glückliche Frau daheim, die eine vollautomatische Küche besitzt, die Familie sicher behütet in deinem atombombensicheren Haus.
Ach übrigens, sie machen die Autos einfach auch nicht mehr wie früher.
McCarthy
Originaltitel: McCarthy the man, the senator, the "ism", 1952
Jack Anderson und Ronald May
Akros Verlag Hamburg
124 Seiten
Inhalt
Das Leben des Joseph Raymond McCarthy (1906 - 1957) - Senator von Wisconsin, Kommunistenjäger und Demagoge, der einem Jahrzehnt seinen Namen aufzwang - McCarthyismus. Mit akribischer Genauigkeit machten sich die Journalisten Jack Anderson und Ronald May 1952 daran, den Mythos eines der meist gefürchteten Politiker der 50er-Jahre mit Dreck zu bewerfen. Und dafür gruben sie tief in der Erde Wisconsins. McCarthys Kindheit, seine Versuche als Hühnerzüchter, sein rasantes Jurastudium, seine Arbeit als Rechtsanwalt, schließlich seine zweifelhafte Karriere als Kreisrichter, seine freiwillige Zeit als Soldat, darauf sein unaufhaltsamer Aufstieg zum Senator und gefürchteten Kommunistenjäger. Kein Stück Vergangenheit, an dem die beiden Autoren nicht ein paar schmutzige Spuren entdecken.
McCarthy ein Kriegsheld? Nur ein Betrüger, dessen Kriegsverletzung von einem Leitersturz rührte. McCarthy ein ambitionierter, junger Richter? Ein skandalträchtiger Kreisrichter, der die Verfassung der Vereinigten Staaten mehrfach mit Füßen trat. McCarthy eine politische Lichtgestalt in Zeiten von Korruption und kommunistischer Unterwanderung? In Wahrheit ein Lobbyist, Lügner und Volksverhetzer der übelsten Sorte (nicht umsonst eignete sich McCarthy einige seiner politischen Kunstgriffe aus Hitlers Machwerk "Mein Kampf" an).
Ausführlich durchleuchteten die Autoren das politische Gefüge der Vereinigten Staaten - McCarthys Feinde (die zumeist mit miesen Propagandatricks ruiniert wurden) und seine Freunde bzw. politischen Befürworter. Dazu ein Blick in Joes fragwürdige Finanzen (Pepsi-Cola-Kid), seine Wahlkampfstrategie (Massenversand von Postkarten zur Verunglimpfung von Gegenkandidaten) und gekonnte Manipulation von Zeitung und Fernsehen.
Kommentar
Jack Anderson arbeitete seit 1947 als Journalist für die Washington Post und galt als ein enger Freund McCarthys - er war einmal in dessen Büro zugegen, als Joe mit Senator Robert Taft telefonierte und stellte eigene Recherchen zur Verfügung, um McCarthys wilde Beschuldigungen zu untermauern.
Als Andersons Chef, der Kolumnist Drew Pearson, sich jedoch entschied, McCarthy auf die Abschussliste zu setzen, war er gewillt - anfangs zögerlich, später enthusiastisch - Schmutz über seinen alten Freund auszugraben, der berüchtigt dafür war, politische Gegner in Hetzkampagnen zu diffamieren. In der damaligen Situation ein mutiger Schritt.
Der Senator zeigte sich nicht begeistert von Andersons Arbeit: "You wait for the next elevator, Jack. I don't want you stinking up this one." Doch trotz McCarthys Bemühungen, Pearson und Anderson als Kommunisten zu verunglimpfen, erschien das Buch 1952. Verleger war Mel Arnold, dessen Verlag Beacon mit vier weiteren Büchern offen Kritik an McCarthy übte (1953 erhielt der Verlag dafür lobende Post von Albert Einstein).








